Warum der Tiger-Fonds von Swissca die Konkurrenz deutlich stehenlässt

Christian Takushi
Christian Takushi

Fondsporträt. Christian Takushi, bei der Swissca Portfolio Management für die Aktienstrategie zuständig, ist auch Manager des Tiger-Fonds. Dieser hat seit Anfang Jahr um 50 Prozent zugelegt.

Herr Takushi, was machen Sie besser als die Konkurrenz?

Unsere Anlagestrategie und unser Verständnis von Asien unterscheiden sich sehr stark von dem, was unsere Konkurrenz macht. Die überwältigende Mehrheit der Experten sagte letzten Sommer einen Kollaps und fünf Jahre Einsamkeit voraus. Deshalb schwankt die Performance der diversen Tiger-Fonds dieses Jahr zwischen 9 und 50 Prozent. Wir haben uns dagegen für die Erholung vorbereitet.


Sie haben im Portefeuille des Tiger-Fonds sehr wenig flüssige Mittel. Ist das ein weiterer Grund für die überdurchschnittliche Entwicklung?

Ja. Wer im Portefeuille eine hohe Liquidität ausweist, hat auf zwei Ebenen verloren: Erstens verpasste er den Kursanstieg. Zweitens erlitt er Verluste wegen der Erstarkung der lokalen Währungen. Der Liquiditätsanteil ist übrigens einer der aussagekräftigsten Indikatoren: Wer viel Cash führt, glaubt nicht an einen Markt. Wir fühlen uns gegenüber der Kundschaft verpflichtet, voll investiert zu sein. Wenn ein Kunde in seinem Portefeuille 10 Prozent in Aktien der Tiger-Länder halten will und wir einen hohen Liquiditätsanteil führen, so stimmt die Allokation unseres Kunden nicht mehr. Nicht nur beim Tiger-Fonds, auch bei den anderen Aktienfonds halten wir nur einen minimen Anteil des Vermögens in Barwerten - im Maximum 5 Prozent. Wir sind zwar seit Juli 1998 in Japan und den Tigerländern voll investiert, die Länder- und Sektor-Allokation war aber genauso ausschlaggebend für die überdurchschnittliche Performance, wenn nicht sogar noch wichtiger.

Die meisten Anlagefonds, die in südostasiatische Aktienmärkte investieren, sind in Dollar denominiert. Der Swissca-Tiger hingegen in Schweizerfranken. Hat dieser Umstand auch zur positiven Entwicklung beigetragen?

Nein. Unsere Kundschaft rechnet in Schweizerfranken. Sie kann den Wert der Fondsanteile ohne Wechselkurs-Umrechnung direkt erkennen.


Der Tiger-Fonds hat seit Anfang Jahr knapp 50 Prozent vorwärtsgemacht. Höchste Zeit, die Gewinne ins trockene zu bringen?

Nein. Ein Ausstieg ist zu früh. Wer sich etwas leisten will, kann natürlich immer einen Teil der Gewinne realisieren. Wer jedoch mittel- bis längerfristig anlegt, sollte seine Anteile behalten.


Also ist es auch nicht zu spät einzusteigen?
Nein, wobei ich auch hier raten würde, in Abständen von vier bis acht Wochen zwei bis drei Tranchen zu kaufen.

Die Tiger-Staaten sind sehr verschieden. Kann man überhaupt die Staaten dieser Region in einen Topf werfen?

In der asiatisch-pazifischen Region gibt es 15 Länder. Trotz der grossen Unterschiede kann man dennoch gewisse Gruppierungen vornehmen: Nordostasien wie Japan, Korea und Taiwan sind recht industrielastig, kapitalintensiv und Technologie-orientiert. Südostasiatische Länder sind dagegen stärker in den Bereichen Finanzmärkte, Rohstoffe, Dienstleistungen und Immobilien. Das ist keine schlechte Mischung.

Nicht nur die wirtschaftliche Ausrichtung, auch die Probleme dieser Staaten sind unterschiedlich: Korea leidet vor allem unter strukturellen, Thailand unter konjunkturellen und Indonesien unter politischen Problemen.

Richtig; aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten. Als Japan das Kreditvolumen massiv kürzte, waren alle asiatischen Länder davon in gleichem Masse betroffen. Ausserdem weisen diese Länder seit 1995 in der Produktion grosse Überkapazitäten auf. Als sich dann das Weltwirtschaftswachstum in Japan und Europa verlangsamte, war die Krise perfekt.


Und trotzdem sind die Unternehmen in Singapur solider als jene in Malaysia.

Gewiss, das Verständnis für die asiatische Region ist eben in der westlichen Welt relativ bescheiden. Alle asiatischen Länder hatten starke Kursverluste erlebt, ungeachtet ihrer unterschiedlichen Probleme. Die Börse in Korea beispielsweise war genau so stark betroffen wie die thailändische, obschon die Probleme in Korea deutlich geringer sind. So undifferenziert die asiatische Region vom Kurszerfall betroffen wurde so undifferenziert erfreut sie sich nun auf breiter Front steigender Kurse.

35 Prozent des Swissca-Tiger-Fonds sind in Hongkong investiert. Sehen Sie da nicht ein gewisses Klumpenrisiko? Der Aktienmarkt der ehemaligen britischen Kronkolonie ist doch anderen Gefahren ausgesetzt als - zum Beispiel - jener Koreas.

Hongkong ist stark von der Zinsentwicklung in den USA abhängig. Daher meiden viele Investoren Hongkong-Aktien. Sie gehen davon aus, dass eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank den Aktienmarkt unter Druck setzen wird. Diese Befürchtung ist jedoch in den Aktienkursen bereits enthalten.

Aber der Hang-Seng-Index ist nicht von ungefähr innert kurzer Zeit von 9000 auf 13 000 Punkte angestiegen.

Der Anstieg im Aktienindex ist nur mit relativ dünnen Umsätzen und wenigen Akteuren zustande gekommen. Die Investoren meiden Hongkong und sind bereits systematisch untergewichtet. Sie warten auf die grosse Korrektur. Sollten also die Zinsen in den USA ansteigen, wird die Korrektur in Hongkong bescheiden ausfallen, weil ja die Grossinvestoren gar keine Hongkong-Aktien besitzen und diese daher auch nicht verkaufen können.


Während Monaten befürchteten Investoren, China könnte ihre Währung abwerten. Ist diese Gefahr vorbei?

Wir gehen davon aus, dass China im nächsten Jahr den Yuan abwertet. Das ist aber keine Gefahr, sondern eine Chance. China wird dadurch die Exporte erhöhen und von der Erholung in Asien sehr schön profitieren können.


Und doch halten Sie im Swissca-Tiger nur einen verschwindend kleinen Anteil an chinesischen Aktien.

Um in China investiert zu sein, muss man nicht Aktien jener Unternehmen kaufen, die in China beheimatet und an der Börse von Shanghai kotiert sind. Die Transparenz solcher Firmen vermag unseren Ansprüchen nicht zu genügen; ausserdem sind solche Aktien oft illiquid. Besser ist, Aktien von Hongkong-Firmen zu kaufen, die in China tätig sind. Diese sind transparent und weit besser geführt als die chinesischen.

In Indonesien ist der Swissca-Tiger verhältnismässig stark engagiert. Glauben Sie an einen Wahlsieg von Frau Megawati?

Wer immer in Indonesien die Regierung übernimmt, wird eine ganz andere Aufgabe übernehmen als die ehemalige Regierung von Präsident Suharto. Indonesien befindet sich in einem Prozess der Transformation. Es wird dereguliert, die Vetternwirtschaft wird demontiert und die Verschuldung stark reduziert.

Was sagen Sie zur Tatsache, dass viele Investoren das Ergebnis der Wahlen abwarten, bevor sie in Indonesien investieren?

Diese Haltung gründet auf einer falschen Wahrnehmung Asiens und führt zu den bekannten panikartigen Zwangskäufen. Wir versuchen, kontrolliert und antizipativ zu handeln. In keinem asiatischen Land wird der politischen Instanz ein gleich hohes Gewicht beigemessen wie in westlichen Ländern. Die Politik in Asien hat noch nie eine grosse Rolle gespielt. Noch ist die Bürokratie in den meisten Ländern massgebend. Und diese verändert sich nicht wegen der Wahlen.


Erschienen in der BZ am 15. Juni 1999

Claude Chatelain