Auch das Wunderkind muss Steuern zahlen

  Keiner zu jung, um Steuern zu zahlen. Das dürfte auch für die Gagen eines Ricky Kam gelten, des Berner Supertalents aus Muri.
Keiner zu jung, um Steuern zu zahlen. Das dürfte auch für die Gagen eines Ricky Kam gelten, des Berner Supertalents aus Muri.

Ein Mann will die Autofahrt zum Arzt als Krankheitskosten geltend machen, ein Anleger weiss nicht, wie er die Dividenden deklarieren soll, und ein Dritter will wissen, ob Einlagen in den Erneuerungsfonds abzugsfähig sind. Die Auswertung der Hotline von letzter Woche.

1. Meine Tochter hat Mitte 2013 ihre Lehre abgeschlossen. Wie verhält es sich mit dem Kinderabzug?

Der Kinderabzug ist bis zum 18. Geburtstag oder bis zum Abschluss der Erstausbildung erlaubt. Deshalb entfällt bei Ihnen der Anspruch, sofern Ihre Tochter die Erstausbildung abgeschlossen hat. Hingegen können Sie die Ausbildungskosten für das erste Halbjahr 2013 geltend machen.

2. Wo kann ich den Kinderabzug eingeben? Wo sehe ich, dass die Steuerverwaltung diesen auch wirklich berücksichtigt?
Sie geben die Daten für Ihr Kind oder Ihre Kinder ein. Und wenn Sie Anspruch auf einen Kinderabzug haben, so wird die Steuerverwaltung diesen Abzug vornehmen. Wenn Sie die Steuererklärung online ausfüllen, so sehen Sie auf der Zusammenfassung, ob der Abzug vorgenommen wurde.

3. Mein 17-jähriger Sohn hat letztes Jahr seine Lehrstelle angetreten. In meiner Steuererklärung muss ich nun sein Einkommen angeben. Muss ich dieses versteuern, da mein Sohn noch nicht steuerpflichtig ist?

Ihr Sohn ist sehr wohl steuerpflichtig. Um es genau zu sagen: Steuerpflichtig ist man schon von Geburt an. Mit anderen Worten: Man muss Steuern zahlen, sobald man ein Erwerbseinkommen erzielt. Das 10-jährige Wunderkind, das mit virtuosem Klavierspiel eine hohe Gage bezieht, muss diese versteuern. Nicht versteuern müssen Jugendliche unter 18 Jahren dagegen Zinserträge auf dem Vermögen. Das müssen die Mutter oder der Vater in ihrer Steuererklärung aufführen. Das Einkommen Ihres Sohnes müssen Sie bloss aus informativen Gründen aufführen. Sobald das Einkommen 24 000 Franken übersteigt, entfällt der Anspruch der Eltern auf den Kinderabzug.

4. Mein Sohn, 23 Jahre alt, besucht in Luzern eine Fachhochschule und kommt nur übers Wochenende nach Hause. Können wir die Kosten für sein WG-Zimmer in Abzug bringen?
Ja. Das sind Ausbildungskosten. Sie können den Kinderabzug plus Ausbildungskosten gelten machen. Dazu zählen die Kosten für die Fachhochschule, die Kosten fürs Essen, die Bahn wie auch die Kosten für das WG-Zimmer.

5. Welchen Dividendentermin soll ich eingeben, wenn ein Anlagefonds mehrere Ausschüttungen pro Jahr tätigt?
Wenn Sie während des ganzen Jahres keine Änderung des Bestandes haben, spielt der Dividendentermin keine Rolle. Sonst müssten Sie pro Ausschüttung einen Eintrag vornehmen und beim Posten Steuerbetrag eine null eingeben. Das Gleiche gilt für Finanzanlagen in fremder Währung, weil Sie hier auch den Wechselkurs während des Dividendentermins angeben müssen.

6. Kann ich bei den Krankheitskosten eine Kilometerentschädigung geltend machen, wenn mich der Hausarzt zu einem Spezialisten verweist?
Im Prinzip ja. Geben Sie 70 Rappen pro Kilometer an. Doch es werden Ihnen nur jene Krankheitskosten in Abzug gebracht, welche 5 Prozent des Reineinkommens übersteigen. Der Abzug wird von der Steuerbehörde vorgenommen. Das Reineinkommen ergibt sich im Wesentlichen aus dem steuerbaren Einkommen plus Verheirateten- beziehungsweise Alleinstehendenabzug, allgemeinen Abzug, Kinderabzug und Vergabungen.

7. Ich habe für mein im Bau befindliches Eigenheim Anzahlungen getätigt. Muss ich etwas vermerken, obschon der amtliche Wert noch nicht bekannt ist?

Führen Sie die Anzahlungen als Guthaben im Wertschriftenverzeichnis auf. Die Steuerverwaltung möchte jeweils wissen, wie sich grössere Veränderungen im Vermögensbestand begründen lassen.

8. Ich wohne in einer Eigentumswohnung. Kann ich die Einlagen in den Erneuerungsfonds steuerlich geltend machen?

Ja. Man kann das Geld für den Erneuerungsfonds im Jahr der Überweisung geltend machen. Oder man macht den Abzug erst in jenem Jahr, in welchem die Reparaturen und Investitionen getätigt werden. Häufig ist der berechtigte Pauschalabzug pro Jahr höher als die jährliche Einlage. Deshalb empfiehlt sich das zweite Vorgehen. Möglich ist auch, nur alle zwei oder alle drei Jahre in den Erneuerungsfonds einzuzahlen, damit die Unterhaltskosten auch höher ausfallen als der Pauschalabzug. Wobei es von Vorteil ist, wenn das alle Wohneigentümer gleich handhaben.

9. Mir wurde im letzten Jahr eine Lebensversicherung 3 b ausbezahlt. Wie muss ich das Kapital versteuern?

Die Auszahlung des Kapitals ist beim Typ 3 b steuerfrei. In der Steuererklärung brauchen Sie nichts zu vermerken. Das Geld Ihrer Versicherung befindet sich auf dem Konto.

10. Ich habe mehrere Konti 3 a, die ich nach und nach auflöse. Da ich aber noch erwerbstätig bin, möchte gleichzeitig weiterhin Geld einzahlen. Geht das?

Ja, das geht. Das Konto 3 a ist an die Erwerbstätigkeit gekoppelt. Wenn man erwerbstätig ist, kann man bis zu einem bestimmten Höchstbetrag Geld aufs Konto 3 a einzahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Und fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter – also mit 59 oder 60 Jahren – kann man die Kontos wieder auflösen.

 

 

Fristverlängerung

Hotline


Schaffen Sie es nicht, die Steuererklärung bis zum 15. März einzureichen? Dann verlangen Sie eine Fristverlängerung. Online sind Fristverlängerungen bis 15. September kostenlos, bis spätestens 15. November kosten sie 10 Franken. Man kann die Fristverlängerung bei der Steuerverwaltung für 20 Franken auch telefonisch oder schriftlich beantragen. Fristverlängerungen werden bis spätestens zum 15. November gewährt.

Diese Zeitung führt regelmässig Telefon-beratungen durch. In den vergangenen Wochen stellten sich Expertinnen und Experten Ihren Fragen zur Steuererklärung. Am 9. April beantworten Pensionskassen-spezialisten Fragen rund um die berufliche Vorsorge. Am 21. Mai steht das Mietrecht auf dem Programm, am 13. August das Erbrecht, und am 17. September werden wir eine Premiere feiern: Erstmals widmen wir uns dem Stockwerkeigentum.

Erschienen in der BZ am 11. März 2014


Claude Chatelain