Vierte Säule: Die Bank Coop und das Bankgeheimnis

Die Bank Coop macht ein Geheimnis um Bankbeziehungen; nicht aber um Kontoauszüge.
Die Bank Coop macht ein Geheimnis um Bankbeziehungen; nicht aber um Kontoauszüge.

Stellen Sie sich vor, Ihre Bank hat die Informatik nicht im Griff und verschickt Ihre Bankauszüge an die falsche Adresse. Ein ziemlich ungemütlicher Gedanke. Leider jedoch Realität. Der Bank Coop ist dies Anfang Jahr passiert. Mehrere Tausend Kontoauszüge flatterten in den falschen Briefkasten. Ein Bankgeheimnis sieht anders aus. Die Bank hat sich dafür entschuldigt und eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben, derweil die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob die Verletzung des Bankgeheimnisses im vorliegenden Fall strafbar sei.

Einer Leserin dieser Zeitung ist damit wenig geholfen. Sie ist eine Betroffene und wollte von der Bank Coop wissen, wer die vertraulichen Informationen über ihre finanziellen Verhältnisse erhalten habe. Bekanntlich müsse es jemand aus der Nachbarschaft sein. «Mir wurde erklärt, das könne man mir nicht sagen, da sonst erneut etwas Unrechtes geschehen würde», schrieb mir die Frau. Denn dadurch erhielte die Frau Kenntnis davon, wer auch noch ein Konto bei der  Bank Coop besitze.

Die Bank Coop könnte sich tatsächlich neue Probleme einhandeln, wenn sie den  Namen preisgibt. Und doch macht sie es sich zu einfach: Sie könnte jene Kunden, die irrtümlicherweise in den Besitz der Unterlagen kamen, anfragen, ob man ihren Namen auf Anfrage bekannt geben dürfe. Darauf angesprochen, schrieb mir die Medienstelle: «Mit Ihrem Vorschlag würden wir bisher nicht betroffene Kunden möglicherweise unter moralischen Druck setzen, ihre Bankbeziehung gegenüber Dritten offenzulegen. In wenigen Einzelfällen ist es so, dass Personen auf diejenigen Personen zugegangen sind, deren Auszug sie erhalten haben. Dies geschah jedoch freiwillig in den ersten Tagen nach dem Fehlversand.»

Bitte sehr: Bei einigen Kunden verletzt die Bank Coop in krassester Weise das Bankgeheimnis. Bei anderen Kunden scheut sie sich, einen «moralischen Druck» aufzubauen. Zugegeben: Mein Vorschlag ist mit Aufwand verbunden. Doch wer mit vertraulichen Bankauszügen ein solches Desaster anrichtet, sollte  keinen Aufwand scheuen, um den Schaden in Grenzen zu halten.

Erschienen in der BZ am 24. Februar 2014

Claude Chatelain