Vierte Säule: Der Januar-Effekt sagt ein schlechtes Aktienjahr voraus

Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb Jens Korte in der «NZZ am Sonntag»: «2013 wird ein Spitzenjahr für Investoren.» Mit dieser Aussage erzielte der Wallstreet-Kenner, der etwa auch in den Nachrichtensendungen des Schweizer Fernsehens zu sehen ist, einen Volltreffer: Die Aktienkurse der Eurozone stiegen um 17 Prozent, jene der USA und der Schweiz um 25 und jene Japans gar um über 50 Prozent.

Korte berief sich auf eine bekannte Börsenregel: «So wie der Januar, so das ganze Jahr». Seit 1929 hat sich diese Regel in 70 Prozent der Fälle bestätigt. Und im Januar 2013 sind die US-Märkte fulminant in das neue Jahr gestartet: Der Dow Jones legte um 6,4 Prozent zu. Es war der beste Jahresauftakt seit 1994.

Womit wir beim angelaufenen Jahr 2014 angelangt sind: An den ersten Börsentagen war noch eitel Sonnenschein. Mittlerweile sind aber dunkle Wolken aufgezogen. Der SMI lag zwar Ende Monat mit minus 0,1 Prozent nur unbedeutend in der negativen Zone. Relevanter ist der Dow Jones: Er verlor in diesem Jahr bereits 5,3 Prozent, der japanische Nikkei-225 gar 8,5 Prozent. Wie der Januar, so das ganze Jahr? Es wäre keine Überraschung, wenn sich diese Regel auch 2014 bestätigen sollte. Nicht nur wegen der Erfahrungen vergangener Jahre, sondern auch deshalb, weil die Auguren Anfang Jahr fast einhellig auf Optimismus machten und ein gutes Aktienjahr prophezeiten. Meistens kommt es anders, als Börsenpropheten denken.

Erschienen in der BZ am 4. Februar 2014


Claude Chatelain