Die Säule 3a ist verführerisch

Fragt man Schweizerinnen und Schweizer «Wollen Sie Steuern sparen?», so können sie dem Angebot kaum widerstehen. Deshalb ist das Sparen 3a populär.

«Haben Sie schon auf das Konto 3a einbezahlt?» Diese Frage stellen Banken ihren Kunden jeweils im Dezember. Sie erinnern daran, dass man mit solchen Einzahlungen Steuern sparen kann – und das nicht wenig. Das ist verführerisch. Mit Steuergeschenken kann man Eskimos Kühlschränke verkaufen. In der Tat alimentieren viele Bankkunden das Konto 3a erst Ende Jahr, nachdem sie den 13. Monatslohn erhalten hatten. Doch wer es sich leisten kann, sollte das Geld schon zu Jahresbeginn in die Säule 3a überweisen. So kommt man während eines Jahres in den Genuss des steuerfreien Zinses, selbst wenn dieser auch auf den steuerbegünstigten Konti 3a derzeit nicht berauschend ausfällt (Tabelle).

 

Mickrige Verzinsung

Die meisten Banken zahlen auf dem Konto 3a einen Zins von 1,25 Prozent. Die knausrigsten zahlen 1 Prozent, die grosszügigsten 1,625 Prozent. Auf den ersten Blick ist das nicht die Welt. Doch langfristig kommt auch ein Zinsunterschied von einem halben Prozent ins Geld. Beispiel: Wer ab Alter 30 jedes Jahr bis zum 65. Altersjahr 6500 aufs Konto 3a überweist, kommt bei einem konstanten Zins von 1,5 Prozent auf eine Summe von 296 348 Franken. Bei 2 Prozent sind es knapp 325 000 Franken. Die Differenz von gut 28 000 Franken lässt sich sehen. Mit diesen paar Franken kann man einiges anstellen. Wobei nicht davon auszugehen ist, dass die Zinsen 35 Jahre auf derart tiefem Niveau verharren. Vergleicht man eine konstante Verzinsung von 2 mit 2,5 Prozent, erhöht sich die Differenz auf über 32 000 Franken.


Mit 3a-Zins das Image poliert

Eröffnet man das Konto 3a bei der Bank mit dem höchsten Zins, wird man bis zur Pensionierung trotzdem nicht unbedingt die höchstmögliche Rendite erzielen. Denn die Banken ändern ihre Zinssätze nicht im Gleichschritt. Die Credit Suisse beispielsweise zahlte auf dem Konto 3a für längere Zeit die höchsten Zinsen, nachdem die Finanzkrise ausgebrochen und die multinationalen Grossbanken in die Kritik geraten waren. Derzeit liegt die CS mit 1,25 Prozent im Mittelfeld.

BBO lockte Tausende an

Ein anderes Beispiel liefert die Bank Brienz Oberhasli (BBO): Im Herbst 2007 wurde die BBO schweizweit bekannt, weil sie das Geld in der dritten Säule mit 3 Prozent verzinste, was damals einsame Spitze war. Die Postfinance zahlte zu jener Zeit 1,75 Prozent. Zudem richtete die BBO unter www.3prozent.ch eine Website ein, auf der man mit einem Berechnungsmodul den Spareffekt berechnen konnte. Die Rechnung ist für die Oberländer aufgegangen: Sie lockten Tausende von Franken an. Doch mittlerweile zahlt die BBO nur noch 1,1 Prozent und damit deutlich weniger als die meisten anderen Banken. Da der Bankkunde erfahrungsgemäss sehr träge ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Kunden der BBO in Scharen das Geld auf besser verzinsliche Konti transferieren.

Kündigungsfrist

Gerade das sollte man aber tun, auch wenn man keine Gewähr hat, dass die neu gewählte Bank regelmässig überdurchschnittliche Zinsen zahlt. Freilich geht das nicht immer so reibungslos: Die Berner Kantonalbank beispielsweise pocht auf eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Mit dieser Politik ist sie jedoch ziemlich allein: «Bei der Migros-Bank gibt es keine Kündigungsfrist. In der Regel erfordert ein solcher Transfer nicht mehr als zwei Arbeitstage», erklärt Sprecher Albert Steck. Und Valérie Bodenmüller von der Valiant-Bank bestätigt: «Bei unserem Privor-Säule-3a-Konto gibt es keine Kündigungsfrist: Der Kunde unterzeichnet das Auflösungsformular, reicht uns das Bestätigungsschreiben des neuen Säule-3a-Kontos ein, und innerhalb von zwei bis vier Arbeitstagen ist der Transfer des Vorsorgeguthabens erfolgt.» Ähnlich lauteten die Antworten der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. Ein Trost für BEKB-Kunden: Vor fünf Jahren betrug die Kündigungsfrist der Staatsbank sogar ein volles Jahr. Erst als der «Blick» diese Politik anprangerte, kürzte die BEKB die Kündigungsfrist auf drei Monate.

Neue Liquiditätsvorschriften

Bei der Spar- und Leihkasse Münsingen beträgt die Kündigungsfrist gemäss Vorsorgevereinbarung 30 Tage. «Aus Kulanzgründen hat unsere Bank diese jedoch bisher nicht angewendet. Dies wird auch bis auf weiteres so bleiben. Wenn die Formalitäten erledigt sind, dauert es zwei bis drei Tage bis zur Auszahlung», sagt der Geschäftsleitungsvorsitzende Beat Hiltbrunner. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass weitere Bankinstitute das Guthaben auf dem steuerbegünstigten Konto 3a nicht mehr subito überweisen können und Kündigungsfristen einführen. Sie begründen dies mit neuen Liquiditätsvorschriften. Neu müssen die Banken für Konti ohne Kündigungsfristen deutlich mehr Liquidität hinterlegen als für Konti mit einer Kündigungsfrist. Aus diesem Grund hat zum Beispiel die Saanenbank auf Anfang Jahr eine Kündigungsfrist von 31 Tagen eingeführt.

 

 

INFOTHEK

Was man in die Säule 3a überweist, kann man vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Für Angestellte mit einer Pensionskasse beträgt der maximale abzugsfähige Betrag im laufenden Jahr 6739 Franken. Selbstständigerwerbende und Arbeitnehmer ohne Pensionskasse können bis 20 Prozent des Reineinkommens abziehen, maximal 33 696 Franken. Was man sonst noch zum Sparen 3a wissen muss:

 

  • Das Geld auf dem Konto 3a ist gebunden. Es kann erst fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter bezogen werden. Drei Ausnahmen: der Gang in die Selbstständigkeit, die Finanzierung von selbst bewohntem Eigentum, die Auswanderung.
  • Was man aufs Konto 3a überweist, kann man zwar vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Dafür ist beim Bezug eine Kapitalauszahlungssteuer zu entrichten. Diese fällt normalerweise weniger ins Gewicht als der Steuerabzug.
  • Die Kapitalauszahlungssteuer ist progressiv. Es lohnt sich daher, mehrere Konti 3a zu eröffnen und diese ab Alter 60 in verschiedenen Jahren aufzulösen. Wird ein Konto im Januar und ein zweites im Oktober des gleichen Jahres aufgelöst, so wird die Kapitalauszahlungssteuer auf dem gesamten Betrag geschuldet.
  • Mit dem Sparen 3a sollte man nicht allzu früh anfangen. Es sei denn, man will sich einen Sparzwang auferlegen. Je länger das Geld auf dem Konto 3a liegt, desto stärker verpufft die im Jahr der Einzahlung erzielte Steuerersparnis. Mit einem Fondssparplan dürfte man langfristig eine höhere Rendite erzielen.
  • Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus erwerbstätig ist, kann noch fünf Jahre in die Säule 3a einzahlen.
  • Personen ohne Erwerbseinkommen, etwa Hausfrauen, sind von der gebundenen Vorsorge 3a ausgenommen. Eine Ausnahme bilden Bezüger von Arbeitslosentaggeldern.
  • Mit dem Geld auf dem Konto 3a kann man in ausgewählte Vorsorgefonds investieren. Sie unterstehen strengen Regulierungen. Der Aktienanteil darf höchstens 50 Prozent betragen. Die meisten Banken führen drei bis vier solche Fonds mit unterschiedlich hohen Aktienquoten im Angebot.
  • Steuern sparen kann man auch mit dem Abschliessen einer Versicherung. 3a-Policen enthalten neben einem Sparteil auch einen Risikoschutz bei Tod oder bei Erwerbsunfähigkeit – oder bei beidem. Kombiprodukte sind aus Gründen der Transparenz und der Flexibilität nicht zu empfehlen.



Die 3a-Zinsen im Vergleich

Bank                                                 3a-Zins

Freiburger Kantonalbank                 1,625

WIR-Bank                                    1,625

 

Migros-Bank                                 1,600

 

AEK Bank 1826, Thun                     1,400

Bank Coop                                   1,400

 

Raiffeisen                                    1,375

 

Bank Gantrisch, Schwarzenburg       1,250

Berner Kantonalbank (BEKB)            1,250

Bernerland Bank, Sumiswald            1,250

Credit Suisse                               1,250

DC Bank, Bern                              1,250

Bank EEK, Bern                             1,250

EKI, Interlaken                             1,250

Ersparniskasse Affoltern                 1,250

Ersparniskasse Rüeggisberg             1,250

Postfinance                                 1,250

Saanenbank                                 1,250

Baloise Bank Soba                         1,250

S + L Gürbetal, Mühlethurnen          1,250

S + L Münsingen                           1,250

S + L Riggisberg                            1,250

S + L Wynigen                              1,250

UBS                                            1,250

 

Valiant                                        1,200

 

Bank Brienz Oberhasli (BBO)            1,100

 

Clientis Bank Oberaargau                1,000

S + L Frutigen                              1,000

 

Erschienen in der BZ am 4. Februar 2014


Claude Chatelain