Berset kommt älteren Angestellten zu Hilfe

Ein über 55-jähriger Angestellter kommt den Arbeitgeber bei gleichem Lohn und gleicher Qualifikation teurer zu stehen als ein 50-Jähriger.
Ein über 55-jähriger Angestellter kommt den Arbeitgeber bei gleichem Lohn und gleicher Qualifikation teurer zu stehen als ein 50-Jähriger.

Arbeitgeber müssen für ältere Angestellte höhere Sozialbeiträge abliefern. Das will Bundesrat Alain Berset mit der Altersvorsorge 2020 ändern. In der Öffentlichkeit wurde sein Vorschlag bisher kaum wahrgenommen.

«Der 2. Säule unserer Altersvorsorge schenken wir besondere Aufmerksamkeit», schrieb die CVP im Herbst 2011 in ihr Wahlprogramm. «Wir kämpfen dafür, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr benachteiligt sind, und fordern einen linearen und einheitlichen Beitragssatz für alle.» Getan hat die CVP diesbezüglich wenig. Sie beschränkte sich auf eine Interpellation, um diesem Anliegen Nachhall zu verschaffen.

Ältere sind teurer

Mehr gemacht hat dafür SP-Bundesrat Alain Berset. Hat ein Arbeitnehmer das 55. Altersjahr überschritten, erhöhen sich nach geltendem Recht die Altersgutschriften von 15 auf 18 Prozent vom versicherten Lohn. Mindestens die Hälfte dieser Sparbeiträge geht zulasten des Arbeitgebers. Somit kommt ein über 55-jähriger Angestellter den Arbeitgeber bei gleichem Lohn und gleicher Qualifikation teurer zu stehen als ein 50-Jähriger. Dies deshalb, weil bei älteren Arbeitnehmern in der beruflichen Vorsorge – nicht aber in der AHV – höhere Sozialkosten anfallen. Dies ist mit ein Grund, weshalb es ältere Arbeitslose häufig schwerhaben, wieder eine Stelle zu finden. Gegenüber jüngeren Berufskollegen befinden sie sich auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil. Nun schlägt Sozialminister Alain Berset in seinem Reformpaket Altersvorsorge 2020 neue Altersgutschriften vor. Sie sollen ab Alter 45 nicht mehr ansteigen: «Damit wird der Kostenunterschied der beruflichen Vorsorge zwischen älteren und jüngeren Beschäftigten kleiner, was die Stellung der älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt verbessert», steht im Bericht zur Altersvorsorge 2020 zu lesen. Er befindet sich bis Ende März in der Vernehmlassung.

Keine Lösung in Sicht

Das Problem der mit zunehmendem Alter steigenden Lohnabzüge ist erkannt: Schon 2005 hatte eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern des Bundesamts für Sozialversicherungen und des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco Massnahmen geprüft, um die älteren Semester länger im Arbeitsprozess zu behalten. Dabei hatten sie auch die Altersgutschriften unter die Lupe genommen. Eine Lösung fanden sie nicht. Ideal wäre ein einheitlicher Beitragssatz für alle. Man müsste die geltenden Sparbeiträge der Jüngeren erhöhen und die der Älteren kürzen. Das Problem liegt in der Übergangsphase: Werden einem 50-Jährigen die Altersgutschriften gekürzt, kommt er bis zur Pensionierung zusammen mit der AHV nicht zum erforderlichen Sparziel von 60 Prozent des letzten Lohnes. Man hätte die Lücke anderweitig stopfen müssen, was Milliarden von Franken verschlungen hätte. Die Arbeitsgruppe kam in einer Studie zum Schluss, «dass ein einheitlicher Gutschriftensatz angesichts der deutlichen Mehrkosten nicht zur Umsetzung empfohlen werden kann». Im Weiteren prüfte die Arbeitsgruppe vor bald zehn Jahren die Möglichkeit, während einer Übergangszeit von vierzig Jahren zwei Systeme parallel laufen zu lassen. Bei allen Arbeitnehmern, die neu in das Erwerbsleben einstiegen, wäre ein einheitlicher Abzug vorgenommen worden. Auch dieser Weg wäre nur mit erheblichen Kosten zu bewerkstelligen gewesen. Vorschläge, die heute nur Kosten verursachen und erst in vierzig Jahren wirksam werden, hatten damals und haben auch heute in der Politik kaum eine Chance. Deshalb schlägt Berset in seinem Reformpaket keinen einheitlichen Beitragssatz vor, aber immerhin eine leichte Verbesserung in Richtung einheitlichen Beitragssatzes.

Stiftungsräte sind gefordert

Eigentlich hätten es die Stiftungsräte von Vorsorgeeinrichtungen in der Hand, in Richtung einheitlichen Beitragssatzes hinzuwirken. Die meisten Kassen sind umhüllend. Das heisst, sie bieten Leistungen an, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen, sogenannte überobligatorische Leistungen. Auch Altersgutschriften, die über den Prozentsätzen gemäss Tabelle liegen, sind überobligatorisch. So gibt es Vorsorgeeinrichtungen, welche im überobligatorischen Bereich bei den älteren Arbeitnehmern geringere Abzüge vornehmen als bei den Jungen. Bei der Luzerner Pensionskasse beispielsweise bleiben die Altersgutschriften ab Alter 42 unverändert.

 

Erschienen in de BZ am 20. Januar 2014

Claude Chatelain