Die Wirtschaftslobby jammert auf Vorrat

Die Swatch Group erzielte im zurückliegenden Geschäftsjahr einen rekordhohen Umsatz. Das ist bemerkenswert, weil die Uhrenindustrie in ausgesprochenem Mass vom Export abhängig ist. Konzernchef Nick Hayek erklärte, dass ihm die Währungssituation zu schaffen mache. Alleine im zweiten Halbjahr hätten die Wechselkurse Umsatzeinbussen von über 100 Millionen Franken verursacht, klagte er.

Das ist Klagen auf hohem Niveau, wenn  man sich an den Spätsommer 2011 erinnert: Der Franken wurde stärker und stärker und das Klagen der Wirtschaft lauter und lauter. Die Wirtschaftslobby klagte  so laut, dass Bundesrat und Parlament ein Hilfspaket schnürten und zusätzliche Mittel für Kurzarbeit sprachen.

Dass diese Mittel kaum beansprucht wurden und die börsenkotierten Unternehmen  in den Jahren darauf rekordhohe Dividenden ausschütteten,  war in diesem Blatt bereits zu lesen. Der Rekordumsatz von Swatch dient hier als weiteres Beispiel, dass zumindest gewisse Branchen trotz eines starken Frankens sehr gut wirtschaften können. Die Schweizer Wirtschaft ist nicht in die Krise gestürzt. Das stärkt das Vertrauen in die Unternehmer, kaum aber das Vertrauen in deren Lobbyisten.

Derzeit kämpft die Wirtschaftslobby mit aller Kraft gegen die Begrenzung  der Zuwanderung. Gleich im Dutzend ist sie am Montag vor die Medien getreten, um vor den angeblich verheerenden wirtschaftlichen Folgen einer Annahme der Masseneinwanderungsinitiative der SVP zu warnen. Doch Quantität ist nicht Qualität. Massgebend ist nicht die Anzahl der Wirtschaftslobbyisten, die den Teufel an die Wand malt. Massgebend ist, wie glaubwürdig die Wirtschaftsvertreter noch sind. Jammern auf Vorrat ist kontraproduktiv.

Erschienen in der BZ am 11. Januar 2014

Claude Chatelain