Das Herzstück der Eta ist verbrannt

Bei der Eta in Grenchen, dem wichtigsten Komponentenhersteller für die Uhrenbranche, ist gestern Morgen ein Brand ausgebrochen. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die wirtschaftlichen Folgeschäden sind gross.

«Der Brand hat das Herzstück der Produktion getroffen», sagte gestern Nick Hayek auf Radio SRF. Über das Ausmass des Schadens bei der Eta und die Auswirkungen auf die gesamte Produktion konnte der CEO der Swatch Group indessen noch nichts sagen. Zudem war von Swatch nicht in Erfahrung zu bringen, wie weit der erfolgreiche Weltkonzern für solche Ereignisse mit Notfallszenarien vorsorgte. Sicher ist aber, dass nicht nur der Sachschaden der zerstörten Galvanikabteilung gross ist, sondern auch die Folgeschäden für die Uhrenproduktion insgesamt. Denn die schweizerische Uhrenindustrie leidet schon seit längerem unter Produktionsengpässen.

Die Eta Manufacture Horlogère in Grenchen stellt Uhrwerke und Komponenten her. Sie wurde auch schon als «die heimliche Königin der Uhrenindustrie» bezeichnet. Die Markenlandschaft in der Schweiz ist zwar mannigfaltig, das Innenleben der Uhren jedoch meist das gleiche: ein Uhrwerk der Eta, deren Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Denn die Swatch-Tochter produziert an elf Standorten mit ihren rund 8000 Mitarbeitern nicht nur für die Swatch Group. Sie produziert auch für Dritte: 2012 setzte Eta 559 Millionen Franken mit Uhrenherstellern um, die nicht zum Swatch-Konzern gehören. 1,6 Milliarden setzte sie mit Uhren der Swatch Group um.

Weko musste eingreifen

Diese Dominanz der heimlichen Königin rief auch schon die Wettbewerbskommission (Weko) auf den Plan. Die Swatch Group untersteht wegen der marktbeherrschenden Stellung einem Lieferzwang. Die Swatch Group wollte die Lieferung mechanischer Uhrwerke an Dritte drosseln, was die Weko Mitte Juli zuerst ablehnte, im Oktober dann trotzdem genehmigte. So oder so ist manchem Uhrenhersteller unwohl, vom Komponentenhersteller des Konkurrenten abhängig zu sein. Ab 2019 soll die Lieferverpflichtung der Swatch Group gemäss einer Vereinbarung mit der Weko auslaufen.

Die ausgebrannte Galvanikabteilung der Eta in Grenchen.
Die ausgebrannte Galvanikabteilung der Eta in Grenchen.

Erst vor zwei Wochen schrieb die NZZ «Die Abhängigkeit von Eta-Uhrwerken geht zurück» und publizierte eine lange Liste von neuen Fabriken, wie sie entstanden sind und noch entstehen werden. «Entlang des Jura-Bogens, hinunter bis nach Genf, werden bestehende Fabrikanlagen und Manufakturen erweitert und neue Werke aus dem Boden gestampft», so die NZZ. 2012 erstellte Rolex in Biel ein neues Werk. Tag Heuer baute eine neue Fabrik für Uhrwerke im jurassischen Chevenez; Chopard erweiterte ihre Fabriken in Meyrin (GE) und Fleurier (NE), und Audemars Piquet wird im kommenden Jahr in Genf einen neuen Produktionsbetrieb für Gehäuse erstellen. All dies, um die Produktionsengpässe zu beheben und – zum Teil – um sich von der Abhängigkeit der Eta loszusagen.

Auch die Swatch Group mit Marken wie Blancpain, Breguet, Longines, Omega, Rado oder Tissot baute neue Anlagen. Eine davon steht in Boncourt im Kanton Jura. Nick Hayek sagte gestern, er könne als Folge des Brandes auf andere Uhrenfabriken ausweichen, was freilich grosse Umstellungen zur Folge hätte. Er dürfte vorab an Boncourt gedacht haben.

 

Erschienen in der BZ am 30. Dezember 2013

Claude Chatelain