Berner Banken glauben weiterhin an Aktien

  Zurücklehnen und überlegen: Wird auch 2014 ein gutes Jahr für Aktienanleger?
Zurücklehnen und überlegen: Wird auch 2014 ein gutes Jahr für Aktienanleger?

Acht Banken aus Bern, dem Aaretal, dem Emmental, dem östlichen und westlichen Oberland wagen den Blick in die Glaskugel. Wie wird das Anlagejahr 2014?

2012 stieg der Swiss-Market-Index (SMI) um 15 Prozent. Und im zur Neige gehenden Jahr 2013 kletterte das Börsenbarometer der zwanzig grosskapitalisierten Schweizer Aktien bis dato um weitere 18 Prozent. Der Dow Jones Industrial, nach wie vor der meistbeachtete Index weltweit, stieg seit Anfang Jahr gar um über 24 Prozent in die Höhe. Nach zwei Jahren starken Kurswachstums mahnen Prognostiker normalerweise zur Vorsicht. «Die Luft wird dünner», lautet eine gängige Floskel, wie sie von Börsianern häufig bemüht wird. Diesmal jedoch, beim Ausblick für das Jahr 2014, geben sich die Banker erstaunlich optimistisch.

Stephan Hebeisen von der Saanenbank will die Aktien im Portfolio weiterhin übergewichten, wenn auch die Renditen nach seiner Einschätzung etwas bescheidener ausfallen dürften. «Viele Aktien haben neue Allzeithochs erreicht. Trotzdem bleiben wir für diese Anlageklasse optimistisch», schreibt Renato Flückiger von der Valiant Bank. Die Spar und Leihkasse Münsingen «ist vom Kurspotenzial der Aktien, vor allem der europäischen Titel, weiter überzeugt».

Aktien aus dem Euroraum stehen auch bei der Berner Kantonalbank im Fokus, während die Bank EKI aus Interlaken eher auf die kleineren und mittelgrossen Aktiengesellschaften setzt, sogenannte Small und Mid Caps. Annette Lehnherr von der Bank EEK rät dagegen, «in defensive Qualitätsaktien mit attraktiven Dividendenrenditen zu investieren». Zurückhaltender gibt sich Marlise Grossenbacher von der Raiffeisenbank Oberemmental: «Ein fulminanter Beginn ins Aktienjahr scheint jedenfalls eher unwahrscheinlich.»

Zum Schluss sei «Praktikus» zitiert, die Kolumne in «Finanz und Wirtschaft»: «Es ist ein bekanntes Bild: Je reifer der Konjunktur- und Börsenzyklus, desto höher klettert die Risikobereitschaft. Anleger blenden die Risiken immer mehr aus, je länger der Aufschwung dauert.»

 

 

EKI, Interlaken

Ueli Stähli, EKI Genossenschaft, Interlaken.
Ueli Stähli, EKI Genossenschaft, Interlaken.

«Während sich in den letzten drei Jahren insbesondere die Aktien grosskapitalisierter Schweizer Firmen ansprechend entwickelten, schnitten im letzten Quartal 2013 erstmals wieder die Aktien klein- und mittelkapitalisierter Unternehmen besser ab. Historisch brachten diese jeweils eine bessere Rendite als die grossen Titel. Darunter befinden sich viele zyklische, exportorientierte Unternehmen, welche von einer wirtschaftlichen Erholung in Europa profitieren würden. Dank der Eurokursuntergrenze können die Firmen mit stabilen Wechselkursen rechnen. Viele dieser sogenannten Small and Mid Caps sind in ihrer Branche führend und verfolgen langfristige Strategien. Die Bilanz ist in der Regel solide und das Management stabil. Die Bewertung ist interessant. Investitionen können in der Schweiz mit Direktanlagen oder Anlagefonds getätigt werden. Im Ausland empfehlen wir die Abdeckung des Themas via Anlagefonds.

 

 

Raiffeisenbank Oberemmental, Röthenbacch

Marlise Grossenbacher, Bankleiterin, Raiffeisenbank Oberemmental, Röthenbach.
Marlise Grossenbacher, Bankleiterin, Raiffeisenbank Oberemmental, Röthenbach.

«Obschon das globale Wirtschaftswachstum 2014 wieder mehr Fahrt aufnimmt, wird dies den Märkten nicht zwingend weiteren Auftrieb geben. 2014 wird in dreifacher Hinsicht zum Jahr der geldpolitischen Wahrheit: Es muss erstens mehr Klarheit über die Geldpolitik der USA herrschen. Zweitens muss Abenomics in Japan fruchten, konkret das Wachstum hochhalten und die Inflation in Richtung des angestrebten Zielwertes von 2 Prozent anheben. Und drittens müssen in Europa die fiskalischen Konsolidierungsbemühungen fortgesetzt werden, ohne dabei das nicht sehr robuste Wachstum zu gefährden. Ein fulminanter Beginn ins Aktienjahr scheint jedenfalls eher unwahrscheinlich. Unabhängig vom Verlauf der Geldpolitik ist die Zinswende am langen Ende erfolgt. Damit bleiben Staatsanleihen unattraktiv, insbesondere in längeren Laufzeiten. Gold sehen wir weiterhin als sinnvolle Ergänzung.


Bank EEK, Bern

Annette Lehnherr Bank EEK, Bern
Annette Lehnherr Bank EEK, Bern

«Die Jagd nach Rendite geht auch im Anlagejahr 2014 weiter. Für risikoscheue Anlegerinnen und Anleger stehen Risiko und Rendite weiterhin in keinem optimalen Verhältnis. Wenn die amerikanische Zentralbank damit beginnt, ihre ultraexpansive Geldpolitik zurückzufahren, werden die Renditen, auch in der Schweiz, etwas ansteigen, wobei wir kaum Potenzial für grosse Sprünge sehen.

Wir empfehlen für das Anlagejahr 2014 eine weiterhin vorsichtig ausgerichtete Anlagestrategie. Anlegerinnen und Anleger sind trotz der etwas erhöhten Aktienrisiken gut beraten, in defensive Qualitätsaktien mit attraktiven Dividendenrenditen zu investieren. Von den fast ausschliesslich besseren Wirtschaftsprognosen werden vorab ausgewählte, konjunkturabhängige Aktien profitieren. Anleger werden sich allerdings trotz der positiven Aussichten im kommenden Jahr auf Kursschwankungen einstellen müssen.

Spar- und Leihkasse, Münsingen

Beat Wittmann, Bereichsleiter Anlagekunden, Spar+Leihkasse Münsingen.
Beat Wittmann, Bereichsleiter Anlagekunden, Spar+Leihkasse Münsingen.

«2013 war ein sehr erfreuliches Aktienjahr – dasselbe erwarten wir auch für 2014. Die Konjunkturwende wurde erreicht, und die Schuldenkrise geht weiter zurück. Die Konjunkturdynamik wird das Gewinnwachstum der Unternehmen beschleunigen. Im Euroraum rechnet man mit einem Wachstum von 1,5 Prozent, in den USA mit 2,4, in der Schweiz mit 2 Prozent, und auch von den Schwellenländern sind wieder bessere Zahlen zu erwarten. Mitentscheidend wird die anhaltende weltweite expansive Geldpolitik bleiben, dessen Weiterführung die US-Notenbank letzten Mittwoch trotz Ankündigung der ersten Drosselung ihrer Billiggeldpolitik ab Januar bestätigte. Wir sind vom Kurspotenzial der Aktien, vor allem der europäischen, weiter überzeugt, solange keine deutliche Zinswende in Sicht ist. Wir mögen Aktien von Unternehmen, die global aufgestellt sind, nachhaltig wachsen und solide finanziert sind.

Berner Kantonalbank, Bern

Andreas Bogenstätter, Leiter Private Banking Region Bern, Berner Kantonalbank.
Andreas Bogenstätter, Leiter Private Banking Region Bern, Berner Kantonalbank.

«Die amerikanische Zentralbank hat nach langer Zeit leicht auf die Bremse getreten. Trotzdem ist die Geldpolitik immer noch expansiv. Die Margen dürften unter Druck kommen. Trotzdem wird 2014 kein Weg an Aktien vorbeiführen. Die meisten Unternehmen sind solide aufgestellt. Kursrückschläge bleiben trotzdem möglich und erlauben einen selektiven Aufbau. Sollte sich die Konjunktur auch in Europa erholen, bieten Aktien aus dem Euroraum wohl das grösste Kurspotenzial. Längerfristig dürften Asien und die Schwellenländer weiterhin überdurchschnittlich wachsen.

Auf der Zinsseite hängt einiges davon ab, ob und wann die US-Zentralbank ihr Anleihenkaufprogramm erneut zurückfahren wird. Wir rechnen mit höheren Langfristzinsen, wenn sich die Konjunktur in den USA weiter erholt. Wegen der globalen Vernetzung dürften die Zinsen auch in Europa und der Schweiz etwas höher ausfallen.

Valiant Bank, Bern

Renato Flückiger, Leiter Investment, Valiant-Bank, Bern.
Renato Flückiger, Leiter Investment, Valiant-Bank, Bern.

«2013 haben uns drei Themen beschäftigt: Staatsschulden, die expansive Geldpolitik und eine schwache globale Konjunktur. Für 2014 erwarten wir einen stärkeren Fokus auf das anziehende globale Wirtschaftswachstum. Das BIP-Wachstum dürfte bei rund 3,5 Prozent liegen.

Viele Aktien haben neue Allzeithochs erreicht. Trotzdem bleiben wir für diese Anlageklasse optimistisch. Die bessere Weltkonjunktur und das anziehende Gewinnwachstum vieler Unternehmen sprechen aus unserer Sicht für Aktien.

Bei den Obligationen gehen wir nach wie vor von moderaten Zinsanstiegen aus. Daher raten wir von Engagements in lang laufende Staatsobligationen ab und bevorzugen Unternehmensanleihen. Als attraktive Ergänzungen sehen wir Hochzins- und Wandelanleihen sowie selektiv ausgewählte Obligationen aus Schwellenländern. Wenig Kurspotenzial erwarten wir bei Öl und Gold.


 

AEK Bank 1826, Thun

Alex Marjanovic, Leiter Kundenberatung und Niederlassungen, AEK Bank 1826, Thun.
Alex Marjanovic, Leiter Kundenberatung und Niederlassungen, AEK Bank 1826, Thun.

«Verwenden Sie bei Ihren Zinsanlage-entscheiden die richtige Zinskurve, nämlich die Realzinsen nach Inflation. Und nicht die ‹bekannten› Nominalzinsen. Die Realzinsen zeigen: Wir haben aktuell, entgegen der gängigen Behauptung, nicht tiefe Zinsen. Diese waren 2004 bis 2006 oder 2010 aufgrund der hohen Inflation klar tiefer.

Wir sehen die Frankenzinsen für 2014 weiterhin auf ähnlich tiefen Niveaus. Erstens, weil die Schweiz in Abhängigkeit zu den Eurozinsen steht und diese wegen der hohen Verschuldung tief bleiben müssen. Zweitens, weil die Inflation weiter tief ausfallen wird. Konkret: Sparkonto und Kassenobligationen sind weiterhin eine gute Lösung, weil sie nichts kosten und das Vermögen bei tiefer Inflation gut schützen. Obligationen und Zinsprodukte weisen Kosten auf und rentieren unter dem Strich netto weniger. Reduzieren Sie solche Produkte. Sie profitieren nicht davon – nur die Bank.

SB Saanenbank, Saanen

Stephan Hebeisen, Leiter Private Banking, Saanenbank.
Stephan Hebeisen, Leiter Private Banking, Saanenbank.

«Entwickelte Volkswirtschaften wie Japan, USA, Deutschland, England und China gewinnen an Fahrt. Auch die europäischen Sorgenkinder Spanien und Italien zeigen erste Anzeichen einer Besserung.

Nach den starken Avancen wird das Aktienumfeld 2014 schwieriger werden. Die Aktienkurse sind den Gewinnentwicklungen meist vorausgeeilt. Eine nachhaltige globale Konjunkturerholung kann den Aktienmärkten weitere Impulse für einen positiven Verlauf verleihen. Grundsätzlich dürften die Renditen an den Aktienmärkten positiv, aber etwas bescheidener ausfallen. Wir halten Vorderhand an der Übergewichtung von Aktien fest.

Bei den Obligationen hält der Anlagenotstand an. Anleger werden weiterhin nicht oder völlig ungenügend für das Zinsänderungs- und Anlagerisiko entschädigt. Langfristige Obligationen machen keinen Sinn, weshalb wir Obligationen klar untergewichten.

Erschienen in der BZ am 24. Dezember 2013

Claude Chatelain