"Jährlich wird eine ganze Stadt berentet"

Alex Kuprecht, SVP-Ständerat.
Alex Kuprecht, SVP-Ständerat.

Sobald eine Person über längere Zeit arbeitsunfähig ist, sollten das Ärzte und Spitäler der IV melden. Das verlangt SVP-Ständerat Alex Kuprecht.

Das Bundesparlament konnte sich in der Sommersession bei der IV-Revision 6b nicht einigen: Dank einer unheiligen Allianz zwischen SVP und Linken scheiterte sie kläglich.

Nun hat der Schwyzer SVP-Ständerat Alex Kuprecht eine Motion eingereicht, um den Spardruck weiter hoch zu halten. Er will eine Meldepflicht für Ärzte, Apotheker, Spitäler und andere Leistungserbringer einführen. «Bei längerer Arbeitsunfähigkeit sollen Leistungserbringer eine Meldung an die IV-Stelle machen», schreibt Kuprecht in der Motion: «Jede Versicherung muss darauf achten, unnötige Schadenfälle zu vermeiden».

Kuprecht denkt mit seiner Motion vorab an psychische Leiden. Noch offen ist, wie genau «längere Arbeitsunfähigkeit» zu definieren ist. Klar ist hingegen: Je länger eine Person aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig bleibt, desto schwieriger wird später die berufliche Wiedereingliederung. Oder wie es Ständerat Kuprecht ausdrückt: «Chronifizierungen bei psychischen Störungen könnten oft vermieden werden».

Heute liegt es an den Bürgerinnen und Bürgern, sich bei der IV zu melden, falls sie aus gesundheitlichen Gründen keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können. Mit Inkrafttreten der 5. IV-Revision haben zudem auch die Arbeitgeber seit 2008 ein Melderecht, nicht aber eine Meldepflicht, potentiel gefährdete Angestellte bei der IV zu melden. Mit dieser sogenannten Früherfassungsmeldung wurden im letzten Jahr 11200 Personen gemeldet, 31 Prozent davon durch den Arbeitgeber; 25 Prozent durch die versicherte Person selber und die Übrigen durch Versicherungsgesellschaften oder die Sozialhilfe. Auch bei Unfällen gibt es eine Meldepflicht. Hier ist die Früherkennung jedoch kein Thema, da ein Unfall nicht schleichend daher kommt.

Wie der diplomierte Versicherungsfachmann weiter erklärt, mussten 2012 rund 16 900 neue IV-Renten gesprochen werden. «Jährlich wird eine ganze Stadt berentet», so Kuprecht wörtlich. Hauptursache seien psychische Gesundheitsprobleme. Sie machten 44 Prozent der neuen Renten aus.

 

Erschienen in der BZ am 7. Dezember 2013

Claude Chatelain