Die Mindestlohn-Initiative hat ihr Ziel schon fast erreicht

Die Löhne im Gastgewerbe liegen noch deutlich unter den Vorstellungen der Gewerkschaften.
Die Löhne im Gastgewerbe liegen noch deutlich unter den Vorstellungen der Gewerkschaften.

An den kommenden zwei Tagen debattiert der Nationalrat über die Mindestlohninitiative der Gewerkschaften. Etliche Branchen erfüllen die Forderung schon heute.

Die 1:12-Initiative ist gebodigt. Bereits folgt die Mindestlohninitiative. Dies vorerst im Nationalrat, wo die Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne» am Mittwoch und Donnerstag für zahlreiche langatmige und repetitive Voten sorgen wird. Und am heutigen Dienstag stellt der Gewerkschaftsbund eine Studie zur Lohnsituation im Detailhandel vor, wo laut Gewerkschaftssprecher Thomas Zimmermann Handlungsbedarf besteht. «Die Mindestlohninitiative ist schon heute ein Erfolg», konstatiert Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner, obschon die Ratsdebatte noch gar nicht angefangen hat.

 

Seit die 110'000 Unterschriften eingereicht und bei der eidgenössischen Bundeskanzlei deponiert wurden, haben zahlreiche Branchenverbände und einzelne Unternehmen ihre minimalen Monatslöhne in Richtung 4000 Franken angepasst. Anfang Juni einigten sich die Sozialpartner der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie nach zähen Verhandlungen und einer Mediation durch den ehemaligen Seco-Direktor Jean-Luc Nordmann erstmals auf einen Mindestlohn. Gerade im Kanton Bern ist er mit 3900 Franken nicht mehr weit von den Forderungen der Initianten entfernt (siehe Tabelle). Ebenfalls die deutsche Detailhandelskette Lidl, die Seilbahnen im Kanton Bern und ausgewählte Gartenbauunternehmen beschlossen kürzlich eine Erhöhung des Mindestlohns.

Schlecht bezahlte Frisöre

Auch die Delegierten des Verbandes Schweizer Coiffeurgeschäfte stimmten in diesem Jahr höheren Mindestlöhnen zu. Doch mit den derzeit gültigen 3600 Franken sind die Frisöre noch weit von den geforderten 4000 Franken entfernt. Der Basislohn soll aber im nächsten und übernächsten Jahr um je 100 Franken erhöht werden. Hier ist freilich festzuhalten, dass der genannte Basislohn für gelernte Coiffeusen und Coiffeure gilt. In den anderen aufgeführten Branchen gilt der Mindestlohn für ungelernte Arbeiter. Erst gestern haben die Sozialpartner im Schweizer Bauhauptgewerbe eine Lohnerhöhung von 0,8 Prozent bekannt gegeben. Dies freilich ohne Druck der genannten Volksinitiative, liegt doch der Mindestlohn für Arbeiter ohne Berufsausbildung schon heute deutlich über 4000 Franken pro Monat.

Neben dem genannten Detailhandel besteht laut Thomas Zimmermann in Branchen wie Reinigung, Sicherheit, Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei Post- und Kurierdiensten noch der grösste Handlungsbedarf.

 

Erschienen in der BZ am 26. November 2013

Claude Chatelain