«Bekomme ich noch eine Zusatzversicherung?»

Auch topfitte Leute im reifen Alter sollten nicht zu lange warten, wenn sie eine Zusatzversicherung abschliessen wollen. Mit 70 ist meist Schluss.
Auch topfitte Leute im reifen Alter sollten nicht zu lange warten, wenn sie eine Zusatzversicherung abschliessen wollen. Mit 70 ist meist Schluss.

Müssen die Rechnungen bezahlt sein, wenn ich die Grundversicherung wechseln möchte? Und acht weitere Fragen, wie sie an der Hotline von vergangener Woche gestellt wurden.

1. Braucht man die Spitalkostenzusatzversicherung noch?

Wenn Sie die Spitalzusatzversicherung «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» meinen, so lautet die Antwort Nein. Es sei denn, Sie möchten sich in einem Kanton behandeln lassen, in welchem die Tarife höher sind als im Kanton Bern. In solchen Fällen würde die Spitalkostenzusatzversicherung «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» die Differenz der Kosten übernehmen. Grundsätzlich ist das Spitalangebot im Kanton Bern ausreichend. Es kommt kaum vor, dass eine Bernerin oder ein Berner in der allgemeinen Abteilung eines Spitals ausserhalb des Kantons liegen möchte.

 

2. Habe ich ein Problem mit den Zusatzversicherungen, wenn ich die Grundversicherung innerhalb der gleichen Gruppe wechsle?

Im Gegenteil. Bei einem Wechsel innerhalb der gleichen Gruppe haben Sie Grund- und Zusatzversicherung immer noch beim gleichen Anbieter und brauchen die Rechnung nur an eine Adresse zu senden. Auch wenn Sie zu einem Grundversicherer einer anderen Gruppe wechseln, sollten Sie mit den Zusatzversicherungen kein Problem haben. Sie müssten dann bloss die Rechnungen an zwei verschiedene Kassen schicken. Und unter Umständen müssten Sie für die Zusatzversicherung einen Verwaltungskostenzuschlag entrichten.

 

3. Müssen die Rechnungen bezahlt sein, wenn ich die Grundversicherung wechseln möchte?

Ja, wenn Sie noch ausstehende Rechnungen haben oder von der Krankenkasse betrieben werden, können Sie die obligatorische Grundversicherung auf den 1. Januar nicht wechseln.

 

4. Helsana hat uns ein Angebot für Primeo unterbreitet. Was halten Sie von diesem Produkt?

Das ist nach unserer Einschätzung nicht eine Versicherungsdeckung, die man haben muss. Sie garantiert die freie Arztwahl im ambulanten Bereich. Wobei man bei ambulanten Operationen schon heute nach Gesetz den Arzt frei wählen kann. Nur haben Sie dann keine Gewähr, dass auch der Arzt Ihrer Wahl Sie operieren wird. Er kann dazu nicht gezwungen werden. Dank Primeo kommt der Arzt in den Genuss eines höheren Tarifs, falls er in einem Spital arbeitet, mit welchem Helsana einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat.

 

5. Ich bin halbprivat versichert. Leider muss ich feststellen, dass die Prämie trotz neuer Spitalfinanzierung nicht gesunken ist.

Das müssen wir leider auch feststellen. Ziemlich stark gesunken sind die Prämien lediglich für die Spitalkostenzusatzversicherung «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz». Dies ist aber eine Versicherungsdeckung, die man zumindest im Kanton Bern kaum braucht. Sinnvoll ist diese Deckung allenfalls für Leute aus Kerzers oder Murten, welche lieber in einem teureren Berner statt einem Freiburger Spital liegen möchten. In solchen Fällen übernimmt die Versicherung die Differenz der Kosten.

 

6. Ich bin bei Innova halbprivat versichert. Nun habe ich gelesen, dass Innova in einem Fall die Behandlungskosten nicht übernehmen will. Was muss ich davon halten?

Sie müssen einfach wissen, dass Sie nicht in allen Spitälern der Schweiz versichert sind. Versichert sind Sie bei Innova lediglich in Spitälern, welche auf den kantonalen Spitallisten figurieren. Das gilt freilich nicht nur für Innova. Andere Kassen haben auch Einschränkungen.

 

7. Ich bin 71 Jahre alt, kerngesund und gehe kaum zum Arzt. Wie gross ist meine Chance, eine Zusatzversicherung abzuschliessen?

Ziemlich nahe bei null Prozent. Bei einigen Krankenversicherern liegt die Altersguillotine bei 65, bei anderen bei 70 Jahren. Mit 71 Jahren hilft selbst die robuste Gesundheit nicht weiter.

 

8. Ist es nicht so, dass die Krankenkassen eine Kopie der Spitalabrechnung an den Versicherten schicken müssten? Ich habe nämlich keine erhalten.

Sie haben recht: So steht es im Krankenversicherungsgesetz (KVG). Über die Bedeutung dieser Gesetzesbestimmung darf man freilich streiten. Denn die Leistungsabrechnungen sind derart kompliziert, dass sie Normalsterbliche eh nicht verstehen. Zudem überprüfen die wenigsten, ob die verrechneten Leistungen auch wirklich erbracht wurden.

 

9. Ein Makler wollte mir am Telefon eine Spitalversicherung von Groupe Mutuel verkaufen. Ich habe mich noch nicht entschieden.

Hat Ihnen der Telefonverkäufer gesagt, dass die Leistungsdauer auf 90 Tage limitiert ist? In den meisten Fällen bleibt man zwar nicht länger als 90 Tage im Spital. Aber man weiss nie. Uns ist ein Fall bekannt, bei welchem einer Patientin mit Leukämie die Leistungen der Zusatzversicherung nach 90 Tagen gestrichen wurden. Diese Limitierung auf 90 Tage ist in der Branche unüblich.

 

Erschienen in der BZ am 12. November 2013

Claude Chatelain