Einbrecher wollen nur Geld und Gold

In grenznahen Gebieten finden Einbrecher tendenziell höhere Barbeträge, insbesondere Euros, welche fürs Shopping gedacht sind.
In grenznahen Gebieten finden Einbrecher tendenziell höhere Barbeträge, insbesondere Euros, welche fürs Shopping gedacht sind.

Falls ein Einbrecher in die Wohnung eindringt, sind selbst die Geldscheine unter der Matratze versichert. Das macht das Einbrechen lukrativ.

«Am besten versteckt man das Geld unter der Matratze.» Dieser Rat wird  jeweils erteilt, wenn über dem Finanzsystem dunkle Wolken aufziehen und das Geld auf der Bank angeblich nicht mehr sicher ist. Die Empfehlung kann  jedoch nicht ernst gemeint sein, schon gar nicht in der Schweiz.  Bei der hiesigen Einbruchrate ist das Geld nirgends so unsicher wie unter der Matratze: Über 60000 Einbruchdiebstähle wurden letztes Jahr verübt, 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor.  Zudem haben Einbrecher kaum Sanktionen zu befürchten. Nur ganz wenige, um die 11 Prozent, werden erwischt.  Sie können mit einer gnädigen Justiz rechnen.

Bargeld und Schmuck

Einbrecher – selten  Einbrecherinnen – haben es meistens allein auf Bargeld und Schmuck abgesehen. «Laptops und Computer lassen sie links liegen», weiss Hansjörg Ryser von der Helvetia-Versicherung. Und doch ist es für  Schweizerinnen und Schweizer  attraktiv, das Geld unter der Matratze zu verstecken. Die Versicherer sind derart grosszügig, dass sie gestohlenes Bargeld bei einem Einbruch bis zu einem stolzen Betrag von 5000 Franken vergüten.

Wie hoch ist der Anteil  des gestohlenen Bargeldes an der gesamten Schadensumme? «Die Schadensumme für entwendetes Bargeld beträgt im Durchschnitt 300 Franken pro Einbruch», erklärt Hansjörg Ryser. Und beim Schmuck betrage der mittlere Schaden um die 5000 Franken. Teuer seien ebenfalls die durch den Einbruch entstandenen Schäden, etwa kaputte Balkontüren. Hier beträgt der Schaden im Schnitt  rund 2000 Franken, so der Helvetia-Sprecher weiter. Interessant ist zudem der Hinweis, dass Einbrecher in der Grenznähe zu Deutschland bei der Suche nach Cash eher fündig würden. Dort finden sie häufig Euros, welche für Shoppingtouren ennet der Grenze vorgesehen sind.

Laut Axa Winterthur entfallen bei Einbruchdiebstählen 40 bis 50 Prozent der Schadensumme auf Bargeld und Schmuck – der weitaus grössere Teil auf Schmuck. Noch genauer sind die Angaben von Allianz Suisse: Von der Schadensumme von 24,2 Millionen Franken betreffen rund 8 Prozent Geldwerte, erklärt Hans-Peter Nehmer, der Leiter der Unternehmenskommunikation. Die Mobiliar hingegen will keine Zahlen bekannt geben und hält lapidar fest, was allgemein bekannt ist, dass in den meisten Fällen  Bargeld und Schmuck wegkommt.

Wäre es nicht gescheiter, Bargeld nicht gegen Einbruch zu versichern? Das könnte den einen oder anderen Mieter oder Hauseigentümer dazu veranlassen, Bargeld auf sich zu tragen statt den Einbrechern zu überlassen. «Zürich hält an der bewährten Limite von 5000 Franken für Geldwerte fest. Sie ist im Interesse unserer Kunden, da Einbrecher es auf Geldwerte abgesehen haben», lautet die PR-Antwort der Zürich. Auch die  Mobiliar  weicht der Frage aus und schreibt: «Diese Deckung entspricht einem Kundenbedürfnis und ist daher Standard im schweizerischen Versicherungsmarkt.»

Tiefere Prämie bei Axa

Einem Kundenbedürfnis eher entsprechen würde wohl, auf die Versicherungsdeckung von Bargeld zu verzichten und stattdessen eine tiefere Prämie zu verlangen: Axa Winterthur kommt diesem Anliegen entgegen. Bei der  Schweizer Tochter des französischen Versicherungsgiganten kann man wählen zwischen Box Basic und Box Optima. Beim Basisangebot sind Bargeld und Schmuck maximal mit 1000 Franken versichert. Dafür ist die Prämie bei der abgespeckten Variante um rund 40  Prozent günstiger.

 

INFOTHEK

Versicherungsgesellschaften unterscheiden zwischen einfachem Diebstahl und Einbruchdiebstahl. Beim einfachen Diebstahl  dringt der Dieb durchs offene Fenster oder durch die nicht abgeschlossene Tür ein. Hier ist gestohlenes Geld wegen Fahrlässigkeit nicht versichert.

Beim Einbruchdiebstahl bricht der  Dieb die Tür ein oder schlägt eine Fensterscheiben ein. Es entsteht also auch am Gebäude Sachschaden. In solchen Fällen ist Bargeld bei den meisten Versicherungen  bis zu 5000 Franken versichert; wobei unter Umständen bewiesen werden muss, dass man das Geld kürzlich abgehoben hat. 

Zu den versicherten Geldwerten zählen in der Regel  neben dem Bargeld auch  Kredit- und Kundenkarten, unpersönliche Fahrkarten, Abonnemente, Reisechecks, Gutscheine und Wertpapiere. Wer keine solchen Sachen zu Hause führt, kann bei gewissen Versicherern, etwa Mobiliar oder  Axa, eine Hausratversicherung mit einer geringeren Deckung und  tieferen Prämie abschliessen.

 

Erschienen in der BZ am 5. November 2013


Claude Chatelain