Vielen Arbeitgebern ist die Sicherheit wichtiger als die Rendite

Travailsuisse lässt nicht locker: Alle Jahre stellt der Gewerkschaftsdachverband die Lebensversicherer an den Pranger. Er wirft ihnen vor, in der beruflichen Vorsorge zu viel Geld zu verdienen. Allein im letzten Jahr seien es 661 Millionen Franken gewesen, die dem Kreislauf der beruflichen Vorsorge entzogen worden seien. Das Geld fehle nun für die Finanzierung der Renten.

So fordert Travailsuisse zum wiederholten Mal eine Erhöhung der sogenannten Legal Quote auf 95 Prozent.  Mit dieser Kennziffer wird den Versicherungsgesellschaften gesetzlich vorgeschrieben, wie viel des Gewinns sie den Versicherten mindestens gutschreiben müssen. Doch den Gewerkschaften geht es nur vordergründig um die Legal Quote. Am liebsten möchten sie die Lebensversicherer aus der zweiten Säule verbannen.

Es ist auf der einen Seite in der Tat ein Schönheitsfehler, dass sich börsenkotierte, Gewinn maximierende Konzerne mit einer Sozialversicherung bereichern.  Auf der anderen Seite bekunden insbesondere kleinere Betriebe  offensichtlich ein Bedürfnis, die berufliche Vorsorge bei Lebensversicherern und nicht bei einer autonomen Sammelstiftung abzudecken. Die Versicherer garantieren stets eine 100-prozentige Deckung. Vielen Arbeitgebern ist somit die Sicherheit wichtiger als die Rendite. Und schliesslich haben wir in der Altersvorsorge andere und gewichtigere Probleme zu lösen als die Frage, was Lebensversicherer in der Sozialversicherung zu suchen haben.

Völlig daneben ist schliesslich die Forderung an die Adresse des Bundesrats, in der anstehenden Reform der Altersvorsorge die Rolle der Lebensversicherer einzuschränken.  Wer so etwas fordert, will die Reform verhindern. Zielführender   ist es, die starke Lobby der Versicherer ins Boot zu holen, statt sie unnötig zu verärgern.

Erschienen in der BZ am 29. Oktober 2013

Claude Chatelain