Bald kann jeder Loeb-Aktionär werden

Der Loeb gehört zu Bern wie das Kaufhaus des Westens zu Berlin. So sollen auch Bernerinnen und Berner sich daran beteiligen können.
Der Loeb gehört zu Bern wie das Kaufhaus des Westens zu Berlin. So sollen auch Bernerinnen und Berner sich daran beteiligen können.

Das Warenhaus Loeb öffnet sich: Ab kommendem Jahr können jeder Mann und jede Frau Aktien des traditionsreichen Familienenunternehmens kaufen.

Die Familie Loeb will Kasse machen. Das gilt zumindest für einige ihrer Mitglieder. Zu diesem Zweck hat die Loeb Holding AG am Dienstag an einer ausserordentlichen Generalversammlung eine Anpassung der Kapitalstruktur beschlossen. Derzeit befinden sich sämtliche Namenaktien bei Mitgliedern der Familien Loeb. Neu soll ein Teil der Namenaktien über die OTC-X, die Handelsplattform der Berner Kantonalbank, gehandelt werden können. Damit können alle Aktionäre des 132-jährigen Familienunternehmens werden. «Es ist uns ein Anliegen, das Warenhaus Loeb als Berner Traditionsunternehmen weiterzuführen. Deshalb wollten wir die Möglichkeit schaffen, dass sich auch Bernerinnen und Berner an unserem Familienunternehmen beteiligen können», erklärt Nicole Loeb, die Verwaltungsratsdelegierte der Loeb Holding.

Als Partizipant im Zirkus Knie

Wohl zählt die Warenhauskette schon heute einige Tausend Partizipantinnen und Partizipanten. Diese verfügen jedoch im Unterschied zu Aktionären über keinerlei Mitwirkungs- und Stimmrechte. Sie haben lediglich einen Anspruch auf einen Anteil am Reingewinn. Die Partizipationsscheine (PS) werden weiterhin an der Schweizer Börse, der SIX Swiss Exchange, gehandelt. Die PS-Versammlung findet übrigens jeweils im Zelt des Zirkus Knie mit einer anschliessenden Zirkusvorführung statt. Neben der gewöhnlichen Dividende zahlt Loeb also auch noch eine Naturaldividende in Form eines Zirkusabends aus.

90 Prozent bei drei Personen

Die Loeb Holding besitzt Namenaktien mit unterschiedlichen Nennwerten. Die Aktien der Serie A haben einen Nennwert von nur 3 Franken; diejenigen der Serie B von 30 Franken. Das führt dazu, dass die A-Aktionäre zwar nur 50,6 Prozent des Kapitals kontrollieren; aber 91,1 Prozent des Stimmenanteils. Die Aktien der Serie A mit dem hohen Stimmrechtsanteil gehören der Fralo Holding. Deren Aktien befinden sich in den Händen von François Loeb, seinem Sohn Marc und seiner Tochter Nicole. Der 73-jährige François Loeb leitete das Unternehmen von 1974 bis 1999. Er war auch politisch aktiv, unter anderem als Nationalrat der FDP. Sohn Marc ist Mitglied des Verwaltungsrats; Tochter Nicole fungiert als Delegierte des Verwaltungsrats. Sie führt das Unternehmen in fünfter Generation.

Nicole Loeb Furrer führt die Warenhauskette in fünfter Generation.
Nicole Loeb Furrer führt die Warenhauskette in fünfter Generation.

Aber auch die Aktien der Serie B gehören Mitgliedern der Familien Loeb, unter anderem den vier Schwestern von François Loeb. Insgesamt besteht das Aktionariat aus einem Dutzend Mitgliedern. Das wird sich nun ändern: Ab dem 6. Januar 2014 können die Aktien der Serie B über die Handelsplattform der Berner Kantonalbank gehandelt werden. Um nun die Handelbarkeit der von den Minderheitsaktionären gehaltenen Aktien zu erleichtern, werden die Namenaktien Serie B im Verhältnis 1 zu 5 gesplittet. Aus einer B-Aktie mit Nominalwert 30 Franken ergeben sich fünf Namenaktien mit Nominalwert 6 Franken. Wie viele Familienmitglieder ihre Aktien zum Verkauf anbieten werden, wird sich weisen.

Fralo verliert Gewicht

Das ist noch nicht alles: Zusätzlich soll ein Teil der Aktien Serie A in Namenaktien Serie B gewandelt werden. Damit reduziert sich der Stimmrechtsanteil der Familienholding Fralo von 91,1 auf rund 80 Prozent. Das heisst mit anderen Worten, dass auch Fralo einen Teil ihrer Aktien via OTC-X zum Verkauf anbieten kann. Sie könnte damit Kasse machen und ihren drei Mitgliedern eine üppige Dividende auszahlen. «Das ist nicht unsere Absicht», versichert Nicole Loeb. «Wir wollen zusätzliche B-Aktien schaffen, um einen besseren Handel der Aktien zu gewährleisten.» Nebst dem Flaggschiff beim Bahnhof Bern beziehungsweise beim Loeb-Egge zählen noch die Warenhäuser in Biel, Thun und Schönbühl sowie das Berner Musikhaus Krompholz zur Loeb-Gruppe.

 

Erschienen in der BZ am 17. Oktober 2013

Claude Chatelain