Das sind die neun Megatrends à la Pictet

Die Genfer Banque Pictet hat sich mit Themenfonds einen Namen gemacht. Wer von allem ein bisschen haben möchte, setzt auf den «Pictet-Global Megatrend Selection».

Auch die Forstwirtschaft zählt laut Einschätzung der Banque Pictet zu einem Megatrend.
Auch die Forstwirtschaft zählt laut Einschätzung der Banque Pictet zu einem Megatrend.

«Der Liebe Gott würde nur einen einzigen Titel kaufen». Das sagte Rolf Banz von der Banque Pictet an einer Präsentation in Zürich. Der Erdenbürger jedoch investiere in viele verschiedene Anlagetypen. Damit beweise der Mensch seine Unzulänglichkeit, die Zukunft zu lesen.  Und dann legte sich der Anlage-Experte der Genfer Vermögensverwaltungsbank auch noch mit Harry Markowitz an. Dies sei zwar eine Majestätsbeleidigung, gestand Rolf Banz, schliesslich erhielt  Markowitz 1990 für seine Portfoliotheorie den Wirtschaftsnobelpreis. Der US-Ökonom hat die positive Auswirkung eines breit gestreuten Portefeuilles auf das  Rendite-/Risikoverhältnis wissenschaftlich begründet. Mit der Portfolio-Theorie soll also der Anleger in der Lage sein, mit der bestmöglichen Kombination von Anlagealternativen ein optimales Wertschriftenportefeuille zusammenzustellen. Freilich muss man dazu komplizierte mathematische Formeln anwenden.

Für Rolf Banz sind solche mathematischen Modelle für die meisten Investoren eine «Black box». Er plädiert  für einen gleichgewichteten Ansatz. Das heisst, man versucht  schon gar nicht, für die einzelnen Anlagetypen  Rendite- und Risiokoschätzungen vorzunehmen und sie entsprechend zu gewichten. Vielversprechender sei es, alle Anlagetypen gleichmässig zu gewichten.

Neun Megatrends

Mit diesen Worten gab der Anlage-Experte von der Banque Pictet im Zunfthaus zum Rüden seinem Kollegen Hans Peter Portner den Steilpass. Portner ist verantwortlich für den «Pictet-Global Megatrend Selection». Wie der Name sagt, investiert dieser Fonds in Megatrends — also in Firmen mit einem grossen und unbestritten scheinenden Zukunftspotenzial. Pictet definiert neun Megatrends. Für jeden dieser Tends führt die Bank einen Themenfonds. Somit setzt sich  der «Pictet-Global Megatrend Selection» aus den Anteilen dieser neun Themenfonds zusammen. Jedes Thema ist gleich stark gewichtet und wird monatlich angepasst. Die neun Themen:

  • Biotech: Der Teilfonds investiert in Aktien von Biopharmagesellschaften aus dem medizinischen Bereich. 88 Prozent des Fondsvermögens ist in US-Gesellschaften investiert, wie etwa Amgen, Celgene oder Vertex Pharmaceuticals. Eine hohe Position stellt zudem die  dänische Novo-Nordisk, die sich mit Diabetes-Medikamente einen Namen machte. 
  • Digitale Kommunikation: Der Pictet-Digital-Communication legt das Vermögen in Aktien von Gesellschaften an, welche digitale Technologien verwenden und interaktive Dienste anbieten. Die grössten Positionen entfallen auf Apple, eBay, Vodafone, Priceline, Samsung und Yahoo.
  • Generika: Der Pictet-Generics investiert in Pharmafirmen, die sich auf Nachahnermedikamente spezialisieren. Sie heissen etwa Actavis, Shire, Hkma oder Mylan. 21 Prozent des Vermögens liegt bei  indischen Gesellschaften.  
  • Holz: Der Pictet-Timber investiert in Firmen, die in der Finanzierung, der Anpflanzung und Verwaltung von Wäldern tätig sind. Auch Firmen der Holzverarbeitung gehören zum Anlageuniversum. Es sind dies etwa die amerikanischen Waldbesitzer und Forstwirtschaftskonzerne Rayonier, Weyerhaeuser, Plum Creek Timber oder der Zellulose-  und Papierhersteller  Svenska Cellulosa mit Sitz in Stockholm.
  • Landwirtschaft: Der Pictet-Agriculture setzt auf Gesellschaften, die entlang der ganzen Wertschöpfungskette der Landwirtschaft tätig sind. Dabei werden Firmen bevorzugt, die sich auf die Herstellung von Landmaschinen spezialisieren. Der Düngemittelproduzent Syngenta, der  auch im Swiss Market Index (SMI) enthalten ist, stellt hinter der amerikanischen Deere die zweitgrösste Position.
  • Premium-Marken: Der Pictet-Premium-Brands fokussiert auf Gesellschaften im Premiumbereich, die Dienstleistungen und Produkte des oberen Preissegments anbieten. Es sind dies so schillernde Namen wie Richemont, Swatch, Burberry, Estée Lauder oder Nike. Die grösste Position stellt die französische Kering mit Marken wie Gucci, Saint Laurant und Bottega Veneta. 
  • Saubere Energie: Der Clean-Energy-Fund kauft Aktien von Gesellschaften, die zum Übergang zu Energien mit geringerem CO2-Ausstoss beitragen oder davon profitieren.  Dazu gehören nicht nur Unternehmen, welche saubere Energie erzeugen, übertragen oder vertreiben, sondern auch  Firmen, die sich auf Energieeffizienz konzentrieren. Die grösste Position fällt auf den amerikanischen Autozulieferer Borg Warner, der sich mit elektro-hydraulischen Steuerungen einen Namen machte. Eine grosse Position hält auch der französische Elektronikkonzern Schneider Electric, dessen Schweizer Sitz in Ittigen ist. 10 Prozent des Portefeuilles ist in China investiert,  etwa bei der Trina Solar.
  • Sicherheit: Der Pictet-Security legt das Fondsvermögen in Aktien an, die zur Gewährleistung von Integrität, Gesundheit und Freiheit von Einzelpersonen, Gesellschaften und Regierungen beitragen. Bekanntes  Beispiel ist die von Schaffhausen aus operierende  Tyco International, welche in zahlreichen Ländern Alarmzentralen betreibt.
  • Wasser: Dieser Teilfonds legt den Schwerpunkt auf Unternehmen, die in der Wasserversorgung oder der Wassertechnologie aktiv sind. Die grössten Positionen stellen die amerikanischen Danaher, American Water Works sowie  die französische Suez Environnement.

Die Themen gleich gewichtet

Welcher Megatrend ist nun der vielversprechendste? Von welchen Branchen lässt man am Liebsten  die Finger davon? Jeder Anleger wird  seine Meinung haben. Und so könnte man mit dem Kauf von Anteilen auf den einen oder anderen Megatrend setzen. Genau das ist aber nicht die Idee von Fondsmanager Hans Peter Portner. Wer auf den «Pictet-Global Megatrend Selection» setzt, geht davon aus, dass Prognosen über divergierende Wachstumspotenziale nicht zielführend sind. Deshalb gewichtet der Megatrend-Selection die neun Themen alle gleich. Das einzige, was laut heutiger Betrachtung gesichert zu sein scheint, ist die Einschätzung, dass es sich bei den genannten neun Themen um Megatrends handelt.

Der «Pictet-Global Megatrend Selection» ist übrigens kein Dachfonds, kein Fund of Funds, der neben den Kosten der einzelnen Fonds zusätzliche Kosten verursacht. 

Erschienen in der BZ am 15. Oktober 2013

Claude Chatelain