«Die Rarität eines Autos ist entscheidend»

Niklaus Lundsgaard-Hansen
Niklaus Lundsgaard-Hansen

Wer Oldtimerfahrzeuge als Investment betrachtet, muss tief in die Tasche greifen. Dies sagt Oldtimerliebhaber Niklaus Lundsgaard-Hansen.

Herr Lundsgaard-Hansen, lohnen sich Oldtimer als Investment?
Niklaus Lundsgaard-Hansen:
Ja. Aber eher bei den sehr teuren Exemplaren.

Warum?
Oldtimer verursachen hohe Betriebskosten für Garagierung, Versicherungen, Steuern, Fahrzeugunterhalt, Treibstoff, eventuell Reparaturen und Restaurationen. Bei sehr teuren Autos, die man zum Beispiel für 500'000 Franken kauft und für 600'000 Franken wieder verkauft, werden die Betriebskosten durch die Wertsteigerung mehr als wettgemacht.

Dafür verursachen billigere Oldtimer tiefere Betriebskosten.
Das stimmt. Doch wenn ein günstig gekaufter Oldtimer nach fünf Jahren mit einer Wertsteigerung von 5000 Franken verkauft werden kann, dürfte dieser Gewinn die genannten Haltekosten nicht abdecken.

Bei welchen Oldtimern ist eine Wertsteigerung wahrscheinlich?
Eine allgemeine Aussage ist schwierig. Grosse Chancen haben Oldtimer, die schon früher oder jedenfalls heute Kultstatus haben. Die Palette ist breit: Porsche 911, Citroën Döschwo oder DS, VW Käfer, Jaguar Typ E, Fiat Topolino, Ford Thunderbird, Volvo Amazon. Potenzial haben auch besonders rare und für die Automobilgeschichte wichtige Sportwagen. Ich denke an gewisse Modelle von Ferrari, Aston Martin, Bentley oder Mercedes.

Wo sehen Sie die Risiken und Potenziale für den Wert von Oldtimerautos?
In der Fachbranche werden mehrere Risiken diskutiert: eine massive Verschärfung der Umwelt-, Sicherheits- und Nutzungsvorschriften, welche den Einsatz von Autos ohne Katalysator, ohne Sicherheitsgurten oder mit hohem Treibstoffverbrauch verbieten würde. Oder das Risiko des technisch unmöglichen Ersatzes früher Elektrik- und Elektronikteile in jüngeren Oldtimern ab den 80er-Jahren. Manche fragen sich auch, ob die kommende Käufergeneration noch die gleiche Faszination zum Beispiel für Veteranen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg aufbringen wird.

So viel zu den Risiken. Und die Chancen?
In vielen bevölkerungsreichen Ländern entsteht eine neue grosse Nachfrage, welche die Preise der nicht vermehrbaren Zahl von Oldtimerautos in Europa und den USA nach oben treiben könnte. Und es gibt einen Megatrend der Wertschätzung für kulturelle Leistungen in der Vergangenheit – dazu zähle ich auch gepflegte, originale und charaktervolle Oldtimer als automobile Kulturgüter.

Wie verhält es sich mit der Ersatzteilbeschaffung?
Grosse Hersteller mit vielen Klassikfahrzeugen produzieren heute oft selber Ersatzteile für ihre Oldtimer. Ideal sind spezialisierte Oldtimergaragen mit grossen, oft weltweiten Netzwerken an Partnerfirmen und Ersatzteillieferanten.

Auf was sollte man beim Kauf eines Oldtimers achten?
Der Zustand und die Rarität eines Autos sind entscheidend. Zudem wird der Preis massgeblich durch das Kultpotenzial bestimmt. Wertsteigernd ist ebenfalls eine bekannte Eigentümer- und Einsatzgeschichte, allenfalls sogar mit bekannten Persönlichkeiten oder Sportsiegen.

Also zum Beispiel der Aston Martin von 007?
Ein gutes Beispiel, ja. Auch Sportwagen von Siegerfahrern bekannter Rennen. Vielleicht auch das alte Privatauto eines geschätzten früheren Politikers.

 

 

Zur Person

Der 55-jährige Niklaus Lundsgaard-Hansen hat 2012 die Oldtimer-Kulturreisen Schweiz begründet. Er besitzt eine private Sammlung von Oldtimer- und Youngtimerautos und befasst sich seit Jahren privat und beruflich mit klassischen Autos. Der einstige persönliche Mitarbeiter von SVP-Bundesrat Adolf Ogi und Partner beim Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers war 2008 bis 2011 Zentralpräsident des TCS. Heute ist der Berner Niklaus Lundsgaard-Hansen Abteilungsleiter im Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern.

 

Erschienen in der BZ am 8. Oktober 2013

Claude Chatelain