Standpunkt: Der grösste Kostentreiber ist der Stimmbürger

Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard sagte gestern, die Krankenkassen hätten die Prämien um mehr als 2,2 Prozent erhöht, wenn nicht die Abstimmung über eine Einheitskasse  vor der Tür stünde. Der SP-Regierungsrat unterstellt somit den Krankenversicherern, mit der Prämienfestsetzung Bundespolitik zu betreiben.

Womöglich hat Pierre-Yves Maillard sogar Recht. Es ist gut möglich, dass das Schweizer Stimmvolk bei horrenden Prämiensteigerungen eher Sympathie für eine Einheitskrankenkasse bekundet  als bei moderaten. Doch es ist eine Illusion zu glauben, dass eine Einheitskasse in der obligatorischen Grundversicherung zu tieferen oder zu konstanten Prämien führen wird. Es sei denn, die Einheitskasse würde die steigenden Gesundheitskosten nicht mit einer Erhöhung der Prämie, sondern mit dem Aufnehmen von Schulden auffangen. Die Invalidenversicherung hat vorgemacht, wie das geht. Die Zeche zahlen unsere Kinder.

Wenn die Prämien Jahr für Jahr steigen, so ist das weder auf die Vielfalt der Krankenkassen noch auf Maklergebühren oder andere Vertriebskosten zurückzuführen, sondern einzig und allein auf die steigenden Kosten, wie sie in allererster Linie in den Spitälern und bei Arztbehandlungen zu registrieren sind. Die Höhe der Krankenkassenprämie ist  somit ein Spiegelbild der Gesundheitskosten. Die Krankenkassen sind in unserem System bloss der Durchlauferhitzer.

Neben den Spitälern und Ärzten soll hier noch ein anderer Kostentreiber genannt werden, vielleicht sogar der gewichtigste: der Stimmbürger. Gesundheitspolitische Abstimmungen, die zu Kostenersparnissen führen könnten, hatten in der jüngsten Vergangenheit an der Urne keine Chance. Die Abfuhr der Managed-Care-Vorlage ist noch in bester Erinnerung.

Erschienen in der BZ am 27. September 2013

Claude Chatelain