Der Erfolg der Museums-Holding hängt von den neuen Köpfen ab

Die Kooperation der beiden Stadtberner Kunstmuseen soll mit einer Dachstiftung bewerkstelligt werden. Warum die Alternativen eine schlechtere Lösung wären.

 

Die Ausgangslage war simpel: Es sind Vorkehrungen zu treffen, damit das Kunstmuseum und das Zentrum Paul Klee (ZPK) zusammenarbeiten. Es sollen positive Synergien genutzt werden. Das fordert die Politik, die schliesslich die Subventionen für beide Häuser gutheissen muss. Die gestern präsentierte Lösung ist dagegen alles andere als simpel: Eine Dachstiftung soll es richten. Deren Mitglieder kümmern sich um strategische Aufgaben. Die operativen Aufgaben, das Tagesgeschäft sozusagen, wird weiterhin in beiden Häusern separat betrieben. Personal wird nicht eingespart. Die neue Struktur soll einzig dafür sorgen, dass die beiden Direktoren regelmässig zusammensitzen, ihre Tätigkeit aufeinander abstimmen und die Ausstellungsplanung koordinieren. Die bisherigen Stiftungen bleiben bestehen, freilich bloss als juristisches Konstrukt. Die Schalthebel werden bei der neu zu gründenden Dachstiftung betätigt. Warum werden die beiden Museen nicht fusioniert? «Eine Fusion brächte keinen Mehrwert und würde die Identität der beiden Häuser zerstören», sagt Christoph Schäublin, Stiftungsratspräsident des Kunstmuseums Bern. Auch praktische Gründe sprechen gegen eine Fusion: Stiftungen zusammenzulegen ist juristisch kompliziert.

 

«Die Zusammenarbeit hätte man auch vertraglich regeln können», bestätigt Regierungsrat Bernhard Pulver. Wobei man mit der gewählten Form der einheitlichen strategischen Führung eher Gewähr habe, dass die Zusammenarbeit auch langfristig funktioniere und nicht von der Kooperationsbereitschaft der beiden Direktoren abhängig sei. Zudem enthalte die gewählte Lösung ein «Zukunftspotenzial».

 

Warum aber wird das Holdingdach mit der unflexiblen Rechtsform einer Stiftung gebaut? Warum nicht mit einer Aktiengesellschaft? «Das hätte die Stiftungsaufsicht kaum erlaubt», so Projektleiter Marcel Brülhart. Zudem erfordert die AG ein Mindestkapital; derweil die geplante Dachstiftung ohne Stiftungskapital auskommen wird.

 

Noch offen ist, wer im Stiftungsrat Einsitz nehmen und wer ihn präsidieren wird. Sicher scheint dagegen zu sein, dass der Erfolg der beiden Museen unter einem Dach sehr stark von der personellen Zusammensetzung und der Kompetenz der noch zu wählenden Stiftungsräte abhängig sein wird. Und sicher ist ebenfalls, dass dazu neue und unabhängige Kräfte gefragt sind.

 

Erschienen in der BZ am 21. September 2013

Claude Chatelain