Das sagt Renate Moser zu Skywork

Flugbegleiterinnen von Intersky
Flugbegleiterinnen von Intersky

Intersky-Gründerin Renate Moser könnte sich eine Zusammenarbeit mit der Berner Fluggesellschaft vorstellen – etwa in der Wartung.

«Das hat mich sehr berührt.» Das sagt Renate Moser, nachdem sie den Bericht über die finanziellen Engpässe von Skywork in dieser Zeitung gelesen hat (Ausgabe von gestern). Die Geschäftsführerin der österreichischen Regionalfluggesellschaft Intersky steht mit Skywork in Kontakt zur Schaffung allfälliger Synergien. Die 70-jährige Österreicherin ist in Bern in guter Erinnerung. Nach dem Grounding von Swisswings bediente sie von 2002 bis 2004 mit zwei 50-plätzigen Dash 8 die Strecken nach Berlin und Wien. «Wir standen kurz vor dem Durchbruch», sagt die Airlinechefin. Intersky wollte eine dritte Maschine besorgen. Dafür fand sie aber keine Investoren. «Hätten wir nur einen Bruchteil der Mittel erhalten, die Skywork zur Verfügung standen, würden wir heute immer noch ab Belp fliegen», meint Renate Moser, die als erste Frau der Welt eine Airline gründete. Noch heute bedauert die Österreicherin, dass sie sich aus Belp zurückziehen musste. «Ich liebe Bern», sagt sie.

Renate Moser: "Ich liebe Bern."
Renate Moser: "Ich liebe Bern."

 

Callcenter und Wartung

 

Synergien mit Skywork oder generell zwischen zwei Regionalfluggesellschaften sieht Renate Moser beim Callcenter oder in der Technik. Sie denkt nicht an die tägliche Wartung, sondern an die grösseren, planbaren Überholungen. Dazu müsste aber der Flugzeugpark identisch sein. «Ideal wäre, wenn Skywork und Intersky gemeinsam etwa zehn Flugzeuge des Typs ATR 42/ATR 72-600 mit insgesamt 50 oder 70 Plätzen betreiben könnten.» Damit liessen sich Kosten sparen. Moser sagt «betreiben» und nicht «besitzen». Die Expertin findet es sinnvoll, wenn Geldgeber in Fluggeräte und nicht in erster Linie in Fluggesellschaften investierten. Sie wünscht sich dies auch für Skywork. Die Airlineexpertin befürchtet, dass Skywork zu schnell gewachsen sei. Das denkt auch Hans Rudolf Wöhrl von der Intro Aviation GmbH in Nürnberg. «Leider wurde die Anlaufphase, wie so oft in diesem Geschäft, etwas unterschätzt, und so ist es naheliegend, dass man auf der Suche nach weiteren Investoren ist.» Wöhrl wurde im «Handelsblatt» schon mal als «Holzfäller der Luftfahrt» porträtiert. Er verdient sein Geld mit dem An- und Verkauf von Fluggesellschaften. Auch bei Intersky von Renate Moser ist Wöhrl als Investor eingestiegen und sitzt dort im Verwaltungsrat.

 

Bern im Dornröschenschlaf?

 

«Generell gilt es zu sagen», schreibt Hans Rudolf Wöhrl in einer Mailantwort, «dass Skywork einen gewaltigen Beitrag zur Infrastruktur von Bern leistet. Dies wurde von privater Seite mit grossem Aufwand finanziert. Gelingt das nicht, dann war alles vergeblich, und Bern versinkt auf lange Zeit wieder im Dornröschenschlaf.»

 

Erschienen in der BZ am 20. September 2013

Claude Chatelain