Vierte Säule: Allein wegen der Makler für die Einheitskasse?

Auf Twitter Folgendes gelesen: «Etwas höhere oder tiefere Prämien, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, die Telefonbelästigung hört endlich auf.» Mit diesem Eintrag holte sich der Twitterer einige Sympathien, wie ich aufgrund der Reaktionen feststellen konnte.

Sollte das Schweizervolk der Einführung einer Einheitskrankenkasse zustimmen, so haben die Makler einen grossen Anteil daran. Darüber sind sich die Beobachter einig. Für viele sind sie ein grosses Ärgernis. Bürgerliche Politiker sollen sogar den Krankenkassen nahegelegt haben, zumindest bis zur Abstimmung auf die Dienste von Maklern zu verzichten. Und letzte Woche hat der Nationalrat eine Motion überwiesen, welche ein Verbot solcher Werbeanrufe verlangt.

Ich kann die Aufregung nicht so recht verstehen. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich mehr Telefonate von der Swisscom oder von Marktforschern erhalte – wenn überhaupt. Meistens bin ich tagsüber eh nicht zu Hause. Und wenn mal ein Telefonverkäufer durchkommt, so kann man ihm freundlich das Desinteresse mitteilen, und er wird sich freundlich für das Gespräch bedanken. Da waren die Verkäufer deutscher Lotterielose deutlich forscher. Aber auch hier konnte man den Telefonhörer auflegen, wenn das Nachbohren zu aufdringlich wurde.

Meine Toleranz gegenüber Telefonverkäufern rührt wohl daher, dass ich in den USA Schlimmeres gewohnt war. Da riss mich manchmal das Telefon am Samstagmorgen um 7 Uhr aus dem Schlaf. Und wenn man dem Anrufer alle Schande sagen wollte, nützte das gar nichts, denn am anderen Ende lief ein Band. Eine Stimme leierte in einer unerträglichen Geschwindigkeit irgendeinen Werbespruch hinunter. Meines Wissens wurden solche computergesteuerte Werbebotschaften inzwischen verboten. Sie blockierten für mehrere Minuten Notfallnummern der Spitäler.

Jedenfalls finde ich es krass, nur wegen ein paar Telefonaten im Jahr auf die freie Wahl der Krankenkasse verzichten zu wollen.

 

Erschienen in der BZ am 17. September 2013

Claude Chatelain