Wasserfonds werden das grosse Thema sein

Je mehr Wasser versickert, desto stärker sind Unternehmen gefragt, die sich mit der Versorgung und Wiederaufbereitung des blauen Golds beschäftigen.
Je mehr Wasser versickert, desto stärker sind Unternehmen gefragt, die sich mit der Versorgung und Wiederaufbereitung des blauen Golds beschäftigen.

Die Wasserfonds sind noch nicht das grosse Thema in der Finanzwelt. Mit der Betonung auf «noch nicht». Die Frage ist nur, wann die Wasserknappheit die Aktien jener Firmen beflügelt, die zur effizienten Nutzung des blauen Goldes beitragen.

Es gibt das Gold, so wie wir es kennen. Daneben sprechen wir auch vom schwarzen Gold und mehr und mehr auch vom blauen Gold. Wobei das blaue im Unterschied zum schwarzen Gold das Interesse der Anleger noch nicht so richtig zu wecken vermochte. Dabei ist das Wasser die Lebensgrundlage des Menschen schlechthin. Nicht wenige Experten sagen, es werde für die Menschheit zur grössten Herausforderung, Wasser weiterhin in ausreichender Menge und Qualität bereitzustellen. Und man sagt auch etwa: «Der nächste Krieg wird nicht wegen des Öls, sondern wegen des Wassers ausgefochten.»

Kein Marketinggag

Wer so denkt, kauft Anteile von Wasserfonds. Diese Produkte investieren in Firmen, die sich mit der Versorgung, der Aufbereitung, der Säuberung oder der effizienten Nutzung von Wasser beschäftigen. Seit gut zehn Jahren befinden sich solche Finanzkonstrukte auf dem Markt. Und im Unterschied zu andern Branchenfonds handelt es sich hier nicht bloss um reine Marketingvehikel, sonst wären die Wasserfonds wie andere Branchenfonds wieder vom Markt verschwunden. Dieses Schicksal ereilte etwa die Freizeitfonds, welche Ende der Neunzigerjahre mit grossen Versprechen lanciert wurden und in der Zwischenzeit wieder verschwunden sind.

Und doch haben die Wasserfonds noch nicht einen Status erreicht, bei welchem sich eine Fondsgesellschaft sagt: «Dieses Produkt müssen wir haben.» Die UBS zum Beispiel führt noch keinen Wasserfonds im Sortiment. Auf Anfrage erklärt Sprecherin Dominique Scheiwiller, dass man sich bei der UBS wegen der Wichtigkeit und der Langfristigkeit speziell dieses Anlagethemas und des allgemeinen Trends hin zu mehr Themenfonds durchaus vorstellen könne, einen Wasserfonds zu lancieren: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es allerdings zu früh, mehr dazu zu sagen», so die offizielle Verlautbarung.

Wasserproblem ist weit weg

Mehr dazu sagt Marco Pisi, Portfolio-Manager der Valiant-Bank. «Wasser wird in Zukunft das grosse Thema sein», ist der Portfolio-Manager überzeugt. Freilich könnte es noch lange dauern, bis das Thema akut wird und auch die Anleger erreicht. «Für viele ist das Wasserproblem immer noch sehr weit weg.» Was sind das für Firmen, welche in das Thema Wasser investieren? Grob gesagt kann man zwei Kategorien unterscheiden:

  • Wasserversorger wie die französische Suez Environnement oder die amerikanische American Water Works. Diese beiden Firmen sind etwa im Wasserfonds der Sustainable Asset Management (SAM) zu finden.
  • Technologieunternehmen, welche in der Wasserreinigung, der Wasseraufbereitung oder der Nachfrageeffizienz tätig sind. Vertreter dieser Kategorie sind etwa die Schweizer Unternehmen Sika und Geberit. Aktien dieser Firmen sind im Wasserfonds von Swisscanto enthalten.

Ausgewählte Wasserfonds

Name Valor Währung Rendite Rendite



1 Jahr 3 Jahre
Swisscanto EF Water 3118716 Euro 11.44  32.45 
Sarasin Sustainable Water 3570646 Euro 15.65  24.94 
Pictet Water 1021903 Euro 4.34  23.67 
Robeco SAM Sustainable Water 2697348 CHF 13.83  15.51 





Quelle: Cash/Morningstar



 


Marco Pisi.
Marco Pisi.

«Wasserversorger sind vorab defensive Werte, die sich in der Vergangenheit mit einem stabilen Kursverlauf und überdurchschnittlichen Dividenden ausgezeichnet haben», erklärt Marco Pisi. Im Vergleich dazu seien Industriewerte volatiler. Sie hätten dafür eine Wachstumsfantasie, gleichzeitig aber auch einen grösseren Investitionsbedarf.

«Bisher ist der Wasserkonsum analog des Wirtschaftswachstums gestiegen», sagt Gerhard Wagner von Swisscanto. «Nun geht es darum, den Wasserkonsum vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln», meint der Manager des Swisscanto Equity Fund Water. Deshalb segeln Wasserfonds häufig unter dem Label der nachhaltigen Anlagen. Das gilt etwa für den Wasserfonds von Swisscanto, der bestimmte Firmen aufgrund von Ausschlusskriterien meidet. Kernenergie ist ein solches Ausschlusskriterium. Wenn ein Atomkraftwerkbetreiber daneben in der Wasserversorgung tätig ist, so würde Swisscanto wegen ihrer Richtlinien nicht in diese Firma investieren. Auch die Wasserfonds von Sarasin und SAM gehören zu den nachhaltigen Anlagen, was zum Beispiel Pictet von ihrem Wasserfonds nicht behauptet.

Wenn ein Fonds zu gross wird

Pictet hat ihren Fonds bereits im Jahr 2000 lanciert. Das Genfer Bankinstitut führt damit nicht nur den ersten Wasserfonds, sondern mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro auch den grössten. Ein Fonds dieser Grösse muss zwangsläufig auf grosskapitalisierte Unternehmen setzen. Die kleinen und mittelgrossen Unternehmen, die Small- und Mid-Caps, fallen da kaum ins Gewicht. Ganz anders ist das beim Wasserfonds von Swisscanto, der erst 2007 lanciert wurde und ein Fondsvermögen von 129 Millionen Franken ausweist. Dass dieser Fonds in den zurückliegenden Jahren die höchste Performance aufweist, begründet Gerhard Wagner mit dem Kauf von Industrietiteln im Small- und Mid-Cap-Bereich, die in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen erzielten.

 

 

 

Erschienen in der BZ am 3. September 2013

Claude Chatelain