Vierte Säule: Haben Sie gewusst, dass man Aktien des Marzilibähnlis kaufen kann?

Beim Marzili-Bähnli ist nur der Betriebsleiter voll angestellt.
Beim Marzili-Bähnli ist nur der Betriebsleiter voll angestellt.

Wer Novartis-Aktien kauft, tut dies nicht aus Sympathie zu Daniel Vasella. Wer sich Titel von Nestlé ins Depot legt, tut dies nur in den seltensten Fällen, weil George Clooney für Nespresso Werbung macht. Und wer in Roche investiert, tut dies nicht, weil der Pharmakonzern etwas gegen Aids hat. Man tut dies, weil man auf üppige Dividenden oder satte Kursgewinne aus ist.

Doch es gibt nicht nur Bluechips, deren Kursverlauf vorab von Anlagefonds, Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern bestimmt wird; es gibt auch Liebhaberwerte. Also kauft man Aktien der Schilthornbahn, weil man in Mürren die Skiferien verbringt. Man kauft den Genussschein von Loeb, weil einem das Warenhaus dank dem legendären Loeb-Egge und den stets einfallsreichen Schaufenstern ans patriotische Herz gewachsen ist. Man kauft die Titel der Spar- und Leihkasse Münsingen, weil man stolz darauf ist, dass das Aaretal eine eigene Regionalbank hat. Oder man engagiert sich bei der Bergbahn Meiringen-Hasliberg, weil man als Haslitaler weiss, wie wichtig diese Bahn für die ganze Region ist.

Liebhaberwerte kauft man in der Regel nicht an der Börse. Man kauft sie beim Unternehmen oder bei der OTC-X, einer für solche Aktien eingerichteten Handelsplattform der Berner Kantonalbank. Haben Sie gewusst, dass man bei der BEKB auch Aktien der Gurtenbahn, der Verkehrsbetriebe Thun, des RBS-Zügli kaufen kann? Oder des Personenlifts, der das Berner Mattequartier mit der Münsterplattform verbindet? Gewiss, nicht all diese Aktien sind einfach zu haben. Vom Marzili-Bähnli, dessen Team mit Ausnahme des Betriebsleiters aus pensionierten Mitarbeitern besteht, gibt es je 600 Namen- und Inhaberaktien. Ihre Besitzer geben die Papiere nicht so leicht aus der Hand: 15 Aktien der Drahtseilbahn Marzili-Stadt Bern gingen in den letzten fünf Jahren bei der OTC-X über den Ladentisch. Immerhin kann man einen Geldkurs platzieren und schauen, ob sich jemand von seinen Papieren trennen will. Das hat eine Person gemacht: Sie bietet 1400 Franken pro Inhaberpapier.

Erschienen in der BZ am 3. September 2013

Claude Chatelain