Der SCB hat noch stille Reserven

Der SC Bern blickt sportlich auf ein hervorragendes Jahr zurück. Im Vergleich dazu ist der wirtschaftliche Erfolg mittelprächtig.

Mehr kann man sportlich kaum erreichen: Da ist als Erstes der Schweizer-Meister-Titel. Da war aber zu Beginn der Saison 2012/2013 auch ein besonders attraktives Eishockey dank eingeflogener NHL-Stars, welche wegen des Lockout in der nordamerikanischen Profiliga vorübergehend verpflichtet werden konnten. Dieser Umstand musste sich bei der SCB Eishockey AG auch wirtschaftlich niederschlagen. Der an der gestrigen Medienkonferenz publizierte Reingewinn von 32'753 Franken bei einem Umsatz von 26 Millionen kommt zumindest im Vergleich zu kommerziell betriebenen Firmen trotzdem bescheiden daher. An diesem Befund ändert auch die Tatsache nichts, dass der Gewinn im per Ende April zu Ende gegangenen Geschäftsjahr fast doppelt so hoch ausgefallen war wie im Jahr zuvor.

Hohe Abschreibungen

Freilich ist einzuräumen, dass die SCB Eishockey AG im Vergleich zu anderen Sportunternehmen wiederum sehr gut wirtschaftet. Zudem verfügt der Finanzchef über einen beneidenswerten Gestaltungsspielraum. Er hat aus steuerlichen Überlegungen kein Interesse daran, einen zu hohen Gewinn auszuweisen – dies zum Leidwesen des Stadtberner Finanzdirektors Alexandre Schmidt. Also wird abgeschrieben, was sich bilanztechnisch abschreiben lässt. Vollständig abgeschrieben hat der SCB wie schon im Vorjahr die erste Mannschaft. Laut CEO Marc Lüthi könnte sie gemäss Reglement der Nationalliga mit knapp 2 Millionen Franken auf der Aktivseite der Bilanz aufgeführt werden. Auch der HC Davos hat das Spielerkader aus der Bilanz genommen. Der EHC Biel hingegen führt das Spielerkader noch mit 200'000 Franken in der Bilanz.

Nun dürfte beim SCB das Abschreibungspotenzial ausgeschöpft sein, sodass das erfolgreiche Sportunternehmen im kommenden Jahr höhere Gewinnsteuern abliefern dürfte, sofern das Geschäft weiterhin rundläuft und der SCB während der Saison nicht gezwungen wird, überdurchschnittlich teure Spieler unter Vertrag zu nehmen. Trotz der hohen stillen Reserven schleckt keine Geiss weg, dass selbst das professionell geführte und auch sportlich erfolgreiche Unternehmen nicht im Geld schwimmt. Das zeigt sich etwa am Umstand, dass den Aktionären keine Dividenden ausgeschüttet werden.

Gastronomie als zweites Bein

Die im Kasten erwähnten Zahlen betreffen allein den sportlichen Bereich. Die Ergebnisse der Schwestergesellschaft Sportgastro wie auch die konsolidierten Zahlen der Holding werden nicht publiziert. VR-Präsident Walter Born erwähnte einmal mehr, dass das Sportunternehmen auf Zusatzeinnahmen angewiesen sei. «Die Wachstumsstrategie in der Gastronomie wird fortgesetzt», sagte er. Wobei man sich nicht auf Restaurants beschränke, die sich im Umfeld von Sportanlagen befänden. Mit dem The Beef an der Kramgasse führt die Sportgastro bereits einen Betrieb, der mit Sport nichts zu tun hat.

Erschienen in der BZ am 13. September 2013

Claude Chatelain