Vierte Säule: Hat der Euro den Point of no Return erreicht?

Lasst uns  wieder einmal über den Euro reden. In jüngster Zeit ist die Diskussion darüber etwas verstummt. Thomas Straubhaar, der Hamburger Professor mit Thuner Wurzeln, hat kürzlich in dieser Zeitung einen hübschen Vergleich herangezogen. Er verglich das Drama rund um die Einheitswährung mit dem Klettern. Der Euro habe den Point of no Return hinter sich, sagt er.  Also jenen Punkt beim Aufstieg zum Gipfel, nach dem es kein Zurück mehr gibt. Kehrt man um, ist der tödliche Absturz gewiss.

Thomas Straubhaar.
Thomas Straubhaar.

Ich bin mir nicht so sicher, ob es für Griechenland, Zypern und vielleicht noch für andere Länder nicht doch besser wäre, sie würden sich vom Euro-Abenteuer verabschieden.  Denn der Geburtsfehler der Einheitswährung ist nicht behoben. Ewig werden die reicheren Länder des Nordens nicht bereit sein, die schwächeren Länder zu unterstützen.

Doch offensichtlich sind auch die Verantwortlichen der peripheren Länder der Ansicht, der Point of no Return sei überschritten. Sonst würden sie nicht so hartnäckig und trotzig an der Einheitswährung festhalten, obschon auch ihnen klar geworden sein dürfte, dass der Euro mehr Unheil denn Heil gebracht hat. Sie sehen zwar mit dem Euro keine Zukunft. Sie sehen  nicht, wie sie beim Bergsteigen den Gipfel erreichen können. Aber weil sie den Point of no Return überschritten haben, sehen sie ebenso wenig, wie sie ohne tödlichen Absturz wieder ihre alte Währung einführen könnten. Sie hängen in der Wand wie ein entkräfteter Bergsteiger.

Ich möchte nicht der Regierungschef eines Landes sein, der die Verantwortung eines Ausstiegs  aus dem Euro auf sich nimmt und das Land in eine ungewisse Zukunft führt. Ein Chaos wäre gewiss. Ungewiss sind aber die Dauer  und der Weg aus dem Chaos.  So habe ich Verständnis, dass die krisengeschüttelten Länder weiterwursteln und   klettern und klettern  und klettern. Bei diesem Vorgehen kann man immer noch sagen, es sei die frühere Regierung gewesen, die den Anschluss  an die Einheitswährung  verbrochen habe.   

Erschienen in der BZ am 20. August 2013

Claude Chatelain