Wenn das Auto schlappmacht

Die Pannenhilfe ist häufig in der Teilkasko versichert - aber nich immer.
Die Pannenhilfe ist häufig in der Teilkasko versichert - aber nich immer.

Um die Pannenhilfe zu versichern, braucht man nicht Mitglied eines Verkehrsclubs zu sein. Am günstigsten ist es mit der Espacecard dieser Zeitung.

Welcher Autofahrer will schon auf die Pannenhilfe verzichten? Viele sind allein deswegen Mitglied bei TCS oder VCS. Sie zahlen also nicht nur den gewünschten Versicherungsschutz, sondern unterstützen finanziell eine Verkehrspolitik, die unter Umständen nicht die ihre ist. Viele möchten jedoch allein das Risiko einer Panne versichern, und sie möchten nicht gleichzeitig eine Kampagne für den Strassenausbau, eine Attacke gegen die Rega oder jede Art von Verhinderungspolitik mitfinanzieren. Wer allein wegen der Pannenhilfe einem Verkehrsverband beitritt, ist selber schuld, zumal der Versicherungsschutz nur in der Schweiz gilt. Denn meistens ist der Pannendienst in anderen Versicherungspaketen enthalten, etwa in der Haftpflicht-, Kasko- oder Teilkaskoversicherung.

 

In der Teilkasko versichert

 

Bei der Allianz Suisse und der Mobiliar ist die Pannenhilfe sogar in der Haftpflichtversicherung eingeschlossen. Doch bei den meisten anderen Anbietern braucht es eine Voll- oder zumindest eine Teilkaskoversicherung, damit das Abschleppen des schlappmachenden Fahrzeugs versichert ist. Manchmal ist die Pannenhilfe automatisch, häufiger jedoch als möglicher zusätzlicher Baustein in der Teilkasko versichert. So etwa bei der Basler, wo die Pannenhilfe «Service SOS» als Baustein der Teilkaskoversicherung 39 Franken kostet. Bei der Helvetia zahlt man für eine umfassendere Assistance-Deckung inklusive Rechtsschutz 49 Franken pro Jahr. Bei der Vaudoise ist die Pannenhilfe automatisch Teil der Kaskoversicherung. Bei älteren Modellen lohnt sich auch eine Teilkaskoversicherung nicht immer, weil nur der Zeitwert versichert ist. Gerade solche Karossen sind besonders anfällig für eine Panne. Also wählt man am einfachsten einen Autoversicherer, der die Pannenhilfe innerhalb der Haftpflicht versichert. Oder man durchforstet das Versicherungsportefeuille nach einem verborgenen Risikoschutz, denn es gibt ja noch die Reiseversicherung.

Im Reisepaket versichert

 

Schloss man früher vor jedem Auslandtrip eine Reiseversicherung ab, schliessen mehr und mehr Leute heute eine Jahresreiseversicherung ab, was sich vor allem dann lohnt, wenn man mehr als einmal pro Jahr die Koffern packt. Bei der Mobiliar beispielsweise kostet die Jahresreiseversicherung für eine Person 111 Franken. Will man neben der Personen-Assistance auch die Fahrzeug-Assistance inklusive europaweiter Pannenhilfe versichert haben, kommen noch 33 Franken hinzu.

 

Was tun, wenn man keine Teilkasko will, keine Reiseversicherung hat, keinen Lobbyverband unterstützen möchte und trotzdem den Pannendienst versichern will? Die Antwort heisst Europäische. Bei der Tochtergesellschaft von Nationale Suisse kann man online den Pannendienst für 49 Franken versichern.

 

Avia machts fast gratis

 

Bis vor einigen Jahren führte auch die Migros ein vergleichbares Angebot, doch die Detailhandelsgenossenschaft verabschiedete sich aus dem Versicherungsgeschäft. Sie hat offenbar zu wenig Policen verkaufen können. Und doch gibt es noch eine günstigere Lösung. Sie hat vier Buchstaben: Avia. Das Tankstellennetz der Schweizer Importeure von Erdölprodukten offeriert eine kostenlose Pannenhilfe in ganz Europa, sofern man das Benzin mit der Kundenkarte von Avia bezahlt. Der durch Axa organisierte Versicherungsschutz tritt nach der Bezahlung der ersten Tankrechnung in Kraft, wobei pro Tankrechnung 2.50 Franken Administrationsgebühr anfallen. Avia-Geschäftsführer Patrick Staubli betonte gegenüber dem «K-Tipp», dass kein Mindestumsatz nötig ist, damit man vom Pannendienst profitieren kann». Auf der Website von Avia tönt es etwas differenzierter: «Wenn ein Kartenkunde über Monate nicht mit der Avia-Karte tankt, kontaktieren wir ihn mit dem Ziel, ihn dazu zu bewegen, vermehrt mit der Avia-Karte zu tanken.» Für Inhaber der durch diese Zeitung herausgegebenen Espacecard entfällt freilich die Administrationsgebühr – und sie erhalten erst noch einen Rabatt von 2,5 Rappen pro Liter Treibstoff.

 

Erschienen in der BZ am 13. August 2013

Claude Chatelain