Vierte Säule: Die Rega ist keine Versicherung

Die Rega kann Gönnern die Kosten erlassen, muss aber nicht.
Die Rega kann Gönnern die Kosten erlassen, muss aber nicht.

Heute wenden wir uns aus aktuellem Anlass der Repatriierung zu, ist doch die Rettungsflugwacht aus diversen Gründen in die Schlagzeilen geraten. Wer im Ausland verunfallt oder ernsthaft erkrankt, lässt sich in die Heimat fliegen. Das ist unter Umständen mit sehr hohen Kosten verbunden. Deshalb ist der wichtigste Baustein einer Reiseversicherung der Versicherungsschutz für eine allfällige Rückführung.

Ich höre etwa von Leuten, die auf diesen Versicherungsschutz verzichten. Sie sagen sich, sie seien ja bei der Rega versichert. Da muss ich korrigierend eingreifen: Die Rega ist eine Rettungsflugwacht und keine Versicherungsgesellschaft. Man ist im besten Fall Gönner der Rega, aber kein Versicherungskunde. Es ist zwar richtig, dass die Rega ihre Gönner bisher stets kostenlos repatriierte, falls diese nicht versichert waren. Der Forderungsverzicht für Leistungen zugunsten von Gönnern belief sich im letzten Jahr auf 7,5 Millionen Franken. Dieser Verzicht erfolgte mehr oder weniger freiwillig. Rechtlich ist sie dazu nicht verpflichtet. Sie ist mit ihren Gönnern kein Rechtsgeschäft eingangen; es gibt keinen Versicherungsvertrag zwischen Rettungsflugwacht und Gönnern.

 

In den Gönnerbestimmungen der Rega steht: «Als Dank für diese Unterstützung kann die Rega nach ihrem Ermessen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Gönnerinnen und Gönnern die Kosten für die (…) Hilfeleistungen teilweise oder ganz erlassen, falls Versicherungen, Krankenkassen oder andere leistungspflichtige Dritte für die Kosten des Einsatzes nicht oder nur teilweise aufkommen.» Und weiter unten steht, dass die Rega die Hilfeleistung ohne Rechtspflicht erbringt. Früher waren diese Bestimmungen nicht so unverbindlich formuliert. Die strengeren Gönnerbestimmungen sind auch ein Zeichen dafür, wie stark sich die Rega verändert hat, auch kulturell.

 

Dank den vielen Gönnerbeiträgen konnte sie sich bisher diese Grosszügigkeit auch ohne Rechtspflicht problemlos leisten. Das könnte sich aber auch mal ändern – genauso wie sich auch die Entlöhnung von Stiftungsrat und CEO in letzter Zeit massiv verändert hat.

 

Erschienen in der BZ am 13. August 2013

Claude Chatelain