Was Öl-Aktien in Ökofonds zu suchen haben

Im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko  die Ölbohrplattform Deepwater Horizon des britischen Erdölgiganten BP.
Im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Ölbohrplattform Deepwater Horizon des britischen Erdölgiganten BP.

Wer aus Verantwortungsbewusstsein grüne Fonds kauft, sollte überprüfen, in welche Firmen der Fonds investiert. Ökofonds sind nicht immer im grünen Bereich.

BP ist einer der grössten Umweltverschmutzer: Im April 2010 explodierte die Ölbohrplattform Deepwater Horizon. 800 Millionen Liter Öl flossen in den Golf von Mexiko. Der britische Ölkonzern BP ist nun mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe konfrontiert.

Eine ungute Erinnerung weckt auch Amoco Cadiz. So hiess der Tanker, der im März 1978 an der bretonischen Küste in zwei Teile zerbrach und eines der grössten Ölunglücke der Geschichte verursachte. 1998 fusionierte Amoco mit BP.

 

Das Besondere an diesen Beispielen: BP hat nicht nur die Farbe Grün im Logo; BP galt auch sonst als grün, zumindest in den Augen von Finanzanalysten. Das äussert sich darin, dass die Aktien des britischen Ölkonzerns bis zum Unglück im Golf von Mexiko in verschiedenen Öko- oder Nachhaltigkeitsfonds prominent vertreten waren.

 

Grüne Fonds mit einem CO2-Ausstoss

 

Wie kommt ein Manager eines Ökofonds auf die Idee, das Geld von ökologisch orientierten Anlegern in Konzerne zu investieren, die fossile Energie gewinnen und damit den CO2-Ausstoss fördern? Die Antwort lautet «best in class». Will heissen, dass der Fondsmanager eines grünen Fonds jene Aktien herauspickt, die innerhalb ihrer Branche am meisten für die Umwelt tun.

 

BP stand im Ruf, am meisten Vorkehrungen zu treffen, die Umweltbelastung in Grenzen zu halten. Heute würde man das wohl kaum mehr behaupten. Stattdessen hält der Sarasin Oeko Sar Equity grosse Positionen des norwegischen Öl- und Gaskonzerns Statoil; und beim Robeco Sustainable Global Equity stellt Occidental Petroleum Corp gar die grösste Position.

 

Anleger, die aus Verantwortungsbewusstsein grüne Fonds kaufen, werden sich geprellt fühlen, wenn sie entdecken, dass «ihr» Fonds im grossen Stil in Gas- und Ölkonzerne investiert. Daher spricht die Fondsindustrie statt von grünen Fonds zunehmend von nachhaltigen Fonds, auf Englisch «sustainable». Diese stützen sich bei der Auswahl der Aktien nicht allein auf ökonomische und ökologische, sondern auch auf soziale und ethische Kriterien. So oder so lohnt es sich, schon vor dem Kauf von Fondsanteilen einen Blick auf die Fact-Sheets zu werfen und die Anlagestrategie zu studieren. Auf diesen Faktenblättern sind jeweils auch die zehn grössten Positionen aufgeführt.

 

Hände weg vor Rüstung, Tabak und Kernenergie

 

Um eher den Geschmack von ökologisch gesinnten Anlegern zu treffen, gibt es auch Fonds mit bestimmten Ausschlusskriterien. Hier wird in den Anlagerichtlinien klar festgehalten, welche Wirtschaftszweige nicht infrage kommen. Häufig sind das Alkohol, Rüstung, Tabak oder Kernenergie. Auf Öl-, Auto- oder Agrochemie wird hingegen seltener verzichtet.

 

Schliesslich muss ein Fonds auch eine Rendite erwirtschaften. Mehr und mehr gibt es auch Ökofonds, die gezielt in einen bestimmten Wirtschaftszweig investieren, etwa alternative Energie, Wind oder Wasser. Solche Nischenprodukte sollten jedoch nach den Erkenntnissen der modernen Portfoliotheorie bloss als Ergänzung zu einem Portefeuille eingesetzt werden, erklärt Raphael Schaad, der bei der Berner Kantonalbank das Privat Banking leitet. Gemäss einer allerdings nicht mehr ganz taufrischen Markterhebung kombinieren die Anlagefonds häufig mehrere Ansätze. 81 Prozent der befragten Anlagefonds verfolgen einen nachhaltigen «Best in class»-Ansatz. In 61 Prozent der Fälle haben die Fonds, oftmals zusätzlich, Ausschlusskriterien definiert.

 

Grüne Firmen sind für die Zukunft besser gerüstet

 

Es gibt auch Anleger, die in keiner Weise ökologisch unterwegs sind und trotzdem grüne Fonds kaufen. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass die Umweltleader langfristig auch punkto Rendite obenaus schwingen werden. Es gibt Renditevergleiche, die das bestätigen. Es gibt aber auch Studien, die das Gegenteil besagen. Laut der Fondsanalysefirma Morningstar haben die Anlagefonds der Kategorie «Aktien Ökologie» auf zwölf Monate zurück eine Durchschnittsrendite von 22,52 Prozent, auf 3 Jahre zurück von 3,04 Prozent erzielt. In der Kategorie «Aktien weltweit flexibel» betragen die Durchschnittsrenditen dagegen 16,64 beziehungsweise 3,73 Prozent.

 

Nach Auskunft von Marco Pisi, Leiter Portfoliomanagement bei der Valiant-Bank, sind Ökologiefonds nicht mehr das grosse Thema wie auch schon. Der Kunde habe häufig klare Vorstellungen, in welche Art von Unternehmen ein Ökofonds investieren müsste.

 

 

INFOTHEK

Der positive Ansatz: Es werden jene Unternehmen herausgepickt, die sich innerhalb der Branche am vorbildlichsten verhalten. Somit wird keine Branche ausgeschlossen. Diese Strategie wird auch als «best in class» bezeichnet.

 

Der negative Ansatz: Der Fonds verzichtet auf Aktien bestimmter Branchen oder Produktionsmethoden. Mögliche ausgeschlossene Bereiche: Automobil, Betrieb fossiler Kraftwerke, Verkauf fossiler Energieträger, Gentechnik in der Landwirtschaft. Dieser Ansatz wird vor allem in angelsächsischen Ländern betrieben.

 

Der Themenansatz: Der Anlagefonds investiert ausschliesslich in Nachhaltigkeitsthemen. Dies können einzelne Bereiche sein wie etwa Wasser, Solar, Wind oder generell erneuerbare Energie. Häufig investieren solche Fonds in umfassendere Themen wie etwa Klimawandel.

 

Der Ansatz der Einflussnahme: Dieser Ansatz wirkt auf zwei Ebenen: zum einen über die Wahrnehmung der Stimmrechte; zum andern in einem Dialog mit dem Management über ökologische und ethische Themen. Diese Strategie hat in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen.

 

Erschienen in der BZ am 16. Juli 2013


Claude Chatelain