Vierte Säule: Über den SBI und den SPI

Auch das Braunkehlchen ist auf der Roten Liste.
Auch das Braunkehlchen ist auf der Roten Liste.

Der SBI verheisst nichts Gutes, wie das letzte Woche bekannt wurde. SBI? Das ist kein Tippfehler, und ich meine nicht den Swiss-Berformance-Index, der ja Swiss-Performance-Index (SPI) heisst und die Kursentwicklung der an der Schweizer Börse kotierten Aktien spiegelt.

 

 

 


 

Ich meine den Swiss-Bird-Index. Aufgrund dieses Indexes sind fast 80 der rund 200 in der Schweiz brütenden Vogelarten auf der Roten Liste. Es besteht die Gefahr, dass sie aus der Schweiz verschwinden.


Im Unterschied zum SPI ist der SBI nicht kapitalisierungsgewichtet: Beim SPI – wie übrigens auch beim 20 Bluechips umfassenden Swiss-Market-Index (SMI) – werden die Aktien aufgrund ihrer Börsenkapitalisierung gewichtet. Diese ergibt sich aus dem Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl gehandelter Aktien.


Im Unterschied zu den kapitalisierungsgewichteten gibt es auch  preisgewichtete Indizes, wie etwa der Dow Jones Industrial Average oder der japanische Nikkei-225.  Jede Aktie ist hier mit der gleichen Stückzahl vertreten. Aktien mit einem höheren Kurs haben  einen grösseren Einfluss auf den Index.


Nun, der SBI ist weder kapitalisierungsgewichtet noch preisgewichtet. Der SBI ist so etwas wie ein Sammelindex diverser Subindizes. «Als Grundlage für die Berechnung des Swiss-Bird-Indexes (SBI) dienen die artweisen Indizes der regelmässigen Brutvögel», steht auf der Website der Vogelwarte Sempach zu lesen. «Die Berechnung dieser bestandsproportionalen Indizes erfolgt entsprechend der Datengrundlage mit unterschiedlichen Methoden. (...) Bei häufigen Brutvögeln werden die jahrweisen Werte mit dem Programm Trim berechnet. Für seltene Arten wird der Anteil der besetzten Kilometerquadrate als Indikator für die Bestandssituation verwendet (...) Die jahrweisen kombinierten Indices entsprechen dem geometrischen Mittel der artweisen Bestandsindizes.»


Soll mir noch einer erzählen, das, was ich über Finanzmärkte und deren Indizes schreibe, sei kompliziert. 

 

Erschienen in der BZ am 9. Juli 2013

Claude Chatelain