Vierte Säule: Wie halten Sie es mit dem Sparziel?

Haben Sie ein Sparziel? Ja? So hatten Sie wohl  einen Finanzplaner im Haus. Finanzberater arbeiten mit Sparzielen. Sie definieren mit dem Kunden einen Betrag, den man bis zur Pensionierung erreichen will. Dann sagen sie Ihnen, dass Sie mit der AHV angesichts der demografischen Entwicklung lieber nicht rechnen sollten. Mit der Pensionskasse wegen der zum Teil eklatanten Deckungslücken sowieso nicht. Klug sei, wer selber vorsorge. Man wisse nie.

Das Sparziel basiert auf der Annahme, wie viel Geld man in zwanzig oder dreissig Jahren auf die hohe Kante schaufeln muss, um neben dem Einkommen aus der 1. und der 2.Säule – mit welchem man eben lieber nicht rechne – genügend Geld gespart zu haben, um sich das Leben gemäss den eigenen Vorstellungen einrichten zu können. Etwa nach dem Motto: «Wie man sich bettet, so liegt man.»


Also macht man einen Plan und nimmt sich vor, bis Alter 60 so und so viele Tausend Franken angespart zu haben – eben das Sparziel. Zu diesem Zweck kauft man Finanzprodukte
wie Anlagefonds und Sparversicherungen, die der Berater nicht ganz uneigennützig  empfiehlt.


Das Problem besteht darin, dass man mit Alter 30, 40, aber auch mit 50 noch keine Ahnung hat, wie viel Geld man in dreissig, zwanzig oder auch nur in zehn  Jahren brauchen wird. Man hat keine Ahnung, ob die Leistungen der Sozialwerke in ferner Zukunft  ausgebaut oder abgebaut werden. Man hat keine Ahnung, ob man Tisch und Bett immer noch mit der gleichen Person teilt – wenn überhaupt.

 

Ich finde auch, man soll nicht allein auf die AHV und die Pensionskasse bauen. Deshalb gibt es das steuerbegünstigte Sparen 3a. Das genügt in den meisten Fällen. Was nützt all das Geld auf der hohen Kante, wenn das Leben eine ganz andere Wendung nimmt? Wenn eine tödliche Krankheit eintritt? Wenn die Kinder nun doch nicht studieren? Mit Geld verhält es sich wie mit dem Wasser: Es muss fliessen, sonst beginnt es zu stinken. 

 

Erschienen in der BZ am 2. Juli 2013 

 

 


 

Claude Chatelain