«Wir haben sogar Jodler aus Frankreich»

Chantal Bornoz, ehemalige Grossratspräsidentin des Kantons Bern.
Chantal Bornoz, ehemalige Grossratspräsidentin des Kantons Bern.

Heute Freitag beginnt das Bernisch-Kantonale Jodlerfest in Tramelan. OK-Präsidentin Chantal Bornoz erklärt, wie sie es geschafft hat, dass der Regierungsrat in corpore erscheinen wird.

Frau Bornoz, können Sie mir «Ankebälli» von Adolf Stähli vorjodeln?

Chantal Bornoz: Ich muss Sie enttäuschen. Ich kann nicht jodeln. Aber ich höre es gern.

 

Sind Sie Passivmitglied einer der sieben bernjurassischen Jodlervereine?
Im Berner Jura gibt es um die zehn Jodlervereine. Aber nur deren sieben haben das Bernisch-Kantonale Jodlerfest organisiert. Nein, ich bin nicht Mitglied. Ich bin in Biel aufgewachsen und komme nicht aus einer Jodlerfamilie.

 

Das letzte Bernisch-Kantonale Jodlerfest in einem jurassischen Ort geht aufs Jahr 1982 zurück. Gehen die Jurassier vergessen?
Auf drei Jahre gibt es zwei kantonale Jodlerfeste, die immer in einer anderen Region stattfinden. Das letzte Bernisch-Kantonale Jodlerfest in unserer Region war 2006 in Biel. Und als es hiess, 2013 wäre wieder unsere Region an der Reihe, hatte sich anfänglich niemand gemeldet. So hat sich dann Tramelan beworben.

 

Mit wem haben die Bernjurassier engere Verbindungen: mit den Bernern oder den Romands?
Mit den Kollegen vom Kanton Bern. Unsere Formationen sind im Verbund Seeland-Berner Jura.

 

Im Mediencommuniqué heisst es, das Jodlerfest in Tramelan sei auch eine welsche Veranstaltung. Warum auch? Tramelan ist doch welsch?
Die grosse Mehrheit der Teilnehmer sind Deutschschweizer. Auch in der Association Romande des Yodleurs stammen etwa 80 Prozent aus der deutschen Schweiz, die sich in der Romandie niedergelassen haben. Es gibt viele Leute im Kanton Bern, die gar nicht wissen, dass wir hier in Tramelan mehrheitlich Französisch sprechen.

 

Die Westschweizer Jodlervereine wurden häufig von «ausgewanderten» Deutschschweizern gegründet. Haben sie nicht Nachwuchsprobleme?
Ich war Anfang Jahr an der Generalversammlung der Association Romande des Yodleurs im neuenburgischen Chézard-St-Martin. Da habe ich überhaupt nichts gespürt von Nachwuchsproblemen.

 

Interessanterweise nehmen relativ viele Formationen aus der Romandie teil.
Ja, wir haben Formationen aus allen Westschweizer Kantonen, etwa den Jodlerklub Alpenrösli aus Lausanne, den Yodler-Club St-Blaise aus dem Kanton Neuenburg. Wir haben sogar eine Formation aus Frankreich. Ich habe gar nicht gewusst, dass die Franzosen auch jodeln.

 

In der Deutschschweiz werden stets neue Lieder komponiert – auch unkonventionelle. Wie verhält es sich damit in der Romandie?
Dort ist es nicht anders. Insbesondere im Kanton Freiburg hat es Nachwuchskräfte, die neue und auch unkonventionelle, moderne Lieder komponieren.

 

Die französischen Lieder sind häufig aus dem Deutschen übersetzt. Das kanns ja nicht sein?
Es gibt beides. Übersetzte und selber komponierte Lieder. Einige der übersetzten Lieder sind übrigens schlecht übersetzt.

 

Im Kanton Jura gibt es keinen einzigen Jodlerverein. Ist das der «Anti-Fritz-Reflex»?
Sind Sie sicher, dass es im Kanton Jura keinen Jodlerverein gibt?

 

Im Verzeichnis des Westschweizerischen Jodlerverbandes habe ich keinen gefunden.
Dafür nimmt mit Isabelle Deriaz eine Alphornbläserin aus Saignelégier teil. Zudem waren wir sehr erfreut, dass sich die Alphornbläser Echo vom Vorbourg, die aus der Nähe von Delsberg kommen, für den Umzug angemeldet haben.

 

Gibt es andere Jurassier am Umzug?
Ja, der Marché-Concours aus Saignelégier ist mit einer Reiterquadrille vertreten. Vier Frauen werden auf Freiberger Pferden reiten – ohne Sattel, natürlich.

 

Vertreten ist auch der Regierungsrat des Kantons Bern – in corpore. Wie haben Sie das geschafft?
Als ehemalige Grossratspräsidentin habe ich immer noch engen Kontakt mit der Regierung. Einmal hatte ich an einem Anlass in Bern gesagt, es wäre schön, wenn der gesamte Regierungsrat in corpore nach Tramelan kommen könnte. Eine Woche später teilte mir die Staatskanzlei in einem Brief mit, dass der gesamte Regierungsrat am Jodlerfest teilnehmen wird.

 

Politisches Kalkül im Hinblick auf die konsultative Abstimmung vom November über die Kantonszugehörigkeit?
Höchstens am Rande. Ich weiss, dass etliche Regierungsräte mit der Folklore sehr verbunden sind: Finanzdirektorin Beatrice Simon, Baudirektorin Barbara Egger haben eigene Trachten, und Justizdirektor Christoph Neuhaus hat mir gesagt, er werde im «Berner Mutz» aufkreuzen.

 

Ausgerechnet jetzt, wo die Abstimmung zur Kantonszugehörigkeit anstehet, findet das Jodlerfest in Tramelan statt.

Das ist Zufall. Als wir uns vor drei Jahren für die Durchführung des Bernisch-Kantonalen Jodlerfests bewarben, war noch keine Rede von einer Abstimmung über die Kantonszugehörigkeit

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Erwarten Sie Störmanöver der Béliers?
Nein. Das wäre für sie so oder so kontraproduktiv. Und das wissen sie.

 

Jetzt müssen wir noch eine Frage klären: Ist Antoine Flück, der bekannte Virtuose auf dem Schwyzerörgeli, Ihr Mann?
Darauf werde ich häufig angesprochen. Der bekannte Handörgeler Antoine Flück aus Le Noirmont im Kanton Jura ist ein Cousin meines Mannes. Sie heissen genau gleich.

 

 

Jodlerfest in Tramelan

20 000 Besucher erwartet Heute beginnt in Tramelan das 48. Bernisch-Kantonale Jodlerfest. Bis Sonntag werden im Berner Jura 20 000 Besucher erwartet. 2000 Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser nehmen teil. Ihr Ziel ist es, sich mit einer guten Darbietung für das Eidgenössische Jodlerfest 2014 in Davos zu qualifizieren. Die Noten werden in der Montagausgabe dieser Zeitung publiziert. Ein Highlight ist das Mitternachtskonzert von

Samstagnacht in der Eishalle Tramelan. Näheres dazu wollte OK-Präsident Chantal Bornoz nicht verraten. Jodeln in der Eishalle? Das erinnert an das 100-Jahr-Jubiläum des Eidgenössischen Jodlerverbands in der Berner Eishalle vor drei Jahren. Chantal Bornoz versichert jedoch, dass in Tramelan die Musik live und nicht im Play-back-Verfahren gesungen.

 

Erschienen in der BZ am 14. Juni 2013


Claude Chatelain