Vierte Säule: Über die nervigste Krankenkasse

Letzte Woche im «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens: Moderator Ueli Schmezer kündigt die «nervigste» Krankenkasse an. Selbst oberflächlich Interessierte wussten, um welche es sich handeln würde: um Groupe Mutuel natürlich. Sie hat ihre eigenen Verkaufsmethoden.

Kassensturz-Moderator Ueli Schmezer.
Kassensturz-Moderator Ueli Schmezer.

Der «Kassensturz» hat wiederholt von dieser Kasse berichtet. Und im Beitrag von letzter Woche kamen auch der Ombudsmann und die Stiftung für Konsumentenschutz zu Wort. Beide bestätigten, über keinen anderen Krankenversicherer so viele Reklamationen zu erhalten wie über Groupe Mutuel. Glaubt man den geprellten Leuten, die im «Kassensturz» ihren Fall erzählten, und liest man die Kommentare all der Fernsehzuschauer, die nach der Sendung auf der Website ihren Frust loswurden, so währt Ehrlichkeit bei gewissen Maklern nicht am längsten. Ein Geschäftsleitungsmitglied einer Krankenkasse erzählte mir kürzlich, er mache sich Sorgen, wie mehr und mehr bürgerliche Politiker für die Einheitskrankenkasse Sympathien gewännen. Dies allein wegen der ungebetenen Vermittler. Die Politiker hätten den Kassen auch schon angeraten, zumindest bis zur Abstimmung über die Einführung einer Einheitskrankenkasse auf die Dienste von Maklern zu verzichten. Ohne Erfolg.

Bei der Helsana zum Beispiel stammen fünfzig Prozent des Neugeschäfts von ungebundenen Maklern. Da kann ich nachvollziehen, dass man sie nicht in die Wüste schicken will. Aber es ist nicht zu leugnen, dass die Vermittler zum zweifelhaften Image der Krankenversicherer beitragen. Sie sind die Wegbereiter für eine Einheitskrankenkasse. Wenn ich zudem an den Krach der Krankenversicherer denke, wie sie da Verbände und Gegenverbände gründen und aus etablierten Verbänden wieder austreten, so beneide ich die Befürworter der Einheitskasse. Ich möchte ihr Kampagnenleiter sein. Nichts einfacher als das. Man kann sich zurücklehnen und genüsslich zusehen, wie die Krankenversicherer mit ihrem Gebaren am Ast sägen, auf dem sie sitzen.

 

Erschienen in der BZ am 11. Juni 2013

Claude Chatelain