Vierte Säule: Das Beitragsprimat ist besser als sein Ruf

Zur Einleitung zitiere ich einen Satz, den ich vergangene Woche an der Delegiertenversammlung der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) aufgeschnappt habe: «Wenn mit der Einführung des Beitragsprimats die Risiken auf die Versicherten übertragen werden.»

Hallo? Wer trägt denn beim heute geltenden Leistungsprimat die Risiken? Wer denn, wenn nicht ebenfalls die Versicherten? Beim Beitragsprimat hängt die Höhe der Rente vom einbezahlten Kapital ab, das sich über all die Jahre mit den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberbeiträgen sowie den Zinsen anhäufte. Beim Leistungsprimat bemisst sich die Rente dagegen aufgrund des letzten Lohns. Aber auch beim Leistungsprimat wird die Rente mit Beiträgen und Zinsen finanziert. Hier steht die  Pensionskasse vor der grossen Herausforderung, die Höhe der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberbeiträge so festzulegen,  dass sie später die versprochene Rente bezahlen kann. Leider kann eine Pensionskasse im Voraus nicht wissen, wie weit sie  auf den Finanzmärkten zusätzliche Erträge zu verdienen vermag.  Liegen die effektiv realisierten Börsengewinne unter den geschätzten, zahlt die Pensionskasse drauf. Das heisst, das Risiko trägt die Pensionskasse. Und da das Geld einer Pensionskasse den Versicherten gehört, liegt auch im Leistungsprimat das Risiko bei den Versicherten.  Falls die Renten nicht genügend finanziert sind, profitieren die einen, und die anderen müssen dafür bluten. Das ist ungerecht. Deshalb ist das Beitrags- dem Leistungsprimat vorzuziehen.

 

Zahlreiche Vorsorgeeinrichtungen haben in den vergangenen Jahren das Leistungs- durch das Beitragsprimat ersetzt. Dummerweise haben sie den Primatwechsel dazu benutzt, die Kasse zu sanieren. Dadurch verschlechterten sich die Leistungen.  Auch die Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Bern müssen mit dem Primatwechsel Einbussen in Kauf nehmen. Nicht wegen des Primatwechsels als solchen, sondern weil die Kasse ungenügend finanziert ist und saniert werden muss. Das Beitragsprimat ist besser als sein Ruf.

 

Erschienen in der BZ am 28. Mai 2013

Claude Chatelain