Vierte Säule: Die Erhebung der Kosten verursacht auch Kosten

Linke Kreise beklagen die hohen Verwaltungskosten der Pensionskassen. Zu Recht. Die Verwaltungskosten sind  zu hoch. Doch das ist nicht die Schuld der Vorsorgeeinrichtungen, sondern der Politiker. Sie sind es, die den Pensionskassen laufend neue Auflagen machen. Die Politiker waren es, die die 2.Säule derart kompliziert ausgestalteten, dass Vorsorgeeinrichtungen auf kostspielige Berater angewiesen sind.

Die Politiker sind nicht an allem schuld. Auch wir Stimmbürgerinnen und Stimmbürger tragen dazu bei: Mit dem kürzlich erfolgten Ja zur Abzockerinitiative müssen Vorsorgeeinrichtungen für jede Aktie, die sie im Depot haben, die  Stimmrechte ausüben.  Das ist mit Aufwand verbunden.


Die Sache nicht besser, sondern teurer macht der Umstand, dass   die Pensionskassen seit Anfang 2012 von den kantonalen Aufsichtsbehörden überwacht werden und über diesen auch noch eine eidgenössische Oberaufsichtskommission thront. Die Arbeit all dieser mit zusätzlichem Personal aufgestockten Behörden wird nicht mehr von den Steuerzahlern, sondern von den Versicherten bezahlt.


Nun hat sich  die Oberaufsichtskommission unter anderem zum Ziel gesetzt,  für eine bessere Transparenz der Vermögensverwaltungskosten zu sorgen, wie sie letzte Woche an einer Medienkonferenz erklärte. In Zukunft sollen all die Transaktionskosten für jeden einzelnen Handel ausgewiesen werden. Selbst die inneren Kosten eines Fonds sollen ersichtlich sein – gemeint sind jene Kosten und Gebühren, welche durch das Management eines  Anlagefonds anfallen und dem Fondsvermögen belastet werden.


Erstens wirkt  eine übertriebene Transparenz eher verwirrend als erhellend. Und zweitens  führt die angestrebte Kostentransparenz insgesamt zu höheren Kosten. Kurz: Auch die Erhebung der Vermögensverwaltungskosten verursacht zusätzliche Verwaltungskosten.

 

Ironie des Schicksals: Es sind vor allem linke Kreise, die nach einer besseren Transparenz rufen. Und es sind die gleichen Leute, welche die zu hohen Verwaltungskosten anprangern.

 

Erschienen in der BZ am 14. Mai 2013

 

Claude Chatelain