Die Aufsicht der Aufsicht verlangt mehr Transparenz

Kommissionspräsident Pierre Triponez.
Kommissionspräsident Pierre Triponez.

2012 war für Pensionskassen ein guter Jahrgang. Handlungsbedarf besteht noch bei der Transparenz der Vermögensverwaltungskosten. Dies das Fazit der Ober- aufsichtskommission BVG nach dem ersten Jahr ihrer Tätigkeit.

Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (BVG) hat gestern ihre erste Jahresmedienkonferenz abgehalten. Dabei ist es ihr kaum gelungen, alle Teilnehmer von der Notwendigkeit dieser neuen Institution zu überzeugen.

 

Zur Erinnerung: Mit der Strukturreform 2. Säule haben Bundesrat und Parlament die Aufsichtstätigkeit des Bundesamts für Sozialversicherungen den Kantonen übertragen und eine zusätzliche Oberaufsichtskommission geschaffen, gewissermassen eine Aufsicht der Aufsicht, welche Anfang letzten Jahres ihre Arbeit aufgenommen hatte. Die Kantone mussten daher ihre Stiftungsaufsicht aufstocken, ohne dass auf eidgenössischer Ebene Personalkosten eingespart werden konnten. Zum Teil wurde die Stiftungsaufsicht mehrerer Kantone zusammengelegt, so auch jene der Kantone Bern und Freiburg.

 

«Übergeordnetes Ziel der Oberaufsichtskommission ist es, die finanziellen Interessen der Versicherten in der 2. Säule verantwortungsbewusst und zukunftsgerichtet wahrzunehmen und damit das Vertrauen in die berufliche Vorsorge zu stärken», erklärte Kommissionspräsident Pierre Triponez gestern. Wobei die kantonalen Aufsichtsbehörden für sich wohl das gleiche Ziel beanspruchen würden.

 

Die Kommission will das Vertrauen stärken, indem bei den Vermögensverwaltungskosten eine bessere Transparenz hergestellt wird. So will sie die massgeblichen Kennzahlen für die Rendite, das Risiko und die Kosten neu definieren, als verbindlich erklären und vergleichbar machen.

 

Vorsichtiger unterwegs

 

Im Weiteren gaben Vertreter der Oberaufsichtskommission gestern bekannt, dass 2012 für die Vorsorgeeinrichtungen ein gutes Jahr gewesen war. Die durchschnittliche Rendite lag bei 7,4 Prozent. 90 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie verfügten per Ende 2012 über einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent. Zudem sind die Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie vorsichtiger geworden, konstatierte Triponez. Nur noch 7 Prozent verwendeten heute einen technischen Zins von 4 Prozent oder höher.

 

Bleibt hinzuzufügen, dass solche Durchschnittswerte in regelmässigen Abständen ebenfalls von privaten Vorsorgespezialisten wie Swisscanto, Complementa oder Credit Suisse erhoben werden.

 

Erschienen in der BZ am 8. Mai 2013

 

Claude Chatelain