Vierte Säule: Zur Verständlichkeit von Arztrechnungen

Gemäss Krankenversicherungsgesetz müsste jeder Patient für Arztbesuche eine Rechnung oder zumindest eine Kopie davon erhalten. Dies mit dem hehren Ziel, dass der Patient die Rechnung überprüft.

Nun haben Comparis, das Konsumentenforum und die Stiftung Patientenschutz in einer Umfrage eruiert, dass 11 Prozent der Patienten in den letzten zwölf Monaten nie eine Rechnung gesehen haben. In absoluten Zahlen sind dies über 500 000 Personen, die damit des gesetzlich verordneten Rechts einer Kontrolle beraubt wurden. «Dass so viele Prämienzahler keine Rechnung erhalten, ist angesichts der hohen Gesundheitskosten völlig inakzeptabel», erklärten die drei Organisationen in einem Communiqué. «Das Gesundheitswesen braucht Konsumenten, die gut informiert sind und mit wachem Sinn durch den Alltag gehen.» So ein Blech. Weshalb soll ich eine Rechnung kontrollieren, die mir so oder so von der Krankenkasse vergütet wird? Weshalb soll ich es mit dem Arzt verderben, der einen wesentlichen Einfluss auf mein Wohlbefinden ausübt? Die genannten Organisationen kamen zum Schluss, dass knapp jeder Dritte die Rechnung nachvollziehen könne.

 

Jeder Dritte? Das glauben sie wohl selber nicht. Ich hatte auch schon den Versuch unternommen, die Arztrechnung zu verstehen. Nicht dass ich gemotzt hätte, wenn ich eine Regelwidrigkeit gesichtet hätte. Es nahm mich einfach wunder, auch berufsbedingt. Ehrlich gesagt: Ich verstand nur Bahnhof. Oder können Sie sich auf «Tarifziffer», «Bezugsziffer», «TP AL/Preis», «TP TL», «TPW TL» einen Reim machen? Ein befreundeter Arzt sagte mir einmal, er komme beim Ärztetarif nicht draus. Das mache für ihn der Treuhänder. Das sagt alles. Der Ärztetarif Tarmed ist so ausgestaltet, dass man ihn als Konsument gar nicht verstehen kann. Und das Gesundheitswesen ist so ausgestaltet, dass der Konsument gar keinen Anreiz hat, den Tarmed zu verstehen.

 

Erschienen in der BZ am 30. April 2013

Claude Chatelain