Vierte Säule: Wie sicher sind solide Standardwerte?

Sparkonto und Obligationen werfen kaum noch Zinsen ab; Edelmetalle und Immobilien sind zu teuer, und Aktien sind unsicher wie immer. 

Sind Aktien wirklich unsicher? «Es ist höchste Zeit, dass auch die konservativen Besitzer von Sparbüchlein, Kassenobligationen und Staatsanleihen umdenken», schrieb  die  «Finanz und Wirtschaft». Sie sollten Anlageformen wählen, die unter der aktuellen Geldpolitik nicht leiden, sondern davon profitieren würden. «Das sind  neben Immobilien vor allem Aktien.»


Für meine Kollegen von der F+W  kommen  nur «solide Standardwerte» in Betracht. Sie meinen damit Unternehmen mit einer guten Positionierung in ihren Märkten, einer globalisierten Ausrichtung, stetig guter Ergebnisse und einer attraktiven Dividende. Als Beispiele nennt die Fachzeitung Nestlé, Novartis, ABB, Syngenta und Givaudan.


Die genannten Aktien weisen derzeit eine verhältnismässig hohe Rendite aus. Die Dividende in Prozent des aktuellen Aktienkurses beträgt bei den genannten Beispielen zwischen 2,3 und 3,4 Prozent. Im Vergleich zu Sparkonti oder Obligationen sind das in der Tat üppige Werte.


Und doch will ich mich hier als Spielverderber aufspielen: Als sich vor 15 Jahren der Technologieboom aufblähte, empfahl man ebenfalls «solide Standardwerte». ABB, Zürich oder die Chemieriesen Ciba und Clariant gehörten dazu. Die Zürich-Aktie, die letzte Woche für 264 Franken zu haben war, kostete Ende der Neunzigerjahre über 900 Franken.


Die ABB-Aktie wird derzeit zu 21 Franken gehandelt. Wer das gleiche Papier um die Jahrtausendwende kaufte, zahlte das Doppelte. Gleich den sechsfachen Preis von heute musste man damals für Clariant-Papiere hinlegen. Und die Ciba wurde inzwischen von der deutschen BASF geschluckt – zum halben Preis dessen, was der «solide Standardwert» zehn Jahre zuvor kostete.


Zugegeben: Ich bringe diese Beispiele nicht zum ersten Mal. Doch gewisse Sachen kann man nicht genug wiederholen. Anleger sind bekannt dafür, ein kurzes Gedächtnis zu haben.   

 

Erschienen in der BZ am 2. April 2013 

 

 


 

Claude Chatelain