Axa schliesst die Erdbebenlücke

Nach der GVB Privatversicherungen AG bietet nun auch Axa Winterthur Erdbebenversicherungen an. Dies nicht nur auf Anfrage, sondern neu als Standardangebot. Mehr und mehr Hauseigentümer werden sich bewusst, dass Erdbebenschäden nicht versichert sind.

Die Sachversicherer wehrten sich mit allen rechtlichen Mitteln, den Markteintritt der Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) zu verhindern. Ausser Zeit haben sie nichts gewonnen, denn die GVB darf via ihre Tochtergesellschaft GVB Privatversicherungen zusätzliche Risiken versichern, die nicht als Elementarschaden gelten und daher nicht über die obligatorische Gebäudeversicherung gedeckt sind, wie etwa Erdbebenschäden.

 

So gab Mitte Januar die GVB Privatversicherungen bekannt, eine Zusatzdeckung für Erdbebenschäden anzubieten. Für ein Haus im Wert von 500'000 Franken beträgt die Jahresprämie 130 Franken – und das einheitlich im ganzen Kanton.

 

Das scheint nun einige Mitbewerber auf den Plan zu rufen: So verkauft neu auch die Axa Winterthur eine Erdbebenversicherung, wie sie am heutigen Dienstag kommunizieren wird. «Auf Anfrage haben wir schon seit einigen Jahren Versicherungsschutz für Erdbeben angeboten. Aufgrund stark steigender Nachfrage unserer Kunden lancieren wir das Produkt nun im Standardgeschäft», erklärt Mediensprecherin Karin Gnehm.

 

Die Zürich bestätigte schon vor einem Jahr, dass die Nachfrage nach einem Versicherungsschutz gegen Erdbeben angezogen hat. Offensichtlich ist manchem Hausbesitzer bewusst geworden, dass Erdbebenschäden durch die öffentlich-rechtliche Gebäudeversicherung gar nicht gedeckt sind. Bei der Zürich kann man Erdbeben nur zusammen mit anderen Risiken versichern, etwa jenen Wasserschäden, welche nicht durch die kantonale Gebäudeversicherung gedeckt sind.

 

Risikogerechte Prämien

 

Ebenfalls Axa Winterthur bietet den Erdbebenschutz nur als Teil der Gebäudesachversicherung an. Für den Baustein Erdbeben werden die Prämien risikogerecht berechnet. Damit werden Baslerinnen und Basler am erdbebengefährdeten Rheinknie höhere Prämien zahlen als die Hauseigentümer im Kanton Bern. Für ein Haus im Wert von 500'000 Franken verlangt die Axa Winterthur eine Prämie zwischen 135 und 270 Franken. Die Schweizer Tochter des französischen Axa-Konzerns liegt damit über dem Angebot der GVB Privatversicherungen. Die Mobiliar bietet die Erdbebendeckung primär dort an, wo Kunden einen Bedarf anmelden. Dies betrifft vor allem erdbebengefährdete Gebiete wie das Wallis und Basel. «Auf einen aktiven Verkauf in weniger gefährdeten Gebieten und flächendeckende Aktionen verzichtet die Mobiliar bewusst», erklärt Sprecher Jürg Thalmann. Dieser Verzicht auch deshalb, weil eine obligatorische Erdbebenversicherung erarbeitet werde.

 

Warum erst jetzt?

 

Erst seit klar ist, dass auf eidgenössischer Ebene eine obligatorische Erdbebenversicherung eingeführt werden soll, bringen die Versicherer nun selber entsprechende Angebote auf den Markt. Denn seit Jahren debattiert Bundesbern über die Einführung einer schweizweit einheitlichen Erdbebenversicherung. Doch insbesondere der Hauseigentümerverband stellte sich quer. So sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in der Ratsdebatte, der Bundesrat wolle sich nicht für eine obligatorische Erdbebenversicherung einsetzen, «solange unter den Beteiligten kein Konsens über eine obligatorische Versicherungslösung herrscht». Ob der Bundesrat will oder ob er nicht will, ist sekundär: Er hat inzwischen vom Bundesparlament via Motion den Auftrag erhalten, eine schweizweite Erdbebenversicherung mit einheitlicher Prämie auszuarbeiten. Karin Gnehm von der Axa Winterthur: «Sollte die obligatorische, flächendeckende Lösung irgendwann tatsächlich kommen, werden wir die bestehenden Verträge selbstverständlich anpassen.»

 

 

Neues Angebot

Die Zusatzdeckung gegen Erdbebenrisiken ist nur einer von mehreren Bausteinen, den man bei der Axa Winterthur innerhalb der Gebäudesach-versicherung neuerdings versichern kann. Zusätzliche Bausteine sind Schadendeckungen bei Ausfall von Wärmepumpen, Solaranlagen, Erdsonden oder Garagentoren. Lag der Anteil der Wohneigentümer im Jahr 2000 noch bei 35 

Prozent, waren es 2012 bereits 41. Für die 

Versicherer ergeben sich damit im weitgehend gesättigten Versicherungsmarkt Schweiz neue Perspektiven. Axa hat deshalb das Angebot rund um Bauen, Kaufen und Wohnen überarbeitet und mit neuen Versicherungs-bausteinen versehen. Auch der Lebensversicherer Swiss Life drängt in diesen Markt vor und steigt ins Maklergeschäft ein.

 

Erschienen in der BZ am 26. März 2013


Claude Chatelain