Andere Kantone, andere Autoprämien

Die meisten Autoversicherer haben auf ihrer Homepage einen Prämienrechner. Aufschlussreich ist hier nicht nur ein Prämienvergleich nach Autotyp und Pferdestärke, sondern auch nach dem Wohnkanton.

Geschlecht, Alter, Nationalität, Fahrzeugart, Leistungsklasse, Wohnort – all das spielt für die Berechnung der Autoversicherung eine Rolle. Jede Versicherung gewichtet diese Faktoren aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen. Nun ist die Grundgesamtheit für die statistische Erhebung nicht bei allen Versicherern gross genug, um identische Daten zu erhalten. Das kann zu total unterschiedlichen Prämien führen.

Temperamentvolle Tessiner

Nehmen wir als Beispiel einen Citroën C3 1.6, der im Jahr 2006 in Verkehr gesetzt wurde: Bei der Helvetia zahlen 60-jährige Männer und Frauen für besagten Citroën gleich hohe Prämien für die Haftpflichtversicherung. Doch nicht alle Schweizer werden gleich stark zur Kasse gebeten, von den Ausländern schon gar nicht zu sprechen: Genfer und Tessiner zahlen am meisten; etwas weniger zahlen Baselstädter, Waadtländer, Neuenburger und Jurassier und nochmals weniger der Rest der Schweiz. Zumindest in diesem Bereich hat es sich für Jurassier nicht gelohnt, sich vom Staate Bern zu trennen. Macht man den genau gleichen Vergleich für 20- statt für 60-Jährige, sieht das Ganze etwas anders aus. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die 20-jährigen Bernerinnen eine um 9 Prozent tiefere Prämien zahlen als die gleichaltrigen Berner. Tessinerinnen und Genferinnen zahlen sogar 9,8 Prozent weniger als gleichaltrige Männer. Und dies für den Citroën C4, wahrlich keine Rennmaschine.

Baselstädter am teuersten

Während also die Helvetia für diesen Wagentyp drei Prämienregionen definiert, verlangt die Basler praktisch in jedem Kanton unterschiedliche Prämien (siehe Tabelle). Und da sieht man doch Erstaunliches: Gemäss den statistischen Unterlagen der Baloise sind die Walliser die besten Autofahrer. Die grössten Haftpflichtschäden scheinen dagegen Baslerinnen und Basler zu verursachen. Das dürfte damit zu erklären sein, dass die Baloise im Walliser Hochtal nicht sonderlich gut vertreten ist und damit die statistischen Erfahrungswerte zu wünschen übrig lassen. Vielsagend ist auch der riesige Prämienunterschied zwischen Jung und Alt: 20-Jährige, die eben erst die Fahrprüfung absolvierten, zahlen auch bei der Basler rund dreimal mehr als 60-Jährige, welche in den zurückliegenden fünf Jahren unfallfrei fuhren und auch sonst keine Schäden verursachten. Noch spannender der Vergleich zwischen Mann und Frau. Bei den 60-Jährigen spielt das Geschlecht bei der Baloise keine Rolle; bei den 20-Jährigen hingegen schon. 20-jährige Frauen zahlen um 10 Prozent tiefere Prämien als gleichaltrige Männer – und dies in allen der untersuchten Kantone.

Ältere Frauen zahlen weniger

Bei der Vaudoise, um einen anderen Anbieter zu nehmen, zahlen auch 60-jährige Frauen weniger als ihre gleichaltrigen Männer, wenn auch der Prämienunterschied nur 2 Prozent ausmacht. Zudem scheint die Vaudoise mit den Wallisern schlechtere Erfahrungen gemacht zu haben als mit den Bernern, was sich in einer leicht höheren Prämie für Walliser niederschlägt. Aber auch bei der Vaudoise geniessen die Tessiner nicht den besten Ruf: Sie zahlen 6 Prozent mehr Prämie als Berner. Und wie bei der Baloise sind auch bei der Vaudoise die Stadtbasler die teuersten Kunden. Sie zahlen 7 Prozent mehr als Berner.

 

 

Die Walliser fahren besser Auto als die bern

 

Diese Jahresprämien verlangt die Basler für einen Citroën C4.  
1.6i, Inverkehrsetzung 2008, Einstellhalle, bis 10000 Kilometer pro Jahr.
Kanton 20-jährig 20-jährig 60-jährig 60-jährig
  Mann Frau Mann Frau
Basel-Stadt 1616.50 1455.20 487.90 487.90
Basel-Land 1492.00 1343.20 450.55 450.55
Tessin 1462.80 1316.95 441.80 441.80
Aargau 1429.80 1287.25 431.85 431.85
Genf 1409.90 1269.35 425.95 425.95
Jura 1343.85 1209.85 406.05 406.05
Solothurn 1343.85 1209.85 406.05 406.05
Bern 1327.90 1195.50 401.30 401.30
Waadt 1297.40 1168.10 392.20 392.20
Freiburg 1276.25 1149.05 385.85 385.85
Neuenburg 1186.30 1068.05 358.75 358.75
Wallis 1174.35 1057.25 355.20 355.20

 

 

Online gehts am schnellsten

All das gilt, wie gesagt, für einen Citroën C3 1.6, der im Jahr 2006 in Verkehr gesetzt wurde. Bei einem anderen Wagentyp wird man unter Umständen zu anderen Resultaten kommen, insbesondere für Autos, die unter den Rasern in Mode sind. Man wird demnach nicht sagen können, Versicherer X sei beim Wagentyp A günstiger als Versicherer Y. Man man kann auch nicht sagen, Tessiner zahlten bei allen Versicherern die höchsten Prämien. Jeder muss für sich den Prämienvergleich selber anstellen. Online gehts am einfachsten.

Erschienen in der BZ am 19.März 2013

 

Claude Chatelain