Vierte Säule: Nutzlose, sogar peinliche Studie von Allianz Suisse

Logisch, dass Versicherungskonzerne eine aufwendige Marktforschung betreiben, um zu erfahren, wo bei Unternehmern der Schuh drückt. Es ist ebenso verständlich, dass die Kommunikationsabteilungen die Studienergebnisse veröffentlichen, um Kompetenz zu markieren und die Versicherung ins beste Licht zu rücken.

Doch manchmal sind solche Studienergebnisse eher peinlich, und die PR-Abteilung wäre besser beraten, die Studie nur für interne Zwecke zu (miss-)brauchen. So mailte mir Allianz Suisse jüngst das Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 500 Allianz-Experten weltweit. Danach ist der Betriebsunterbruch jenes Risiko, welches die Unternehmer am meisten fürchten – und zwar weltweit wie auch die Schweiz.

 

Vor was fürchten sich Unternehmen in der Schweiz sonst noch? 28,6 Prozent vor Naturkatastrophen; 28,6 Prozent vor dem Zusammenbruch der Eurozone und wiederum exakt 28,6 Prozent vor Reputationsrisiken. Was für ein Zufall, dass alle befragten Unternehmen bis auf die Stelle hinter dem Komma die gleichen Sorgen teilen. 19 Prozent nannten als weitere Risiken, vor welchen sie sich besonders fürchten, Feuer und Explosionen. Ebenfalls 19 Prozent fürchten sich vor Qualitätsmängeln und Serienfehlern, und nochmals 19 Prozent machen sich Sorgen wegen des verschärften Wettbewerbs. Angesprochen auf diese Umfrageergebnisse, die jeder wissenschaftlichen Statistik spotten, erklärt der Sprecher von Allianz Suisse, es sei doch interessant, dass in der Schweiz 28,6 Prozent die Furcht vor einem Zusammenbruch der Eurozone äusserten, während weltweit 12 Prozent einen Eurokollaps als Risiko orteten. Ist das wirklich so interessant, dass die Schweiz vor einem Eurokollaps stärker betroffen ist als Brasilien, Thailand oder Südafrika? Muss man dazu 500 Experten fragen?  Doch eines hat Allianz Suisse dennoch erreicht: Ihr Name erschien in der Zeitung.

 

Erschienen in der BZ am 12. März 2013

Claude Chatelain