"Valiant steht nicht zum Verkauf"

Jürg Bucher:  «Valiant ist gesund und kann eigenständig in die Zukunft gehen», sagte gestern  der neue Verwaltungsratspräsident.
Jürg Bucher: «Valiant ist gesund und kann eigenständig in die Zukunft gehen», sagte gestern der neue Verwaltungsratspräsident.

Die Valiant-Holding  erhält zwei neue  Verwaltungsräte und will das Kapital aufstocken. Zudem will sie zu ihren Wurzeln zurückkehren und sich aufs Retail-Banking konzentrieren.

Erst seit zwei Monaten ist Jürg Bucher Verwaltungsratspräsident der  Valiant-Holding. In dieser Zeit hat er sich offensichtlich ziemlich ins Zeug gelegt, um das angeschlagene Image der Regionalbankengruppe zu korrigieren. Gestern konnte er an der Bilanzmedienkonferenz in Luzern bereits wichtige Neuigkeiten bekannt geben, nämlich die Nomination von zwei Persönlichkeiten für den Verwaltungsrat: Ivo Furrer, CEO Schweiz von Swiss Life, sowie Christoph Bühler, Wirtschaftsanwalt und Privatdozent für internationales Handels- und Wirtschaftsrecht an den Universitäten Zürich und Basel.


Für Bucher und für das Vertrauen in die Bank sind neue Leute im VR von grosser Bedeutung, weil die heutigen Verwaltungsräte  von Kurt Streits Gnaden gewählt wurden, dem langjährigen starken Mann der Valiant-Gruppe. Streit ist   Ende 2012 vorzeitig durch den ehemaligen Postchef Jürg Bucher abgelöst worden.


«Wir bleiben eine unabhängige Bank und stehen nicht zum Verkauf», sagte Bucher gestern gleich mehrmals. Auch mit dieser Beteuerung wollte der neue starke Mann gestern das Vertrauen in die Bank zurückgewinnen. Denn im vergangenen Jahr ist der Eindruck  entstanden, die Valiant-Gruppe sei alleine nicht überlebensfähig, nachdem sie mit der Berner Kantonalbank Fusionsgespräche führte und beide Banken diese  Gespräche höchst unglücklich kommunizierten.


Dickeres Kapitalpolster


Zumindest was die Kapitalsituation betrifft, ist die Regionalbankengruppe in der Tat nicht auf Rosen gebettet. Auch darauf hatte Bucher eine Antwort: So soll unter der Federführung der Credit Suisse eine nachrangige Anleihe im Umfang von 150 Millionen Franken platziert werden. Mit dieser  nicht ganz kostengünstigen Kapitalbeschaffung kann der Eigenmitteldeckungsgrad von 160 auf 173,5 Prozent gesteigert werden. Das ist zwar immer noch nicht komfortabel, aber doch deutlich mehr als die 150 Prozent, wie sie von der Finanzmarktaufsicht gefordert werden.

 

Zurück zu den Wurzeln


«Fokussierung auf das Kerngeschäft», ist eine weitere strategische Stossrichtung: «Valiant kehrt zurück zu ihren Wurzeln und positioniert sich als eine unabhängige, ausschliesslich in der Schweiz tätige, überregionale Retail-Bank mit Kompetenzen im Private Banking», meinte Bucher. Aus diesem Grund trennt sich die Valiant mit einem Management-Buyout von der Investas Vermögensverwaltung. Martin Gafner, der frühere Investas-Mitinhaber, der die Vermögensverwaltungsfirma  der Valiant verkauft hatte, gehört freilich nicht zu den Käufern. Er bleibt laut Bucher stellvertretender CEO der Valiant.

 

 

Warum in Luzern?

Jahrelang hielt die Berner Regionalbank Valiant  ihre Bilanzmedienkonferenz in Zürich ab. Sie tat dies in der Hoffnung, dass dann auch die  Zürcher Finanzjournalisten ihre Aufwartung machen. Das zeugte von einem mangelnden Selbstbewusstsein. 

 
Der neue Verwaltungsratspräsident Jürg Bucher leidet offensichtlich nicht unter diesem Provinzkomplex. Er lud die Medienschar  nicht nach Zürich, sondern ins KKL nach Luzern ein. Und die Medienleute erschienen schon fast in Scharen. Auch die Zürcher waren sich nicht zu schade, um an die Reuss zu fahren. Aber warum in Luzern und nicht in Bern? Bucher gab die Antwort schon im ersten Satz: «Willkommen in Luzern, am rechtlichen Sitz der Valiant-Holding».

 

Erschienen in der BZ am 7. März 2013


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Kommentare: 2
  • #1

    Peter P. Odermatt (Mittwoch, 10 April 2013 19:44)

    Valiant, eine kleine Regionalbankengruppe, wird kaum eine grosse Zukunft haben. Wenn man schon jetzt einen Verkauf abstreitet, dürften Verhandlungen laufen. Besser jetzt, als wenn es zu spät ist.

  • #2

    Ralph Schehle (Mittwoch, 10 April 2013 19:47)

    Dieser"verhältnismässig"nur leicht schlechtere Gewinn kam zustande,weil einmalige Kostenreduktionsmassnahmen und Effizienzsteigerungen griffen.Darum das "gute"Timing der nachrangigen Anleihe von 150 Mio.Franken.2013 dürfte nach Wegfall der einmaligen Sondereinflüsse dann schwieriger werden und das effektive Spiegelbild des jetzigen Managements besser reflektieren.Euphorie ist sicher fehl am Platz.

Claude Chatelain