Mit Bern-Belp als Basis ist das Airline-Geschäft schwierig

Nachdem sich Investor Daniel Borer zurückgezogen hat, fragt sich, ob die Airline langfristig abheben kann.
Nachdem sich Investor Daniel Borer zurückgezogen hat, fragt sich, ob die Airline langfristig abheben kann.

Weil Skywork Airlines ihren Mäzen verloren hat, stellt sich die Frage, ob eine Fluggesellschaft mit Heimatflughafen Belp kommerziell überleben kann. Bisher hat noch keine Fluggesellschaft den Tatbeweis erbracht.

Um die 40 Millionen Franken soll Daniel Borer in Skywork investiert haben. Vielleicht hat der schwerreiche Spross aus der Rolex-Familie das Geld nicht investiert, sondern verlocht. Anfang Februar wurde bekannt, dass sich Borer aus dem Geschäft zurückzieht. Damit signalisiert der Hausarzt aus dem Seeland, dass er nicht so sehr an die Zukunft einer Fluggesellschaft glaubt, die vom Flughafen Belp-Bern aus operiert. Ihm gehört zwar noch die Centaurium Aviation AG, welche die fünf Dornier-328-Flugzeuge von Skywork Airlines besitzt. Diese vermietet er Skywork Airlines, deren Anteile er mehrheitlich Tomislav Lang und Sébastien Mérillat verkauft haben soll. Tomislav Lang ist CEO; Mérillat ist Verwaltungsratspräsident von Skywork.

Daniel Borer zieht sich von Skywork zurück.
Daniel Borer zieht sich von Skywork zurück.

Skywork: 180 Mitarbeiter

 

Mit dem Rückzug des Multimillionärs stellt sich die Frage nach der Zukunft von Skywork. Zu wünschen ist, dass die regionale Fluggesellschaft gedeiht. Das hoffen nicht nur die 180 Mitarbeiter, welche zum grössten Teil aus Deutschland stammen. Das hoffen auch all jene, die von Belp ans Mittelmeer oder in eine europäische Grossstadt geflogen sind und den kurzen Anfahrtsweg, das unkomplizierte Einchecken sowie das zügige Boarding schätzen lernten. Fraglich ist, ob Lang und Mérillat das Zeug haben, gewinnbringend eine Airline zu betreiben. Noch fliegt Skywork in den roten Zahlen. Laut Businessplan soll sie bis Ende dieses Jahres schwarze Zahlen schreiben.

 

Air Engiadina verzettelte sich

 

Bisher hat noch keine Fluggesellschaft den Tatbeweis erbracht, dass man mit einer Linienfluggesellschaft mit Heimatflughafen Bern-Belp über mehrere Jahre Gewinne erzielen kann. Für Daniel Steffen, Marketingchef der Flughafenbetreiberin Alpar, will das nichts heissen. Früher hätten die Airlines mit schwierigeren Rahmenbedingungen zu kämpfen gehabt als heute (siehe Box). Bevor Daniel Borer 2009 das Flugtaxiunternehmen Skywork kaufte und zu einer Linienfluggesellschaft aufbaute, gab es nur zwei Fluggesellschaften mit Heimatflughafen Bern: Air Engiadina (AE) von 1994 bis 2002 und Intersky von 2002 bis 2005. «Air Engiadina hatte sich in den Märkten und Destinationen zu stark verzettelt», meint Steffen, der bei AE Marketingchef war. Sie hatte laut Steffen zu hohe Fixkosten, weil sie das Geschäft nicht auf Belp konzentrierte, sondern auch ab Genf und Zürich Flüge anbot, wo sie jeweils eine kostenintensive und eigenständige Basis einrichten musste.

 

Chronisch unterkapitalisiert

 

Der langjährige Airline-Fachmann Markus Seiler sieht das Hauptproblem an einem anderen Ort: «Air Engiadina war vom ersten Tag an unterkapitalisiert.» Seiler gründete 1988 die Charterfluggesellschaft TEA, welche er 1999 an Easyjet Switzerland verkaufte. Kurze Zeit später wurde er von Berner Investoren nach Belp geholt, um die serbelnde Air Engiadina zu retten, die 2001 auf Swisswings umgetauft wurde. «Swisswings war nicht mehr zu retten», konstatiert Seiler, der heute mit seiner SCAG Aviation Consulting Fluggesellschaften berät. Seine Vorgänger hatten zu wenig Rückstellungen gemacht, und als für die Dornier 328 die Grundüberholung, der sogenannte D-Check, fällig war, konnte die Durststrecke nicht überbrückt werden. Ein solcher Service, mit welchem das Flugzeug total zerlegt wird, kostet 1,5 Millionen Franken. Dabei ist die Maschine einen ganzen Monat ausser Betrieb.

Kein Erfolg: Intersky-Chefin  Renate Moser zog von Belp weg.
Kein Erfolg: Intersky-Chefin Renate Moser zog von Belp weg.

Intersky: Kein Geld verdient
 

Auch Intersky hielt in Belp nur ein kurzes Gastspiel. 2002 startete vom Belpmoos die 50-plätzige Dash 8 von Intersky in Richtung Berlin. Die Fluggesellschaft gehörte Renate Moser, die als erste weibliche Airline-Chefin Luftfahrtgeschichte schrieb. Gut zwei Jahre später zog sich die gebürtige Österreicherin aus Belp zurück. In einem Interview mit der Berner Zeitung erklärte sie Anfang 2005, «wir hatten zu lange Strecken». Das zweimotorige Propellerflugzeug ist zu langsam für weite Strecken nach Berlin oder Wien. Das heisst, man kann mit zu langen Strecken pro Tag nur drei statt vier Hin- und Rückflüge durchführen. «Wir haben trotz guter Auslastung und einem halbwegs vernünftigen Durchschnittsertrag pro Sitz auf diesen Strecken kein Geld verdient», sagte Renate Moser damals.

 

Moser ist optimistisch

 

«Wir waren kurz vor dem Durchbruch», sagt die Airline-Chefin heute. Intersky wollte eine dritte Maschine besorgen, fand jedoch keine Investoren dafür. Moser verweist auf die sehr hohen Personalkosten in der Schweiz und sagt, dass sie die heutige Gebührenordnung des Flugplatzes Belp-Belpmoos nicht kenne. Dennoch ist Renate Moser überzeugt, dass man ab Belp eine erfolgreiche Fluggesellschaft betreiben könne, so wie sie das zusammen mit ihrem Mann Rolf Seewald heute in Friedrichshafen mit der Bodensee-Airline tut. Diese Überzeugung teilt auch Daniel Steffen. Das Einzugsgebiet vom Belper Flugplatz umfasst 2 Millionen Menschen. 2012 wurden 271 000 Personen befördert, so viele wie nie zuvor. Im zweitbesten Jahr, 2000, waren es 240 000 gewesen. «Man kann Geld verdienen, aber der Grat ist schmal», meint der Alpar-Marketingchef. Wichtig sei, die Fix- und Personalkosten im Griff zu haben.

 

Seiler ist skeptisch

 

Markus Seiler ist weniger optimistisch. «Mit den heutigen Tarifen kann die Rechnung nicht aufgehen», sagt der Airline-Fachmann. Das gelte vor allem für kleinere Flugzeuge wie die Dornier 328 mit 31 Plätzen. Und wenn zum Beispiel für München retour ein kostendeckender Preis von 1200 Franken verlangt werde, bringe man die Maschine nicht voll. «Das Publikum hat sich daran gewöhnt, dass das Fliegen fast gratis ist.»

 

Liberalisierung


«Früher war es noch schwieriger, im Fluggeschäft Geld zu verdienen. 1994  hatten wir ganz andere Rahmenbedingungen als 2012», erklärt Daniel Steffen, der seit zwanzig Jahren auf dem Belpmoos in verschiedenen Funktionen für verschiedene Gesellschaften tätig ist. Der Marketingchef der Flughafenbetreiberin Alpar  denkt etwa an das Open-Sky-Abkommen und an die Tariffreiheit. Früher musste jede Flugstrecke vom Luftamt nach einer  Vernehmlassung an die Konkurrenz und die SBB  abgesegnet werden. Zwischen den Staaten gab es bilaterale Abkommen, in denen die Flugrechte ausgehandelt wurden. Zudem waren die Fluggesellschaften auch in der Preisgestaltung nicht frei. Sie hatten die Tarife der internationalen Flugbehörde Iata anzuwenden. Heute ist der Flugverkehr vollständig liberalisiert.

 

 


Die Liste der Gescheiterten ist land

Am Flughafen Bern-Belp gibt es ein Kommen und Gehen: Immer wieder versuchten Linienfluggesellschaften ihr Glück. Und immer wieder scheiterten sie.

Auch Crossair-Gründer Moritz Suter machte in Bern seine Erfahrungen.
Auch Crossair-Gründer Moritz Suter machte in Bern seine Erfahrungen.

Gerne erinnert man sich zurück an die Neunzigerjahre, als Crossair-Gründer Moritz Suter das Anschlusskonzept «Eurocross» lancierte. Er flog mit Crossair-Maschinen von Bern und anderen kleineren Flughäfen nach Basel und machte den Euro-Airport zu einem Drehkreuz.

Nostalgiker mögen sich auch noch an Danair erinnern: 1992 hatte die britische Fluggesellschaft nach zehn Jahren ihren Betrieb von Belp nach London-Gatwick eingestellt, nachdem sie von British Airways geschluckt worden war.

Von Air Engiadina auf Swisswings umgetauft.
Von Air Engiadina auf Swisswings umgetauft.

1994 zog Air Engiadina von Zürich nach Bern. Und dann übertrafen sich euphorische Meldungen: «Die Air Engiadina lässt sich kaum bremsen», schrieb die Zeitung «Der Bund» am 23. Juni 1995. Der damalige Marketing- und Verkaufschef Daniel Steffen erklärte: «Wir sind vom Erfolg auch überrascht.» Heute ist Steffen Marketingleiter der Flughafenbetreiberin Alpar. Doch die Verantwortlichen vermochten die steigenden Passagierzahlen nicht in Gewinne umzumünzen. Air Engiadina flog in der Verlustzone, bis sie durch Berner Unternehmer gerettet werden musste und auf Swisswings umgetauft wurde. Walter Inäbnit vom Könizer Medizinaltechnikunternehmen Haag Streit und Gerhard Jansen vom Thuner Maschinenbauer Schleuniger gehörten zu den Investoren. Verwaltungsratspräsident wurde der Berner Wirtschaftsanwalt und FDP-Grossrat Guy Emmenegger. Sie alle vermochten jedoch das Unternehmen nicht wirklich flügge zu machen, obschon sie die Geschäftsleitung dem Airline-Profi und TEA-Gründer Markus Seiler übertragen hatten.

 

Swisswings war noch nicht am Boden, als im März 2002 eine Dash 8 der Fluggesellschaft Intersky ab Belp in Richtung Berlin abhob. «Nicht schnell und gefährlich steil, sondern Schritt für Schritt wachsen» wolle sie, sagte Eigentümerin Renate Moser im November 2001 dieser Zeitung. Vier Jahre später zog sich die Österreicherin aus wirtschaftlichen Gründen von Bern-Belp zurück. «In Bern habe ich mit Intersky nie Geld verdient», sagte sie Anfang 2005 in einem Interview.

Cirrus hielt es in Belp nicht lange aus.
Cirrus hielt es in Belp nicht lange aus.

Auf die österreichische Intersky folgte die deutsche Cirrus Airlines. Sie übernahm von Intersky die Flugstrecken nach Berlin und Wien. Zwei Monate später zog sich der Carrier wegen ungenügender Passagierzahlen zurück. Somit war die Reihe an der Darwin Airline. Die Tessiner Gesellschaft mit Sitz in Lugano bediente zwei Jahre lang die Strecke Lugano–Bern–London-City, ehe sie den Linienbetrieb Mitte 2007 aus strategischen Gründen einstellte.

 

Erschienen in der BZ am 28. Februar 2013

Claude Chatelain