Vierte Säule: Die Verfügung der Steuerverwaltung ist irreführend

Die «Vierte Säule» von letzter Woche hat für einige Aufregung gesorgt. Ich beschrieb,  wie die Veranlagung meiner Steuern dreimal in Folge Flüchtigkeitsfehler aufwies.

Beim ersten Mal wurden mir die Liegenschaftskosten addiert statt substrahiert. Beim zweiten Mal wurden mir der Eigenmietwert belastet, obschon ich nicht in meinem Haus wohne und die Mieteinnahmen ordentlich deklarierte. Genau  diesen Bock hat der Veranlagungsbeamte (oder war es der Computer?) ein zweites Mal geschossen. Jedes Mal musste ich mit eingeschriebenem Brief Einsprache erheben. Jedes Mal wurde der Einsprache ohne Kommentar und Entschuldigung Folge geleistet.

 

Stellvertretend für andere zitiere ich einen Bekannten aus Unterseen: «Ich war der Meinung, wenn man die Steuererklärung online ausfüllt, so würden keine solche Fehler passieren». Ich war auch dieser Meinung. Und die Steuerverwaltung verpasst auch keine Gelegenheit, um die elektronische Erfassung der Steuerdaten  mit dem Verweis auf die geringeren Fehlerquellen zu propagieren.

 

Ich hätte Pech gehabt, meinte ein anderer Kollege, als er die Kolumne las. Ich würde eher meinen, ich hätte Glück gehabt, dass ich die Fehler überhaupt entdeckte. Aufgrund der erhaltenen Zuschriften muss ich davon ausgehen, dass ich kein Einzelfall bin.

 

Wohlverstanden: Der Beamte oder der Computer oder wer auch immer hat mir in der Kolonne «Ihre Angabe»  den Eigenmietwert reingepflanzt. In jener Spalte also, welche gutgläubige Steuerzahler kaum überprüfen. Das grenzt an eine gezielte Irreführung, wenn man unter «Ihre Angabe» etwas eintippt, das man gar nicht angegeben hat.

 

Irreführend ist ebenfalls, dass der Computer bei gewissen Posten in der Kolonne «Ihre Angabe» den eingesetzten Betrag durch eine Null ersetzt und den Abzug  in der Kolonne «Änderungen» anbringt. Das sieht so aus, als sei der Abzug in der Selbstdeklaration vergessen gegangen. Ein kleiner Trost: Die Steuerverwaltung hat das Problem erkannt und gelobte Besserung.  Das war zwar vor einem Jahr. Immerhin.

 

Erschienen in der BZ am 26. Februar 2013

Claude Chatelain