Vierte Säule: Ärger mit der Steuerverwaltung

Ein grosser Teil der Bürgerinnen und Bürger kontrolliert die Veranlagungsverfügung der Steuerverwaltung nicht. Das weiss ich aus Gesprächen im Bekanntenkreis.

Diesen Gutgläubigen muss ich sagen, dass ich  dreimal in Folge einen Flüchtigkeitsfehler der Beamten entdeckte und somit dreimal nacheinander mit eingeschriebenem Brief Einsprache erheben musste. Die Steuerverwaltung hat alle drei Einsprachen gutgeheissen – freilich ohne sich für meinen Aufwand und die Kosten zu entschuldigen.


Beim ersten Mal hat mir der Beamte die Liegenschaftskosten addiert statt substrahiert. Beim zweiten Mal wurden mir Eigenmietwert sowie Mieteinnahmen zum Einkommen hinzugezählt, obschon ich nicht mehr in meinem Haus wohne. Wie kommen die Veranlagungsbeamten dazu, mir den Eigenmietwert zu belasten, wenn ich  gar nicht im Haus wohne und den Mietertrag ordentlich als Einkommen deklarierte? 

 

Beim dritten Mal erlaubte  sich die Steuerverwaltung den genau gleichen Fehler wie im Jahr zuvor: Erneut hat man mir sowohl den Eigenmietwert wie auch den Mietertrag angerechnet. Ein Zufall, dass ich den Fehler in der unübersichtlichen Darstellung der Verfügung überhaupt entdeckte.


Wo Leute arbeiten, passieren Fehler. Damit kann ich leben. Ich habe aber keine Lust, für Fehler der Behörde die Zeche bezahlen zu müssen. In meinem Fall hielt sich der Aufwand noch in Grenzen. Aber was ist mit jenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, welche die Steuererklärung durch einen Profi ausfüllen lassen?  In diesen Fällen erhebt der Treuhänder Einsprache. Und selbstverständlich macht er dies nicht gratis. Zahlen muss der Kunde.

 

  • Kritik Nummer eins: Die Verfügung ist unübersichtlich und unlogisch aufgebaut. Man muss sie  kontrollieren wie ein Häftlimacher.
  • Kritik Nummer zwei: Der Steuerzahler muss die Kosten selber tragen, wenn die Beamten Fehler machen.
  • Kritik Nummer drei: Die Behörde erachtet es nicht mal als nötig, sich für ihre Fehler zu entschuldigen. 

 

Erschienen in der BZ am 19. Februar 2009 

Claude Chatelain