Vierte Säule: Zum Knatsch zwischen der Börse und der Swatch-Group

Nick Hayek: Ein Prost auf den SMI.
Nick Hayek: Ein Prost auf den SMI.

Hayek legt sich mit der Börse an, hiess es letzte Woche auf dem Boulevard. Ich würde eher sagen: Die Börse legt sich mit Hayek an.

Die «Finanz und Wirtschaft» vermeldete am Mittwoch, dass die Swatch Group womöglich aus dem Swiss-Market-Index fliegt. Der SMI spiegelt die Kursentwicklung der 20 kapitalkräftigsten Schweizer Unternehmen wie Nestlé, UBS, Holcim oder eben Swatch Group. Die Zugehörigkeit zu einem Börsenindex hat für eine Aktie weitreichende Konsequenzen. Denn die Investoren setzen mehr und mehr auf Aktien, die in einem Börsenindex enthalten sind. Kauft man den Index in Form eines Index-Fonds, kauft man automatisch auch die entsprechenden Aktien.

 

Es fliegen immer wieder Schweizer Aktien aus dem SMI, wie vor kurzem Swiss Life. Dies geschieht aufgrund der mangelnden Marktkapitalisierung, welche sich aus dem Börsenkurs multipliziert mit den gehandelten Aktien ergibt.

 

Doch die Swatch Group droht aus einem anderen Grund aus dem Index zu fliegen: Sie will ihre Buchhaltung nicht mehr aufgrund von aufwendigen, international anerkannten Bilanzierungsrichtlinien gestalten. Stattdessen wendet sie einen Schweizer Standard an. Die Börse hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass ein SMI-Unternehmen, welches vorab ausländische Investoren anlockt, nach international anerkannten Richtlinien bilanzieren müsse. Das ist aber eine sehr aufwendige und kostspielige Übung, die sich Konzernchef Nick Hayek nicht mehr zumuten will.

 

Die Absenz der Swatch Group im SMI wäre für die Börse aus Imagegründen der grössere Verlust als für die Swatch Group. Der SMI ist pharma-, nahrungsmittel- und finanzlastig. Und er enthält mit Transocean erst noch einen zwiespältigen Weltkonzern, der mit der Schweiz ausser dem Holdingsitz nichts zu tun hat. Was passt wohl eher zur Schweiz: ein auf Tiefseebohrungen spezialisiertes Mineralölunternehmen oder der weltweit grösste Uhrenkonzern mit Sitz in Biel?

 

Erschienen in der BZ am 12. Februar 2013

Claude Chatelain