Swisscom kümmert sich immer stärker um Banken

Die Regionalbankengruppe RBA verkauft einen Teil ihrer IT an die Swisscom. Für die einzelnen Banken bedeutet dies eine geringere Abhängigkeit von der Valiant.

Philipp Perego ist neu Swisscom-Mitarbeiter.
Philipp Perego ist neu Swisscom-Mitarbeiter.

Die RBA-Gruppe ist eine Gemeinschaftsorganisation von 37 Regionalbanken. Für ihre Mitglieder erbringt sie Dienstleistungen, die eine einzelne Regionalbank nicht alleine oder nur zu unverhältnismässig hohen Kosten zu erbringen vermag. Eine dieser Dienstleistungen im Bereich der Informationstechnologie verkauft sie nun der Swisscom. Es handelt sich  um die Business-Plattform für die Abwicklung diverser Bankgeschäfte wie Online-Banking, Zahlungsverkehr, Kreditgeschäft und Wertschriftenhandel. Die Business-Plattform ist heute Teil der RBA-Tochter Entris Banking.


Für Swisscom ist das vermutlich  ein guter Deal, da sie bereits heute für andere Banken solche Dienstleistungen verrichtet. Auch für die Entris-Banken erbringt der Telekomriese schon heute Dienstleistungen. Wenn nun die rund 250 betroffenen samit  deren Chef Philipp Perego zu Swisscom IT Services wechseln, werden Schnittstellen wegfallen und die Abläufe vereinfacht.

 

Geringerer Einfluss der Valiant


Etliche Regionalbanken dürften noch aus einem anderen Grund über diese Entwicklung nicht unglücklich sein. Mit Abstand grösster Aktionär der RBA-Holding ist die Valiant-Gruppe.  Den kleineren Instituten  ist somit eine gewisse Abhängigkeit von der Valiant  nicht abzusprechen. Etlichen Geldhäusern ist nicht wohl dabei.

 

Diese Abhängigkeit war übrigens auch mit ein Grund, weshalb sich  2005 ein gutes Dutzend  Banken von der RBA-Gruppe lossagten und den Bankenverbund «Esprit» gründeten, darunter auch die AEK Bank in Thun. Mit dem Verkauf des grössten Geschäftsbereichs von Entris-Banking  an Swisscom verliert die RBA-Holding und damit auch die Valiant-Bank an Einfluss.

 

Zu welchem Preis diese Handänderung über die Bühne geht, ist nicht bekannt. Die Mitgliedbanken und nicht zuletzt die Valiant-Holding werden im Hinblick auf die verschärften Eigenmittelvorschriften über einen finanziellen Zustupf zur Stärkung des Eigenkapitals  nicht unglücklich sein. Am Standort Gümligen von Entris Banking ändert sich nach offizieller Lesart nichts.

 

Erschienen in der BZ am 9. Februar 2013
   
  

Claude Chatelain