Ermotti präsentiert Riesenverlust

Strenger Blick von Sergio Ermotti. Bei der Verteilung der Boni ist der UBS-Chef weniger streng.
Strenger Blick von Sergio Ermotti. Bei der Verteilung der Boni ist der UBS-Chef weniger streng.

Die UBS registriert den vierten Jahresverlust seit Ausbruch der Finanzkrise. Und doch ist das Ergebnis insgesamt als ermutigend zu werten.

2,5 Milliarden Jahresverlust. Normalerweise ist das eine Hiobsbotschaft. Im Fall der UBS ist diese Zahl zu relativieren. Erstens war ein Verlust in dieser Grössenordnung erwartet worden. Die UBS hat schon früher bekannt gegeben, Abschreibungen für immaterielle Werte vorzunehmen und Rückstellungen für den Libor-Skandal und für andere Bussen zu bilden.

 

Höhere Kapitalquote

 

Zweitens ist der Jahresverlust auf diverse Sonderfaktoren zurückzuführen, die zum Teil ihr Gutes haben: Risiken wurden abgebaut, Kosten gesenkt und Altlasten bereinigt. Positiv ist zum Beispiel, dass die Grossbank ihre risikogewichteten Aktiven um 122 Milliarden Franken reduzieren konnte; davon allein 81 Milliarden im Investmentbanking. Mit dieser Massnahme wird die systemrelevante Grossbank weniger krisenanfällig. Entsprechend vermochte sie die Eigenkapitalquote zu verbessern, wie CEO Sergio Ermotti erklärte. Die Kernkapitalquote, die gemäss den verstärkten regulatorischen Vorschriften im Jahr 2019 mindestens 10 Prozent betragen muss, beziffert sich bereits heute auf 9,8 Prozent. «Die UBS ist gut positioniert, um ihr Kapitalziel für 2013 von 11,5 Prozent zu erreichen», hiess es gestern an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.

 

Neue Gelder von 47 Milliarden

 

Positiv ist ebenfalls, dass der UBS netto neue Gelder von 47 Milliarden Franken zuflossen. Auch in der Schweiz sind die Zuflüsse um 4,2 Milliarden höher als die Abflüsse. Generell ist freilich einzuräumen, dass sich allein in den Jahren 2008 und 2009 die Abflüsse bei der UBS auf 370 Milliarden Franken summierten.

 

Ebenfalls gestern gab die UBS ihr neues Vergütungsmodell bekannt: So sollen für 2012 trotz Milliardenverlust Boni von 2,5 Milliarden Franken ausbezahlt werden. «Dies entspricht dem tiefsten Stand seit Beginn der Finanzkrise und einer Abnahme um 42 Prozent gegenüber 2010», erklärt die UBS. Der Fokus werde neu auf die mittel- und längerfristige Performance gelegt. Das biete den Mitarbeitenden die Möglichkeit, «am längerfristigen Erfolg des Unternehmens zu partizipieren».

 

Gemäss dem neuen Vergütungsmodell soll bei Boni der Baranteil für Topmanager auf 1 Million Franken limitiert werden. Bislang lag diese Limite bei 2 Millionen. Bei Konzernleitungsmitgliedern beträgt der Baranteil maximal 20 Prozent der Boni. 40 Prozent werden in Form von Aktien gutgeschrieben, und zwar gedrittelt nach drei, vier und fünf Jahren.

 

Wie hoch der Bonus für die Topmanager für 2012 ausfallen wird, will die Grossbank UBS erst am 14. März enthüllen; knapp zwei Wochen nach der Volksabstimmung über die Abzockerinitiative.

Kickbacks

Wie hält es die UBS mit den Kickbacks, also jenen Vergütungen, die sie von Fondsgesellschaften erhält und die eigentlich dem Kunden gehören? «Wenn die Retrozessionen wegfallen, müssen wir unseren Service neu berechnen. Unsere Dienstleistungen sollen

entsprechend kompensiert werden», erklärt CEO Sergio Ermotti. Übers Wochenende bestätigte die UBS, in Zukunft bei den Vermögensverwaltungsmandaten auf Kickbacks zu verzichten.

 

Erschienen in der BZ am 6. Februar 2013


Claude Chatelain