Eine Versicherung ohne Wert

Die Reise via Kreditkarte versichert? hoffentlich nicht.
Die Reise via Kreditkarte versichert? hoffentlich nicht.

Was sind die Reiseversicherungen wert, die Kreditkartenfirmen gratis und franko jenen Kunden anbieten, die ihre Ferien mit der Karte bezahlen? Nicht viel. Und wirklich gratis sind sie auch nicht.

Absicht der Kreditkartenfirmen ist offensichtlich: Sie packen «kostenlose» Versicherungen mit in ihr Angebot, damit mehr Reisen mit Plastikgeld bezahlt werden. Und werben dafür vollmundig: «Das ersetzt eine Reiseversicherung.»

 

Schön wärs. Der Versicherungsschutz der Kreditkartenversicherungen ist begrenzt. Er gilt nur bei Unfällen. Das ist ein Manko: Von den 1007 Personen, welche die Schweizerische Rettungsflugwacht 2008 in die Schweiz rückführen musste, waren nur 366 verunfallt. Der grosse Rest war akut erkrankt. Da hätte keine der Kreditkartenversicherungen gezahlt. Und selbst bei Unfällen springen sie nur ein, wenn die Reise mit Plastikgeld beglichen wurde. Sogar das Transportmittel, mit dem man verunfallt, muss mit der Kreditkarte bezahlt worden sein. Wer also auf der Treppe zur U-Bahn ausrutscht, hat doppeltes Pech gehabt.

 

Nicht kostenlos

 

Es ist auch ein Irrtum, zu glauben, dass der Versicherungsschutz gratis wäre, wie das etwa behauptet wird. Die Versicherung wird über die Jahresgebühr bezahlt. Die Kosten dafür bewegen sich allerdings im Rappenbereich. Denn angesichts der zahlreichen Einschränkungen sind die Risiken für die Versicherungskonzerne äusserst gering. Kommt hinzu, dass viele Konsumenten gar nichts von der Versicherung wissen und sie deshalb selbst dann nicht in Anspruch nehmen, wenn sie auf Leistung Anspruch hätten. Vor allem aber schliessen die meisten Touristen richtigerweise eine umfassende Reiseversicherung ab. Auch deshalb werden Kreditkartenversicherungen nur sehr selten zur Kasse gebeten.

 

Keinen Versicherungsschutz gibt es bei den Kreditkarten von SBB, Migros und Coop. Dafür zahlt man für sie auch keine Jahresgebühr. Nur wegen des Versicherungsschutzes eine Kreditkarte zu nehmen, die 50 Franken pro Jahr kostet, lohnt sich definitiv nicht.

 

 

INFOTHEK: Das ist versichert

Die via Kreditkarte versicherten Leistungen lassen sich in folgende Arten unterteilen.

 

Kapitalversicherung bei Reiseunfällen: Verunfallt ein Versicherter tödlich, erhalten die Angehörigen einen vereinbarten Betrag. Bei einem Flugzeugabsturz etwa wird den Hinterbliebenen die versicherte Todesfallsumme ausbezahlt – unabhängig davon, ob noch andere Versicherungen zahlungspflichtig sind. Deren Höhe variiert von Karte zu Karte: Bei der Blue von American Express beträgt sie 50000 Franken, bei der Mastercard Platinum der Credit Suisse (CS) dagegen eine Million Franken.

 

Versicherung für Rückführungen: Eine Rückführung durch die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega ist teuer: Bis zu

200000 Franken kann der Rücktransport in die Heimat kosten. Kreditkartenfirmen versichern in

den meisten Fällen aber nur Kosten bis zu 60000 Franken – was für Reisen in den Mittelmeerraum jedoch reicht. Der Versicherungsschutz kommt aber nur nach Unfällen zum Tragen. Bei Rückführungen in Krankheitsfällen gibts dagegen von den Kreditkartenfirmen kein Geld.

 

Gepäckversicherung und Rechtsschutz: Bei diversen Kreditkarten ist auch dies abgedeckt, zum Beispiel bei der Cornèrcard. Bei der Mastercard Platinum der CS wird gar die Heimreise von Hunden und Katzen bei einem Krankenhausaufenthalt entschädigt. Zudem kommt man in den Genuss von Vorschüssen für Arzt-, Krankenhaus-, Anwalts- oder Dolmetscherkosten. Dieser Service ist allerdings nicht ganz billig: Die Jahresgebühr beträgt 250 Franken. Eine Zweitkarte kostet gleich noch mal so viel.

 

Erschienen in der BZ am 1. Dezember 2009


Claude Chatelain