Die Gebäudeversicherung lanciert neue Angebote

So wirbt die GVB Privatversicherungen für ihr neues Angebot.
So wirbt die GVB Privatversicherungen für ihr neues Angebot.

Mit neuen Zusatzversicherungen rundet die kantonale Gebäudeversicherung ihr Angebot ab. Über die Tochtergesellschaft GVB Privatversicherungen AG können Hausbesitzer nicht nur Gebäudewasser-, sondern auch Erdbebenschäden versichern.

Kaum ist die neue Tochter der kantonalen Gebäudeversicherung (GVB) mit ihren Zusatzversicherungen auf dem Markt, sorgt sie für reges Treiben. Hausbesitzer werden am Telefon von der Konkurrenz geködert: Oder wer kann widerstehen, wenn er 100 Franken aufs Konto überwiesen bekommt? Für dieses locker verdiente Geld müssen Hausbesitzer lediglich bei der GVB Privatversicherungen AG eine Offerte für eine freiwillige Zusatzversicherung einholen. Nach Erhalt der Offerte ist diese per E-Mail oder per Post der Ampuls Marktforschung in Luzern, Abteilung Team Mystery Research, weiterzuleiten. Diese Marktforschungsfirma wird dann die Offerte an ihren Auftraggeber weiterleiten: Ist das etwa die Mobiliar? «Über unsere Aktivität am Markt geben wir keine Auskunft», sagt Sprecher Jürg Thalmann. Das beschriebene Vorgehen sei jedoch branchenüblich.

 

Auffällige Werbekampagne

 

Das Interesse der Konkurrenz ist nachvollziehbar: Die Gebäudeversicherung stösst mit ihrer rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaft GVB Privatversicherungen AG in ein Geschäftsfeld vor, das bislang den privaten Versicherungsgesellschaften vorbehalten war. Diese wollten mit Rechtsmitteln den Markteintritt des unliebsamen staatlichen Konkurrenten verhindern oder zumindest hinausschieben. Nachdem sie alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, kann der GVB der Verkauf von Gebäudewasserversicherungen nun nicht mehr verwehrt werden.

 

Wasserschäden am Gebäude infolge eines Elementarereignisses waren schon bislang durch die GVB gedeckt. Gelangt jedoch das Wasser nach einem Unwetter durch einen Rückstau in der Kanalisation ins Innere des Hauses, handelt es sich juristisch gesehen nicht um einen Elementarschaden. Demzufolge wird die GVB diesen auch nicht decken. Für solche Risiken schliessen Hauseigentümer eine private Gebäudewasserversicherung ab. Doch häufig ist unklar, ob das Wasser von oben oder von unten ins Haus gelangt. Abgrenzungsprobleme und Deckungslücken waren die Folge. Damit soll nun Schluss sein, wenn die GVB direkt oder via der neuen Tochtergesellschaft das gesamte Spektrum der möglichen Wasserschäden am Gebäude versichert.

 

Hausbesitzer können jetzt Erdbebenschäden versichern lassen

Die kantonale Gebäudeversicherung will nicht warten, bis eine schweizweite Erdbebenversicherung eingeführt wird. Sie bietet Hauseigentümern neu eine Erdbebenversicherung an.

Flavio Anselmetti
Flavio Anselmetti

Ein grosses Erdbeben in der Schweiz? Experten verweisen auf das Jahr 1356, als Basel nach heftigen Erdstössen in Trümmern lag. Es soll sich um ein Beben der Stärke 6,6 auf der Richterskala gehandelt haben. Kaum jemand spricht jedoch vom Erdbeben in Bern, welches «nur» 132 Jahre zurückliegt und im Jahr 1881 für Panik sorgte. Gemäss Richterskala hatte es eine Stärke von 4,8. «Infolge des heftigen Stosses sind mehr als 90 Kamine eingestürzt. Eine grosse Anzahl Gebäude wurde ganz erheblich beschädigt (…), Zimmerwände wurden förmlich zerrissen», schrieb am 29. Januar 1881 das «Berner Stadtblatt».

 

Beben dieser Grössenordnung finden im Kanton Bern statistisch rund alle 100 Jahre statt, erklärte gestern Professor Flavio Anselmetti vom Geologischen Institut der Universität Bern. Beschädigen solche Erdstösse Wohnbauten, so sind diese nicht versichert. Der Bundesrat hat zwar vom Parlament den Auftrag erhalten, eine Gesetzesvorlage für eine obligatorische Erdbebenversicherung auszuarbeiten. Bis eine solche in Kraft tritt, dürften aber noch viele Jahre vergehen. Deshalb bietet nun die GVB Privatversicherungen eine Zusatzdeckung für Erdbebenschäden an. Für ein Haus im Wert von 500 000 Franken beträgt die Jahresprämie 130 Franken.

 

Bei einem Beben der Stärke 5 sollte die GVB in der Lage sein, die Schäden zu decken. Sollte jedoch die Richterskala eine 6 anzeigen, wie das laut Flavio Anselmetti für den Kanton Bern nicht ausgeschlossen werden kann, wäre auch die GVB überfordert. In einem solchen Fall wäre mit Schäden in Milliardenhöhe zu rechnen.

 

Erschienen in de BZ am 19. Januar 2013

 

Claude Chatelain