Die Migros-Bank zählt auf ihre solvente Mutter und hat kein Interesse an Valiant

Im Vergleich zu anderen Banken ist es für die Migros-Bank einfacher, das Kapital aufzustocken – dank ihrer solventen Mutter.

Grundsätzlich haben die Geldhäuser zwei Möglichkeiten, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen, wie das von den Regulierungsbehörden verlangt wird: Sie können das Aktienkapital erhöhen, woran die Aktionäre keine Freude haben. Oder sie können die Dividenden kürzen, woran die Aktionäre ebenfalls keine Freude haben. Die Migros-Bank ist diesbezüglich in einer komfortablen Lage: Sie gehört dem Migros-Genossenschaftsbund. Und dieser hat genug Geld. Er ist nicht auf die Dividenden seiner Banktochter angewiesen ist.

 

Harald Nedwed, der Geschäftsleitungsvorsitzende der Migros-Bank, erklärte gestern an der Bilanzmedienkonferenz, dass in der Vergangenheit und auch in Zukunft weniger Dividenden der Migros abgeliefert würden, rund 25 statt wie bisher 50 Millionen Franken. Dies drückt sich in einem komfortablen Eigenmitteldeckungsgrad von 205 Prozent aus. Die Finanzmarktaufsicht verlangt 150 Prozent. Generell zeigte sich Nedwed über das abgelaufene Geschäftsjahr zufrieden. Der Bruttogewinn liegt zwar leicht unter dem Vorjahr, bleibt aber im langfristigen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Beeindruckend ist der Zuwachs der Kundengelder um 7,4 Prozent.

 

Immobilien? Keine Panik

 

Ziemlich gelassen zeigt sich Nedwed über die Situation auf dem Hypothekarmarkt, nicht nur was die Migros-Bank, sondern generell die Schweiz betrifft. Von einer Immobilienblase will er jedenfalls nichts wissen, obschon Preisschwankungen naturgemäss vorkommen. Interessant ist sein Vergleich mit der grossen Immobilienkrise Ende der Achtzigerjahre, die der Spar- und Leihkasse Thun die Existenz und den Steuerzahler in Bern viele Milliarden Franken kostete. Damals, so Nedwed, hätten die meisten Hausbesitzer variable Hypotheken abgeschlossen. Als die Zinsen stiegen, gerieten sie in die Bredouille. Heute hingegen sei ein grosser Teil der Grundbesitzer mit Festhypotheken verschuldet. Bei steigenden Zinsen hätten sie länger Zeit, sich den neuen Umständen anzupassen.

 

Valiant? Nein danke

 

Dass die Migros-Bank wachsen will, hat sie schon vor drei Jahren kommuniziert. «Warum, Herr Nedwed, kaufen Sie nicht einfach die Valiant-Bank? Die wäre derzeit günstig zu haben.» Worauf der Migros-Bank-Chef erwiderte: «Kaufen Sie alles, nur weil es günstig ist?» Und dann setzte Harald Nedwed seine gewohnt ruhige Haltung ein und erklärt ganz sachlich, dass die Migros-Bank mit ihren gut 60 Filialen schon allein wegen des Vertriebskonzepts nicht zur Valiant-Gruppe mit ihren über 90 Filialen passe. Doch ein Problem für Valiant sei die enge Verbindung mit Entris Banking, welche für diverse Banken Dienstleistungen und Produkte für die Abwicklung des Bankgeschäfts erstellt. Da bestünden langfristige Verträge und Ausstiegsklauseln. «Für einen potenziellen Käufer, der wir nicht sind, wird es schwierig sein, die Valiant-Gruppe zu übernehmen.»

 

Erschienen in der BZ am 18. Januar 2013

Claude Chatelain